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15 Minuten mit Harald Brandt

Harald Brandt kam 1994 zu TÜV NORD und ist heute als Certification Scheme Manager (CSM) für die weltweiten Systemzertifizierungen im Bereich "Transport" verantwortlich. Das Arbeitsgebiet umfasst hierbei die Bereiche Automobil, Bahn und Luftfahrt. Der 56-jährige gebürtige Ostfriese lebt im Landkreis Schaumburg, ist verheiratet und hat eine Tochter.

Herr Brandt, schildern Sie uns bitte kurz Ihren bisherigen Werdegang?

Als gelernter Maschinenbauingenieur kam ich nach einem Wechsel von Mannesmann Rexroth Pneumatik 1994 zum damaligen TÜV Hannover Sachsen-Anhalt e.V.. Zuerst war ich tätig als Beratungsingenieur zur Unterstützung von Unternehmen beim Aufbau von QM-Systemen, dann als Auditor im Bereich ISO 9001 und Automotive Standards, sowie im Laufe der Zeit als Gruppenleiter, Abteilungsleiter, und parallel als Fachleiter im Transport-Sektor.

Harald Brandt

2011 wechselte ich als QM-Verantwortlicher zur Fa. BENTELER Steel-Tube nach Paderborn, bis ich 2014 – nachdem "TÜV NORD und ich zum Schluss kamen, das das gut für uns beide sei" – als CSM (Certification Scheme Manager) zur TÜV NORD zurückkehrte, um in meiner nun aktuellen Position vom Standort Hannover aus tätig zu sein.

Welche Aufgaben fallen in Ihren Bereich?

Sämtliche Zertifizierungen im Bereich Automobil, Luftfahrt und Transport fallen unter meine fachliche Gesamtverantwortung. Schwerpunkt unseres Gespräches heute ist der Automotive-Sektor. Hier bin ich als TÜV NORD CERT Fachleiter für die IATF 16949 und VDA-6.x Zertifizierungssysteme benannt, die von Automobilherstellern der IATF International Automotive Task Force (wie BMW, FORD Fiat-Chrysler-Automobile, GM, Mercedes, PSA, Renault, Volkswagen) als Basis für Geschäftsbeziehungen zu ihren Lieferanten gefordert werden. Unsere weltweit rund 180 angestellten und beauftragten Auditoren sind hierbei über die IATF qualifiziert und zertifiziert worden, um diese Zertifizierungsaufgabe im Namen der Hersteller wahrzunehmen.

Berichten Sie uns mehr darüber?

Zunächst einmal als Hintergrund: IATF 16949 ist als weltweit anerkannter Qualitätsstandard in der Automobilbranche seit vielen Jahren eine Grundvoraussetzung für die weltweite Belieferung der wesentlichen Automobilhersteller mit Fahrzeugteilen. Wir sind eine von 41 weltweit anerkannten Zertifizierungsstellen für IATF 16949. Als solche haben wir aktuell über 3000 Zertifikate ausgestellt. Mehr als 90 Prozent dieser Zertifikate werden von Unternehmen im Ausland gehalten, vornämlich in China, Indien, Thailand, Türkei und vielen weiteren Ländern, aber auch in Regionen wie Europa und Amerika. Wir können damit im Sinne unserer globalen, kundenfokussierten OBS-Strategie sagen: Wo die Automobilindustrie ist, sind auch wir mit unseren Dienstleistungen rund um das Thema Zertifizierung.

Für uns als TÜV NORD CERT GmbH ist der VDA als unser Vertragspartner verantwortlich für den IATF-16949 Zertifizierungsstandard. Er überprüft uns auf Basis globaler Geschäftsstellenaudits und begleitet unsere Auditoren weltweit stichprobenartig zu Vor-Ort-Audits bei unseren Klienten. Zudem werden wir tagesaktuell über datenbankbasierte Prozessindikatoren ("KPIs"), also Leistungskennzahlen, überwacht. Die von IATF gesetzten Kennzahlenziele erfüllen wir nun konstant seit fünf Jahren und sind sehr stolz darauf. Viele unserer globalen Wettbewerber schaffen das nicht und haben zum Teil mit entsprechenden Sanktionen der IATF/des VDA zu kämpfen.

Was ist das Erfolgsrezept?

Tolle, engagierte Mitarbeiter und Teams, sowohl auf fachlicher Basis als auch im operativen Geschäft. Grundlage hierfür ist eine aus meiner Sicht sehr gute internationale Zusammenarbeit, die wir über die Jahre entwickeln konnten. Wir beziehen unsere ausländischen Kollegen stark in unsere Arbeit als Zertifizierungsgesellschaft ein. Basierend auf der von mir verantworteten und in 2014 initiierten "One-Automotive"-Vision folgen wir unserem Weg anhand folgender Missionen:

  1. Den Rahmen für eine prozessorientierte Zusammenarbeit schaffen
  2. Bewusstsein für interne und externe Anforderungen und Erwartungen erzeugen
  3. Akzeptanz in Bezug auf die Erfordernisse und deren Umsetzung erreichen
  4. Risiken minimieren und Prozessabweichungen wirksam korrigieren
  5. Kontinuierliche Verbesserung messen und stärken.

Wir haben unsere internationalen Büros hier sehr früh mit eingebunden und neben der Identifikation, Definition und Überwachung unserer Prozesse einen Schwerpunkt auf die Themen "Bewusstsein" und "Akzeptanz" gelegt.

Der gute Kontakt zu unseren Auslandsgesellschaften ist mir generell sehr wichtig. Ich bin weltweit unterwegs, um mich z.B. mit den Kollegen in China und Taiwan, Indien, Thailand, dem Iran, Mexiko und Brasilien zu treffen und die Zusammenarbeit zu stärken und aktiv an der Umsetzung unseres "One-Automotive"-Ansatzes zu arbeiten. Neben der Nutzung von Videokonferenzsystemen ist der persönliche Kontakt gerade in diesen komplexen Zertifizierungsthemen sehr wichtig. Aus meiner Erfahrung wird diese Zusammenarbeit von den Kollegen sehr wertgeschätzt, insbesondere wenn sich jemand von TÜV NORD aus Deutschland zeigt.

Welche Rolle spielt der Bereich Automotive für unser Zertifizierungsgeschäft?

2019 haben wir weltweit rund 12 Millionen Euro Umsatz mit dem Bereich Automotive erwirtschaftet. Für 2020 müssen wir weiterhin die anspruchsvollen und weiter steigenden Anforderungen unseres Vertragspartners, IATF/VDA erfüllen, um in Zusammenarbeit mit OBS- und Clustermanagement und den zugeordneten Vertriebsbereichen unseren Marktanteil, der aktuell bei rund vier Prozent liegt, zu halten und auszubauen. Der Markt wächst und wir sind in der Lage, daran teilzuhaben.

Wie sehen Ihre Pläne für 2020 aus?

In diesem Jahr stehen wir von einer technischen Herausforderung: Das Audit-Berichtswesen für IATF-Zertifizierungen soll für alle Zertifizierungsgesellschaften bis August 2020 vereinheitlicht werden und ist dann umzusetzen. Das ist auch in Bezug auf IT-Schnittstellen und -Integration sowie Prozessanpassungen anspruchsvoll.

Zudem werden die Themen E-Mobilität, autonomes Fahren sowie die strategische Ausrichtung großer Automobilfirmen, weg vom reinen Hersteller hin zu Anbietern von Mobilitätsdienstleistungen, uns fordern, aber auch Chancen bieten. Eine fachübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der TÜV NORD, national und international, wird hier zunehmend wichtig. Ebenso wie das Thema Produktion in Bezug auf Anforderungen an Software- und Datensicherheit. Hier werden neue Normen entwickelt und bestehende angepasst. Darauf müssen wir uns und unsere Auditoren auch fachlich einstellen.

Vielen Dank für das Gespräch!