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Digitalisierung erfolgreich managen

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Beitrag vom 30.10.2020

Digitalisierung im Unternehmen

Im ursprünglichen Sinne bezeichnet der Begriff "Digitalisierung" das Umwandeln von analogen Werten in digitale Formate, die sich informationstechnisch verarbeiten lassen. Oft wird der Begriff jedoch auch als Synonym für die digitale Tansformation gebraucht. Wo liegen die Unterschiede und welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf Unternehmen?

In unserem Interview mit der Digitalisierungsexpertin Janka Krings-Klebe erfahren Sie außerdem, welche Rolle der Mensch bei der Digitalisierung spielt und inwiefern Digitalisierung mit Führung, Agilität und Innovationen im Unternehmen zusammenhängt!

Interview mit Digitalisierungsexpertin Janka Krings-Klebe

Gibt es einen Unterschied zwischen Digitalisierung und digitaler Transformation? Und wenn ja, welchen?

Janka Krings-Klebe: Bei der Digitalisierung liegt der Fokus auf der Effizienzsteigerung des bestehenden Geschäfts durch Automatisierung. So kann zum Beispiel eine durchgängig digitalisierte und somit papierlose Auftragsabwicklung den Aufwand um 30% verringern und die Faktura von Aufträgen von Wochen auf Stunden verkürzen. Ein anderes Beispiel ist die Digitalisierung der Lagerverwaltung, die deutlich schlankere und effizientere Logistikprozesse ermöglicht. Hier helfen digitale Lösungen dabei Kosten, Zeit und Lagerplatz zu sparen. 

Bei der Digitalen Transformation liegt der Fokus auf der Weiterentwicklung des Unternehmens für zukünftiges Geschäft. Dieser Wandel betrifft alle Abläufe, Stukturen, Kompetenzen und Führung bis hin zum Geschäftsmodell. Ein Beispiel: ein Unternehmen verkauft Maschinen. Zukünftig plant das Unternehmen, die Maschinen nicht mehr zu verkaufen, sondern nur noch die Betriebsstunden in Rechnung zu stellen. Dazu braucht es dann neben Betriebsstundenzählern für die Maschine auch ganz andere Prozesse und Strukturen, um die Betriebsstunden zeitnah kleinteilig erfassen und fakturieren zu können. Das verändert dann die ganze Zusammenarbeit und Organisation beim Kunden und Lieferanten.

Welche Rolle spielt der Faktor Mensch bei all der digitalen Technik?

Janka Krings-Klebe: Die digitale Technik ist ja kein Selbstzweck. Letztlich soll sie dem Menschen dienen, und nicht anders herum. Die Menschen müssen deshalb in die Veränderungen von Anfang an eng eingebunden werden, und ihre Rückmeldungen für zeitnah umgesetzte Verbesserungen oder sogar Richtungsänderungen genutzt werden. Zwischen den Planern von Veränderungen und denjenigen, die diese Veränderungen am deutlichsten spüren – also den Mitarbeitern und Kunden –  sollte idealerweise ein enger Dialog zustande kommen, damit unterschiedliche Interessen zufriedenstellend ausbalanciert werden. 

Was verändert sich im Thema Führung?

Janka Krings-Klebe: Der Wandel stellt Führungskräfte vor ganz neue Herausforderungen. Geschäftsfelder, interne Abläufe, Organisationsformen und Unternehmenssteuerung müssen sich immer schneller an ein geändertes Umfeld anpassen. Der Schwerpunkt verlagert sich vom Unternehmensinneren viel stärker nach außen, auf den Wandel von Kundenbedürfnissen und dem schnellen Aufbau von neuen Fähigkeiten zu ihrer Befriedigung. Für all das braucht es eine Führung, die im Unternehmen neue Teams schnell ins Arbeiten bringt, die trotz Unsicherheit entscheidet und dabei auch Risiken eingeht. Letztendlich also genau das, was einen guten Unternehmer ausmacht. 

Was hat das mit Agilität zu tun?

Janka Krings-Klebe: Die Zeiten stabiler, planbarer Märkte sind vorbei. Dynamischere Märkte und kürzere Produktlebenszyklen erfordern ständige Anpassung in einer noch nicht dagewesenen Geschwindigkeit. Das verändert von der Produktplanung bis zur Lieferung alle Managementprozesse und Praktiken im Unternehmen. So behindern z.B. die heute üblichen Budgetierungsrunden im Jahresrhythmus massiv die Entwicklung profitabler  digitaler Produkte. Sobald ein Produkt digital ist, erwarten die Kunden zu Recht nämlich digitale Geschwindigkeit auch in der Wartung und Anpassung des Produktes an ihre Bedürfnisse. Digitale Geschwindigkeit erfordert die Anpassung von Produkten und Prozessen in einem viel schnelleren Takt, also Wochen oder Monaten statt Jahren.

Herkömmliche Unternehmensprozesse tun sich damit sehr schwer. Unternehmen zahlen bei ihren ersten digitalen Produkten daher oft viel mehr drauf als gedacht, weil die Konsequenzen für das restliche Unternehmen anfangs gar nicht gesehen oder massiv unterschätzt werden. Es reicht halt nicht ein digitales Produkt in einem Innovationslabor nach den neuesten agilen Methoden zu entwickeln. Meist stellt sich nach der Inbetriebnahme beim Kunden heraus, dass da noch viel mehr erforderlich ist, um mit einem digitalen Produkt dauerhaft Geld zu verdienen. 

Wie hängen diese Themen mit Innovationen zusammen?

Janka Krings-Klebe: Digitale Lösungen erzeugen sehr oft Innovation und sind damit Treiber des Wandels. Digitale Technik schafft Transparenz, macht Daten in Echtzeit verfügbar und ermöglicht so ganz neue Lösungen, zum Beispiel für die Zusammenarbeit oder Auftragsabwicklung. Dadurch können Kundenbedürfnisse ganz anders, vielfach leichter und schneller befriedigt werden. Denken Sie zum Beispiel an Streamingdienste für Filme. Das wiederum kann die Erwartungshaltung von Kunden und ganzen Märkten verändern. Innovation und digitale Lösungen werden dann zum Muss. Oder kennen Sie noch jemandem, der in eine Videothek geht?

Warum sind Digital Transformation Manager im Unternehmen so wichtig?

Janka Krings-Klebe: Eine Digitale Transformation ist ein tiefgreifender Wandel für ein Unternehmen. Dafür braucht es jemanden, der das Ziel im Auge behält, die auftauchenden Hürden kennt und damit umgehen gelernt hat. Mit diesem Handwerkszeug wird der Wandel leichter fallen bzw. überhaupt sinnvoll gestartet werden können.

Sobald Unternehmen anfangen, interne Strukturen und Abläufe zu verändern, brauchen sie jemanden, der sinnvolle Potenziale identifiziert, das Gesamtkonzept gestaltet und die vielfältigen Aktivitäten koordiniert, damit diese nicht im Tagesgeschäft versanden.

Wie qualifizieren Unternehmen ihre Mitarbeitenden?

Janka Krings-Klebe: In Seminaren lernen Mitarbeitende, die Herausforderungen der digitalen Transformation richtig einordnen zu können und den Mehrwert für das eigene Unternehmen zu erkennen und nutzbar zu machen. Daher liegt der Fokus auch weniger auf digitalen Tools als vielmehr auf Innovation, Prozessen, agilen Organisationsformen, Unternehmenssteuerung und natürlich Führung im Wandel.

Die TÜV NORD Akademie bietet den Zertifikatslehrgang zum Digital Transformation Manager (TÜV) in zwei Teilen an. Im ersten Teil lernen die Teilnehmenden, wie sie die digitale Transformation im Unternehmen starten können; im zweiten Teil liegt der Fokus auf der erfolgreichen Integration von digitalen Prozessen und agilen Strukturen im Unternehmen.

Die Seminare sind für jeden wichtig, der sich über die reine Digitalisierung hinaus mit der Weiterentwicklung des Unternehmens beschäftigt und wissen muss, wie man das Unternehmen fit für zukünftiges Geschäft macht. 

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Oliver Wolter

Oliver Wolter

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