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Ein Tag mit Daniel Kielhorn

Nachdem wir bereits in jeder Ausgabe eine Führungskraft in den "15 Minuten" zu Wort kommen lassen, möchten wir künftig auch allen anderen Mitarbeiter die Möglichkeit geben, sich und ihren Arbeitsalltag in "Ein Tag mit…" vorzustellen. Wenn auch Sie Interesse haben, melden Sie sich gerne bei uns!

Den Anfang macht Daniel Kielhorn. Er ist seit 2009 bei TÜV NORD CERT und arbeitet im Bereich Nachhaltigkeit von Eric Krupp. Als Auditor und Fachleiter für Carbon Services prüft er die CO2-Bilanz von Unternehmen oder Behörden. 

8 Uhr: Daniel Kielhorn sitzt im Frühstücksraum eines Hotels im Raum Stuttgart. Gestern Abend ist der studierte Geologe aus Essen angereist, wo er bei TÜV NORD CERT als Auditor in der Abteilung Nachhaltigkeit arbeitet. Sein Kernbereich ist die Verifizierung von CO2-Bilanzen. "Das heißt, ich prüfe von unabhängiger Seite, ob die Emissionen, die unsere Kunden selbst oder mithilfe von Beratern für sich ermittelt haben, auch stimmen". Dazu zählten in erster Linie Unternehmen aller Branchen. "Ich prüfe aber auch Behörden, einzelne Produkte, Gebäude oder Events". Heute hat Kielhorn einen Termin bei einem örtlichen Lebensmittelverarbeiter. Bevor er aufbricht, checkt der 39-Jährige bei einer Tasse Tee seine E-Mails auf dem Smartphone. Zwar bearbeite er diese in der Regel in seinem Essener Büro. "Aber weil ich so oft unterwegs bin, muss ich zumindest auf dem Laufenden bleiben. Denn ich habe immer mehrere Projekte gleichzeitig".

9 Uhr: Kielhorn ist auf dem Betriebsgelände eingetroffen und wird von einem Firmenvertreter begrüßt. Vor einer Woche hat der Auditor einen Vorbericht mit den Emissionsdaten des Unternehmens erhalten. "Ich habe mir bereits angeschaut, ob alle Bereiche berücksichtigt wurden, die Berechnung plausibel ist und ob geltende Standards eingehalten wurden". Zusammen mit dem Firmenvertreter besichtigt Kielhorn nun den Standort, um sich ein Bild von den unternehmensspezifischen Prozessen zu machen. Außerdem stellt er bei der Gelegenheit fest, ob der Vorbericht wirklich alle Emissionsquellen umfasst hat. "Ich hatte schon den Fall, wo ein Kunde angeblich keinen Gasverbrauch hatte, auf seinem Gelände aber ein großer Flüssiggastank stand".

11 Uhr: Diesmal gab es keine Überraschungen. Kielhorn macht sich daher in den Räumlichkeiten des Lebensmittelverarbeiters an das eigentliche Audit. "Anhand von Nachweisen prüfe ich, ob die Zahlen stimmen, die der Kunde in die Tabellen eingetragen hat". Er schaut sich Strom- und Gasrechnungen an, nimmt Einblick in Datenverarbeitungssysteme und sieht Fahrtenbücher durch. Dabei gleicht er die Zahlen mit denen des Vorberichts ab und trägt sie in Tabellen ein. Zudem zieht er sich Screenshots sowie Scans auf einen USB-Stick. "Denn es kann sein, dass ich mir in der Nachbetrachtung einige Punkte noch mal anschauen muss".

17.30 Uhr: Kielhorn hat alle Unterlagen durchgesehen. Anhand seiner Ergebnisse wird er in den nächsten Tagen einen Abweichungsbericht erstellen. "Darin steht, welche Werte sich vom Vorbericht unterscheiden, wie der Kunde seine Berechnung korrigieren muss und wo ich noch Nachweise brauche". Mitunter seien mehrere Schleifen nötig, bis alles stimme. "Kann der Kunde bestimmte Daten nicht liefern oder signifikante Fehler nicht beheben, muss ich auch schon mal sagen: Das wird diesmal leider nichts". Allerdings sei dies die Ausnahme. Kielhorn ruft sich ein Taxi zum Bahnhof. Morgen muss er wieder im Büro sein, um die sogenannte Klimaneutralstellung eines Gasversorgers zu verifizieren. Dieser hat hierfür Zertifikate gekauft, die durch Einsparung von CO2 in Klimaschutzprojekten entstanden sind. Deren Menge entspricht den zuvor durch Kielhorn geprüften Emissionen. Anschließend hat der Versorger die Zertifikate stillgelegt, damit sie nicht erneut gehandelt werden können. "Das alles passiert über Konten in Datenbanken", erläutert Kielhorn. "Ich bekomme einen Zugang und prüfe, wie viele Zertifikate der Kunde gekauft hat, ob deren Herkunft einwandfrei ist und ob sie tatsächlich stillgelegt wurden".

Manchmal, erzählt er, werde er gefragt, ob die vielen Zahlen auf Dauer nicht langweilig seien. "Ich antworte dann, dass ich ja viel herumkomme, auch im Ausland. Und ich bekomme Einblick in viele verschiedene Branchen. Das ist sehr spannend".

Vielen Dank für das Gespräch!