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Die neue, achte Version des BRC Global Standard for Food ist am 1. Februar 2019 in Kraft getreten. Wie sind die ersten Audits seitdem gelaufen? Diese und weitere Fragen stellten wir Maria Kosik, Auditorin für Lebensmittelsicherheitssysteme bei TÜV NORD Polen. 

Die achte Version des BRC FOOD Standard brachte zahlreiche Änderungen mit sich. In welchen Bereichen erforderte sie den größten Arbeitsaufwand?

Vor dem Hintergrund meiner 15-jährigen Auditerfahrung war ich nicht überrascht, dass die neue Version des BRC genauso wie neue Versionen anderer Standards zahlreiche Fragen hinsichtlich der Auslegung und Bewertung der Umsetzung aufwirft. Die Ausgabe 8 stellt vor allem den Präventionsbedarf im Bereich des Lebensmittelbetrugs in den Fokus. Dies gilt sowohl für die Beschaffung von Rohstoffen, Zusatzstoffen und Materialien als auch für die Herstellung von Produkten in den geprüften Betriebsstätten. Hierbei handelt es sich um ein schwieriges Thema, mit dem sich noch nicht alle Unternehmen ausreichend auseinandergesetzt haben. Eine zuverlässige Risikobewertung für Rohstoffe erfordert detailliertes Produktwissen, Marktkenntnisse, Rückverfolgbarkeit der Lieferkette und historische Daten zu Betrugsfällen und Verunreinigungen. Die Umsetzung der Anforderungen zur Bekämpfung des Lebensmittelbetrugs macht es möglich, die Authentizität von Lebensmittelprodukten systematisch zu kontrollieren – von der Risikobewertung der eingekauften Rohstoffe bis hin zur Risikobewertung und Qualifikation von Lieferanten, von der Verifizierung der Lieferkette bei einer Beschaffung über Zwischenhändler bis hin zur Kontrolle der Etiketten und der Verbraucherinformation.

Food Defence gehörte in der vorangegangenen Version des Standards zu den größten Herausforderungen für Unternehmen. Wurde diese Anforderungen nochmals angepasst?

Die Anforderungen der Food Defence bestehen weiterhin und sind nach meiner Auffassung im Hinblick auf die Gefahren angemessen. Nach der Bewertung des potenziellen Risikos einer böswilligen Verunreinigung oder Beschädigung der Produkte entscheidet das Unternehmen, welche Überwachungsmaßnahmen angewandt werden sollen. Das Unternehmen muss einen dokumentierten Risikobewertungsplan erstellen. Sofern Rohstoffe oder Produkte als besonders gefährdet identifiziert werden, muss der Risikobewertungsplan Kontrollmaßnahmen beinhalten, die das Risiko minimieren sollen. Sollten Präventivmaßnahmen nicht möglich oder nicht ausreichend sein, müssen Systeme für die Identifizierung etwaiger Interferenzen erstellt werden. Bereiche, in welchen ein signifikantes Risiko festgestellt wurde, müssen identifiziert, überwacht und kontrolliert werden. Dieses Vorgehen ist die Grundlage für eine zuverlässige und detaillierte Risikobewertung. Als praktischen und einfach anzuwendenden Leitfaden empfehle ich PAS 96.

Auch die Qualifizierung von Handelsware und ihr Ausschluss sind im Hinblick auf den Zertifizierungsumfang von Bedeutung. Wie wird dies umgesetzt?

Häufig bieten geprüfte Unternehmen ihren Kunden Waren an, die nicht in ihrem Werk hergestellt wurden. Mit der neuen Version von BRC können diese Waren – im BRC 'traded goods' genannt - in den Zertifizierungsumfang des BRC Global Food Standards aufgenommen werden. Bisher war die Zertifizierung nur mit der Anwendung eines zusätzlichen, freiwilligen Moduls, dem Traded Goods BRC Voluntary Module 8, möglich. Die in Kapitel 9 dargelegten Anforderungen für gehandelte Produkte stellen einen wesentlichen Bestandteil der achten Version des BRC Food Standards dar. Das Unternehmen entscheidet über ihre Zertifizierung.

Haben die neuen Anforderungen für Produktionszonen mit hohem Risiko und hoher Sorgfaltspflicht zu veränderten Organisationsansätzen des Werks geführt? Waren neue Investitionen erforderlich?

Die Anforderungen für Produkte, die in den Produktionszonen "High Risk", "High Care" und "Ambient High Care" mit großer Vorsicht verarbeitet werden müssen, wurden bereits in der vorangegangenen Version des BRC-Standards definiert. Sie wurden in den jeweiligen Kapiteln beispielsweise zu Aufenthaltsräumen, Arbeitsbekleidung, Hygienewartung, Produktstrom, Luftfluss, Luftqualität und Versorgung (einschließlich Abwasser) beschrieben. Da diese Anforderungen verstreut waren, wurden Details häufig übersehen, was zu Inkonsistenzen während der Audits geführt hat. Die Version 8 hat die Anforderungen für diese Bereiche geordnet und in einem Kapitel zusammengefasst. Dies macht es für Unternehmen leichter, die Anforderungen gebündelt umzusetzen.

Auf welchem Stand ist die Kultur der Lebensmittelsicherheit in Unternehmen in Polen? Wie können die "weichen" Systemelemente bewertet werden?

Das ist ein neues Thema – sowohl für Unternehmen, als auch für Auditoren. Man kann jedoch einen Schlüssel verwenden, um diesen Bereich zu bewerten. Unternehmen führen nun Aktivitäten ein, die ihre Mitarbeiter motivieren sollen, für die Lebensmittelsicherheit relevante Vorfälle zu melden. Es ist sehr wichtig, dass die höchste Managementebene in die Schaffung dieser Kultur eingebunden wird, damit sie mit gutem Beispiel vorangeht und zu einer "Kulturentstehung" in der Lebensmittelherstellung inspiriert. Wir sollten diesem Thema mehr Beachtung schenken und machen es daher auch zu einem Thema unserer internen Auditierendenweiterbildung.

Wir bedanken uns bei Frau Kosik für das Interview. Alle Infos zu den Änderungen im BRC Version 8 finden Sie zusammen mit einem entsprechendem Whitepaper unter diesem Link.

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