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"Wir sind für unsere Kunden da"

Die Corona-Krise hat Wirtschaft und Gesellschaft weiterhin im Griff. Welche Maßnahmen TÜV NORD CERT ergreift, um dennoch Audits durchzuführen und wie es die nächsten Monate weitergehen könnte; diese Fragen stellten wir Wolfgang Wielpütz, Geschäftsführer der TÜV NORD CERT GmbH.

Wolfgang Wielpütz

 

Herr Wielpütz, wie erleben Sie derzeit die Corona-Krise beruflich und privat?

Herausfordernd. Quasi über Nacht ist unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben zum Erliegen gekommen. Im Unternehmen haben wir einen Krisenstab eingerichtet und bewerten die Lage fast täglich neu. Wichtigste Aufgabe ist dabei stets, die Gesundheit unserer Mitarbeitenden, Kunden und Geschäftspartner – auch im Ausland – zu schützen und entsprechende Maßnahmen festzulegen. Natürlich müssen wir auch Wege und Lösungen finden, unter den gegebenen Umständen den Geschäftsbetrieb weiter aufrechtzuerhalten.

Familie und Freunde im Rahmen der Kontaktbeschränkungen nicht mehr wie gewohnt zu treffen, war vor allem zu Beginn nicht leicht. Auch an das Tragen der Mundschutzmaske musste ich mich erst gewöhnen. Es ist mir nicht nur einmal passiert, dass ich ohne Maske aus dem Haus gegangen bin, nur um gleich wieder umzukehren. Mittlerweile klappt das aber ganz gut.

 

Wie ist bislang die Reaktion Ihrer Kunden? Werden viele Audits abgesagt?

Als die ersten Coronafälle in Deutschland bekannt wurden, liefen unsere Audits zunächst noch wie gewohnt weiter. Mit den gestiegenen Fallzahlen und den zunehmenden Maßnahmen der Regierung hat sich auch bei uns die Situation schlagartig geändert. Zahlreiche Audits sollten verschoben werden. Da eine Verschiebung aber in den meisten Fällen auch nur um maximal sechs Monate möglich ist, haben sich Remote-Audits als gute Alternative herausgestellt. So haben wir im April rund ein Drittel aller Audits remote durchführen können. Dies ist auch deshalb möglich, weil die meisten Akkreditierer ihre Vorgaben der besonderen Situation angepasst und den Anteil an remote durchführbaren Audits erheblich ausgeweitet haben.

Ist diese Krise also auch eine Chance für die Digitalisierung?

So schlimm die Situation ist – die Digitalisierung gewinnt durch sie schlagartig an Bedeutung. Jedes Unternehmen, das bereits über ein hohes Maß an Digitalisierung verfügt, ist jetzt eindeutig im Vorteil. Alle anderen müssen sich von jetzt auf gleich mit digitaler Technik beschäftigen. Und viele von ihnen merken: Es funktioniert. Audits können tatsächlich erfolgreich remote durchgeführt werden. Auch das Homeoffice funktioniert. Wir sind uns alle einig, dass dies kein Dauerzustand sein sollte. Aber ich denke, dass hiervon auch einiges für die Zeit nach Corona mitgenommen werden kann.

Sie führen neben Remote-Audits auch weiterhin Audits vor Ort durch. Wie können Sie die Gesundheit Ihrer Auditorinnen und Auditoren sowie Ihrer Kunden schützen?

Wir haben umfangreiche Schutzmaßnahmen aufgestellt. Bereits zu Beginn der Pandemie wurden überall im Unternehmen Desinfektionsspender aufgestellt, die Betriebsrestaurants geschlossen, Kundenveranstaltungen abgesagt und interne Meetings auf remote umgestellt. Unsere Auditorinnen und Auditoren führen keine Reisen in Gebiete durch, die als "Hotspots" für Covid-19-Erkrankungen gelten. Sie werden mit Desinfektionsmitteln und Atemschutzmasken ausgestattet und sind natürlich mit den Abstandsregelungen vertraut. Die Erörterung der Möglichkeiten vor Ort und ihre Eignung für die Durchführung eines erfolgreichen Audits gehört ohnehin zur Auditvorbereitung. Auf diese Weise können wir Audits guten Gewissens weiterhin vor Ort durchführen. Und bisher gab es glücklicherweise auch keinen einzigen Krankheitsfall in der TÜV NORD CERT.

Apropos Schutzmasken: TÜV NORD prüft neuerdings auch Schutzausrüstung für den medizinischen Bereich.

Ja, das stimmt. Aufgrund des derzeit sehr hohen Bedarfs an Schutzmaterial nimmt auch der Bedarf an Prüfung der Ware zu. Die Berichte über unbrauchbare oder mangelhafte Atemschutzmasken sind ja allgemein bekannt. Wir wurden vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) beauftragt, aus dem Ausland importiertes Schutzmaterial, vorrangig Atemschutzmasken, zu inspizieren und zu prüfen. Ziel ist es, das dringend benötigte Schutzmaterial zügig in den Verkehr zu bringen. Die Prüfkette beginnt dabei am Ort der Produktion, vorrangig in China, und reicht über einen Labortest bis zur Verteilung an medizinische Einrichtungen in Deutschland.

Niemand kann in die Zukunft blicken. Aber Ihre persönliche Einschätzung: Wie geht es weiter?

Die Meldungen der vergangenen Tage lassen uns ein wenig optimistischer stimmen. Die Infektionszahlen sind gesunken, die Regierungen auf Bundes- und Landesebene haben die Maßnahmen gelockert. Jedoch sind die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie noch nicht abzuschätzen. Unsere Kunden hat es – je nach Branche – teilweise hart getroffen. Natürlich hoffen wir – wie alle Unternehmen – auf eine baldige Erholung und darauf, den Geschäftsbetrieb wieder voll aufzunehmen. Für uns bedeutet dies, in der zweiten Jahreshälfte die aufgeschobenen Audits nachzuholen. Dennoch wird es sicher noch einige Zeit dauern, bis wir diese Krise überwunden haben. 

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