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Public Viewing ohne Risiko: "Veranstalter sind heute wacher als vor einigen Jahren"

Mit dem Start der Europameisterschaft tummeln sie sich wieder, die Fußballfans. In Biergärten und Kneipen und - immer öfter - beim Public Viewing. Große umzäunte Areale sollen das „wir-Gefühl“ fördern und schaffen Atmosphäre. Die Veranstalter sind immer darauf bedacht, die bestmöglichen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Doch wo setzt man dazu am besten an? Wie viel Sicherheit ist machbar, was ist realistisch? Wir haben Harry Quast von TÜV NORD befragt. Der Sachverständige entwirft Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen und ist Referent mit langjähriger Praxiserfahrung.

Herr Quast, was sind die größten Hürden, die bei der Veranstaltungsplanung in Punkto Sicherheit genommen werden müssen?

Harry Quast: Die größte Hürde bei Großveranstaltungen ist meines Erachtens die Unwägbarkeit des menschlichen Verhaltens in der Masse. Wo der Einzelne noch vernünftig und überlegt reagiert, greifen bei Menschenmassen Herdentrieb und Gruppenzwang in die Entscheidungsfindung und die folgenden Aktionen der Teilnehmer ein, wenn sie nicht ohnehin bereits von Panik ergriffen wurden und unfähig sind überlegt zu handeln. Für den Einzelnen ist es praktisch unmöglich eine Gefahr abzuschätzen, insbesondere weil er die örtlichen Umstände nicht kennt. Gelingt eine Beurteilung trotzt der Umstände im Einzelfall, ist das Ausweichen für den Einzelnen unter Umständen unmöglich.  Hier ist der Veranstalter im Vorfeld gefragt, sich den „Worst Case“ vorzustellen, Gefährdungen fachlich zu beurteilen, Entwicklungen vorauszusehen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, damit es gar nicht erst zu diesen Situationen kommt.

Sind kleinere Veranstaltungen weniger gefährlich als große Events?

Was den einzelnen Menschen betrifft: in keinem Fall! Die „Safety Awareness“ – also die Wahrnehmung von Gefährdungsgraden ist bei harmlos oder gewöhnlich erscheinenden Umständen beim Individuum stark herabgesetzt. Bei kleineren Veranstaltungen erscheint die Gesamtsituation oft als wenig bedrohlich.  Mit Eintreten bestimmter Umstände oder Gegebenheiten kann die empfundene Sicherheit binnen Sekunden lebensbedrohlich ins erlebte Gegenteil umschlagen. Zum Beispiel, wenn Besucher plötzlich aufgrund eines Neugierdesogs in die entgegengesetzte Richtung strömen, durch Feuerwerkskörper erschreckt werden oder es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt.

Wie schaffe ich Sicherheit?

Zunächst ist planungstechnisch zu erfassen, welche Maximalkapazitäten zur Verfügung stehen. Das gilt sowohl in Fragen der räumlichen Ausdehnung der Veranstaltung in Relation zur tatsächlichen Menschenmenge als auch für die Anzahl der zur Verfügung stehenden Ordnungskräfte, Feuerwehr- und Hilfskräfte als auch schon bei der Auslastung der Zu- und Abfahrtwege sowie des öffentlichen Personennahverkehrs. Dann gilt es, die Abläufe der Veranstaltung mit allen Kleinigkeiten und Notwendigkeiten bis hin zum WC zu entwickeln. Damit ist nur eine Grundlage geschaffen. Am wichtigsten erscheint mir das mit „Crowd- Management“ bezeichnete Organisieren von Menschenmengen. Eine Planung kann so gut sein und so viele vorstellbare Umstände einbeziehen wie denkbar, in der Realität kommt es doch ganz anders. Hier setzt Crowd-Management an: rechtzeitige und angemessene Reaktion auf sich entwickelnde Gefährdungslagen, Flexibilität und Schnelligkeit bei der Handhabung von dynamischen Vorgängen und Eingreifen in die Prozesse bevor es zu nicht beherrschbaren Reaktionen kommt. Dazu müssen wir aktuelle Veranstaltungen gezielt beobachten und beurteilen. Wir müssen Tendenzen erkennen und Kommunikationswege nachvollziehen.

Wie ist Ihre Erfahrung, sind die Veranstalter sensibler geworden bei der Planung?

Ja, ich glaube, die Verantwortlichen sind heute wacher als noch vor wenigen Jahren. Sie sind deutlich bereiter, unterschiedliche und auch ungewohnte Blickwinkel bei der Beurteilung von möglichen Gefährdungen zuzulassen. Außerdem ist die Bereitschaft zur Kommunikation zwischen Vertretern der Behörden und den Veranstaltern deutlich gestiegen. Es ist wichtig, Ursachenforschung zu betreiben und die Ergebnisse auf andere Veranstaltungen zu übertragen.

Die TÜV NORD Akademie bietet eine Fachtagung zum Thema Veranstaltungssicherheit an. Wie ist Ihre Erfahrung, was nehmen die Teilnehmer der Veranstaltung mit?

Vor allem zahlreiche Erfahrungen aus der Praxis. Unsere Referenten sind alle Praktiker und Experten auf ihrem Gebiet. Und sie sind alle bereit, ihr Wissen zu teilen. Ein weiterer wichtiger Punkt für die Teilnehmer ist der Austausch untereinander. Kontakte zu Menschen zu schließen, die vergleichbare Probleme im täglichen Arbeitsalltag haben, führt immer wieder zu neuen Ansätzen. Mittlerweile sind schon gute dauerhafte Netzwerke entstanden.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Über die TÜV NORD Gruppe
Die TÜV NORD Gruppe ist mit über 10.000 Mitarbeitern einer der größten technischen Dienstleister. Mit ihrer Beratungs-, Service- und Prüfkompetenz ist sie weltweit in 70 Ländern aktiv. Zu den Geschäftsfeldern gehören Industrie Services, Mobilität und Bildung. Mit Dienstleistungen in den Bereichen Rohstoffe und Aerospace hat der Konzern ein Alleinstellungsmerkmal in der gesamten Branche. Leitmotiv: „Wir machen die Welt sicherer“.
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