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Cluster: Americas

Seit dem Start von BOLD MOVE gehören viele von uns zum OBS Systemzertifizierung. Dessen Cluster haben wir Ihnen in den vergangenen Ausgaben nach und nach vorgestellt. Doch seit der Vorstellung des ersten Clusters hat sich einiges getan. Drei Cluster sind inzwischen unter neuer Führung. Grund genug, dort nochmal nachzufragen. Diesmal im Fokus: "The Americas" unter neuer Leitung von Hakan Sen. Er war 15 Jahre bei TÜV NORD CERT in Essen, bevor er in die USA ging und dort seit August das Cluster Americas leitet. Wie das Leben in Amerika ist und welche Projekte er plant, erzählt er im Interview.

Herr Sen, wie geht es Ihnen in den USA?

Uns geht es sehr gut hier. Wir haben uns eingelebt und die Kinder haben in der Schule schnell Anschluss gefunden.

Was sind die größten Unterschiede zum Leben in Deutschland?

Da gibt es viele. Zum Ersten das Essen: Ich vermisse schon die Kantine in der Langemarckstraße. Das Essen hier ist wirklich gewöhnungsbedürftig. Das Brot ist immer süß und sehr weich, es gibt eine riesige Auswahl an ungesunden Dingen und Fleisch ist günstiger als Gemüse. Für unseren ersten Deutschlandbesuch hat mein Sohn aber schon ganz genaue Pläne: Currywurst, Pommes und Döner. 

Hakan Sen mit seinen Kindern

Der nächste Unterschied für die Kinder: Hier findet das gesamte soziale Leben in der Schule statt. Vormittags haben die Kinder Unterricht, nachmittags werden verschiedene Sportprogramme angeboten. Neben American Football gibt es in der Jahrgangsstufe meines Sohnes sogar zwei Fußballmannschaften, was ihn sehr gefreut hat.

Und der dritte große Unterschied: Nichts geht ohne Auto. Niemand fährt hier Fahrrad oder geht einfach so "mal eben zu Fuß zum Bäcker". Man steigt für wirklich alles ins Auto, weil die Distanzen einfach größer sind. Selbst an Halloween kamen die Kinder mit Autos angefahren, klingelten für "Süßes oder Saures" und fuhren dann mit dem Auto weiter zum nächsten Haus. Darum ist es hier auch selbstverständlich, den Führerschein bereits mit 16 Jahren zu machen. Mein Sohn Devin freut sich schon riesig darauf.

Und wie waren die ersten Monate bei TÜV USA für Sie?

Ich fühle mich hier sehr wohl. Mein Büro ist in Salem, das liegt im US-Bundesstaat New Hampshire an der Nordostküste der Vereinigten Staaten. Das Cluster Americas hat 71 Mitarbeiter in den USA, Kanada, Brasilien, Argentinien und Mexiko. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Wir bündeln unsere Ressourcen und erweitern ständig unser Serviceportfolio bzw. bilden gemeinsam Auditoren aus, die dann für das gesamte Cluster arbeiten. Generell ist die Mitarbeiterentwicklung ein sehr wichtiges Thema für mich:

Hakan Sen

Hier war die Struktur historisch eher „from top down“, was ich zu einer agilen Führungsstruktur und somit zu mehr Entscheidungskompetenzen beim Mitarbeiter ändern möchte. Dafür ist der Aufbau von Mitarbeiterkompetenzen entscheidend. Ich sehe mich mehr als Begleiter für meine Mitarbeiter. Mein Motto ist: Die besten Lösungen kommen vom Mitarbeiter und Fehler sind zum Lernen da. Das habe ich durch meine Zeit bei TÜV NORD CERT in Deutschland gelernt und gelebt. In meinen 15 Jahren wurde ich vom Sachbearbeiter zum Geschäftsführer und habe alles von der Pike auf gelernt. Meine Vorgesetzten, die Geschäftsführung und das Talentmanagement haben mich auf meinem Karriereweg toll unterstützt und diese Unterstützung möchte ich auch meinen Mitarbeitern weitergeben.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Wir möchten uns geografisch besser aufstellen: Bisher haben wir in den gesamten USA nur die Niederlassung in Salem und können Kunden und Geschäftspartner nicht optimal versorgen. Das ist so, als wenn man Europa von Bottrop aus bedienen möchte. Daher beabsichtigen wir, 2019 eine weitere Niederlassung in Kalifornien aufzubauen. Damit können die verschiedenen Zeitzonen besser abgedeckt und die Kundennähe verbessert werden. Für 2020 ist zudem ein neuer Standort in Kanada geplant. Hierzu haben wir bereits einen ordentlichen Kundenstamm und ein Netzwerk aufbauen können.

Die Kundenbindung ist generell ein wichtiges Thema für uns: Im Vergleich zu Deutschland herrscht hier in der Arbeitswelt eine höhere Fluktuation, was kulturell in den USA ganz normal ist. Die Kunden binden sich – genau wie in Deutschland – mehr an den Auditor, als an das Unternehmen. Wenn der Auditor dann aber nach zwei oder drei Jahren das Unternehmen wechselt, nimmt er den Kunden oft mit. Das möchten wir in Zukunft ändern und die Kunden mehr an unser Unternehmen und an Kundenbetreuer binden. Auch die Bindung der Auditoren spielt hierbei natürlich eine Rolle.

Ein weiteres Projekt für 2019 ist die Eröffnung eines neuen „Shared Service Center AMERICAs“ in Mexiko. Von dort aus sollen zentrale Tätigkeiten für das gesamte Cluster Americas übernommen werden. Wir starten zunächst als Pilotprojekt mit der Auditorenberufung, später können auch weitere Tätigkeiten hinzukommen. Viele Gesellschaften in unserem Cluster sind relativ klein und freuen sich, künftig Unterstützung von Kompetenzteams zu bekommen. Mexiko ist dafür als Standort ideal: Man findet schnell qualifiziertes Personal und es gibt keine Sprachbarrieren nach Nord- und Südamerika. Die Kostenstruktur in Mexiko erlaubt es zudem, dass auch kleinere Gesellschaften den Service in Anspruch nehmen und die frei werdenden Ressourcen besser für ihre Kunden einsetzen können.

Vielen Dank für das Gespräch!