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Wie sich die neueste Version der GFSI-Benchmarking-Anforderungen auf Ihr nächstes Audit auswirken wird

Gastbeitrag durch die Global Food Safety Initiative GFSI

Im März 2020 veröffentlichte die GFSI eine neue Version der GFSI-Benchmarking-Anforderungen. Die Version 2020, die drei Jahre nach der Version 7, am 20. Jahrestag der Global Food Safety Initiative selbst, veröffentlicht wurde, stellt erneut sicher, dass die GFSI relevant bleibt. Zudem führt sie Änderungen ein, um sie an die neuesten Trends im Bereich der Lebensmittelsicherheit anzupassen. Dies ist ein entscheidendes Element des Vertrauens, das die Lebensmittelindustrie in die GFSI setzt, und untermauert ihr Kernziel "einmal zertifiziert, überall akzeptiert".

Wenn man die GFSI-Benchmarking-Anforderungen liest, wird man signifikante Veränderungen in ihrer Struktur und Sprache feststellen. Die bei weitem größten Änderungen betreffen zwar nicht direkt die zertifizierten Organisationen, aber die Struktur der Anforderungen wurde an die in ISO 22003-1 definierten Bereiche angepasst, und die Sprache wurde harmonisiert und vereinfacht, um alle Unklarheiten zu beseitigen. Dies führt zu einem konsistenteren, genaueren und objektiveren Benchmarking von Zertifizierungsprogrammen für Lebensmittelsicherheit.

Welche Änderungen werden sich also tatsächlich auf zertifizierte Organisationen auswirken? Zunächst einmal werden sich einige Neuerungen darauf auswirken, wie das Audit durchgeführt wird. Diese Änderungen betreffen:

  1. die Mindestauditdauer
  2. unangekündigte Audits
  3. und den Einsatz von Technologien im Audit.
Gastautorin Marie-Claude Quentin Senior Technical Manager, GFSI

Die Änderungen im Detail

Mindestauditdauer

Die Mindestauditdauer wurde von "typisch" zu "minimal" geändert. So wird das Risiko verringert, dass die Auditdauer für die Auditoren nicht ausreicht, um ihre Arbeit durchzuführen. Dieses Minimum variiert je nach Industriesektor, von 1/2 Tag für die Primärproduktion bis zu zwei Tagen für Produktionsstätten. Begründete Ausnahmen sind zulässig, müssen aber kontrolliert und überprüft werden.

Regelungen zum Einsatz von digitaler Technologie rund um das Audit

Längst überfällig, wurde die Version 2020 rechtzeitig um Anforderungen rund um den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bei Lebensmittelsicherheitsaudits ergänzt. Gerade in diesem Jahr, in dem Fernaudits mehr denn je ein nützliches Instrument waren und sind, ist diese Anpassung sehr wichtig. Die GFSI erlaubt es, dass die Teile der Audits, die nicht die Inspektion und physische Überprüfung der GMP (Good Manufacturing Practice), sowie die Überprüfung, dass das FSMS (einschließlich HACCP) alle anwendbaren Praktiken des Betriebs abdeckt, mit Hilfe von moderner Informations und Kommunikationstechnologie durchgeführt werden können. Dies kann so lange geschehen, wie die auditierte Organisation mit diesem Audit-Ansatz einverstanden ist.

Unangekündigte Audits

Die neuen Benchmarking-Anforderungen machen unangekündigte Audits obligatorisch. Im Primärsektor müssen mindestens 10% der jährlich durchgeführten Audits unangekündigt durchgeführt werden; in den anderen Sektoren müssen Audits alle 3 Jahre unangekündigt durchgeführt werden. Unangekündigte Audits erhöhen das Vertrauen der Kunden, da sie dazu beitragen, nachzuweisen, dass die zertifizierten Organisationen ihr Managementsystem für Lebensmittelsicherheit (FSMS) täglich anwenden und die richtige Kultur rund um die Lebensmittelsicherheit aufrechterhalten.

Weitere Anforderungen

Ihre Zertifizierungsstelle wird Ihnen helfen zu verstehen, wie sich diese Änderungen auf Ihr nächstes Audit auswirken werden und kann Ihnen die zur Verfügung stehenden Optionen erläutern.

Andere Änderungen der GFSI-Benchmarking-Anforderungen wirken sich darauf aus, was während des Audits geprüft wird. Diese umfassen:

  • Es wird erwartet, dass Elemente der Lebensmittelsicherheitskultur in das Managementsystem für Lebensmittelsicherheit aufgenommen werden: Dazu sollten zumindest Kommunikation, Schulung, Feedback von Mitarbeitern und Leistungsmessungen zur Lebensmittelsicherheit gehören.
  • Es sind dokumentierte Tests des Rückverfolgbarkeitssystems durchzuführen.
  • Produktdesign und -entwicklung sollen sicherstellen, dass sichere und legale Produkte hergestellt werden.
  • Produktanalysen müssen in Übereinstimmung mit den geltenden Anforderungen der ISO17025 durchgeführt werden.
  • Interne Inspektionen des Standorts und der Ausrüstung sind jetzt erforderlich.

Die GFSI-Benchmarking-Anforderungen sind in der Regel nicht bindend. Sie sind außerdem für die Bewertung von Zertifizierungsprogrammen  und nicht für Audits bestimmt. Um weiter zu verstehen, wie sich dies auf Ihr Audit auswirkt, erarbeiten Sie die aktuelle Version Ihres Zertifizierungs-Standards prüfen, die vom Standardeigner bereits auf die Version 2020 der GFSI-Benchmarking-Anforderungen abgestimmt sind. Ebenso empfehlen wir, dass Sie die dazugehörigen Richtlinien lesen, soweit solche herausgegeben wurden. So können Sie die Änderungen identifizieren, die seit der letzten Version des jeweiligen Standards vorgenommen wurden. Diese Informationen sind auf den Webseiten der Standardeigner erhältlich.


Stand: 11.01.2021

Philipp Nahrmann

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