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Die globale Erderwärmung soll auf maximal zwei Grad Celsius begrenzt werden. Für die erfolgreiche Einhaltung dieses völkerrechtsverbindlichen Ziels wird eine weitestgehende De-Karbonisierung der Wirtschaft bis 2050 notwendig sein. Wie Unternehmen ihren Teil dazu beitragen können, erklärt Eric Krupp. Der 48-jährige arbeitet seit 13 Jahren bei TÜV NORD CERT und leitet den Bereich Nachhaltigkeit.

Warum ist Klimaneutralität so wichtig?

Wie im Pariser Klimaabkommen beschlossen, muss die globale Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius begrenzt werden. Das kann nur durch einen schnellen Wandel hin zu einer klimaneutralen Wirtschaftsweise erfolgen. Natürlich kann und sollte jeder Einzelne von uns einen Beitrag dazu leisten, aber Unternehmen spielen eine viel größere Rolle.

Wie können Unternehmen klimaneutral werden?

Hier gibt es drei Punkte, die ich in dieser Reihenfolge sehe: CO₂ vermeiden, CO₂ verringern und wenn dies nicht ausreicht - CO₂ ausgleichen. Denn trotz großer Bemühungen sind klimaschädliche CO₂-Emissionen derzeit für kaum ein Unternehmen vollständig vermeidbar. Wenn also ohne Verlust der Wettbewerbsfähigkeit keine weitere Reduktion von CO₂ möglich ist, können CO₂-Minderungszertifikate gekauft werden. Damit wird eine CO₂-Einsparung in gleicher Höhe in einem zertifizierten Klimaschutzprojekt gefördert.

Was haben Unternehmen davon – außer einen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten?

Sie setzen ein Zeichen. Gegenüber ihren Mitarbeitern, Stakeholdern und Kunden. Sie vermitteln "wir wollen Teil der Lösung sein". Gleichzeitig heben sie sich vom Wettbewerb ab und erlangen ein Differenzierungsmerkmal ihrer Produkte oder Dienstleistungen. Sei es mit der Aussage "klimaneutral", mit einer Ökostrom- oder einer PEFC-Zertifizierung, je nachdem was zum eigenen Portfolio passt. Denn immer mehr Unternehmen und Privatpersonen achten beim Kauf auf Nachhaltigkeit – wie beispielsweise den CO₂-Fußabdruck der Produkte und Dienstleistungen – und ziehen diese Kriterien ganz bewusst in die Konsumentscheidung ein. So erreichen Unternehmen neue Zielgruppen und geben bestehenden Kunden einen guten Grund, ihnen weiterhin treu zu bleiben.

Aus welchen Bereichen kommen die Kunden, die sich für eine Zertifizierung im Bereich Nachhaltigkeit entscheiden?

Da es sich um freiwillige Dienstleistungen handelt, kommen unseren Kunden aus den verschiedensten Branchen. Insgesamt kann man sagen: Je einfacher das Produkt ist und mit je weniger Emotionen es verbunden ist, desto besser lässt es sich zertifiziert verkaufen. Klimaneutrales Gas lässt sich beispielsweise sehr gut verkaufen, da das Produkt "Gas" beim Kunden nicht emotional besetzt ist. Es ist ihm in der Regel egal, von welchem Anbieter er es bekommt, da er keinen Unterschied merkt. Hier entscheiden sich viele Kunden daher oft bewusst für die leicht teurere, aber umweltfreundliche Variante. Genau wie bei PEFC-zertifiziertem Papier oder klimaneutralem Obst, das aus Gewissensgründen gekauft wird. Bei Kleidung oder Elektronik ist es dagegen schwer, mit den großen Marken mitzuhalten, da hier der Name dem Verbraucher oft noch zu wichtig ist.

Was sind typische Herausforderungen beim Audit?

Alle unsere Audits sind maßgeschneidert. Jedes ist anders, denn es kommt auf viele Faktoren an: Wie viele Quellen sind im Spiel? Was liegt bereits vor? Große Unternehmen sind hier oft verhältnismäßig einfacher zu zertifizieren als kleinere. Denn sie haben häufig im Vorfeld schon andere Zertifizierungen durchlaufen, wodurch bereits mehr Daten erfasst sind.

Was kommt in Zukunft auf uns zu?

Je näher das Thema am Menschen ist, desto eher sind die Menschen bereit, zertifizierte Produkte zu wählen. Der Markt und die Nachfrage sind Wellenbewegungen unterworfen, die den aktuellen gesellschaftlichen Fragen folgen. Momentan ist das Thema sehr präsent. Durch die Klimakonferenz und die "Fridays for Future"-Bewegung sind die Themen Klimaerwärmung und Umweltschutz stark im Fokus. Ich kann nur an jedes Unternehmen appellieren, sich mit dem Thema Klimaschutz auseinanderzusetzen: Wo stehe ich, wo hakt es, kann ich mich von irgendetwas trennen? Und kann ich Innovationen entwickeln, die sich vielleicht auch erst in drei oder vier Jahren auszahlen? Wenn sich mehr Menschen und Unternehmen diese Fragen stellen und bewusst Maßnahmen ergreifen, können wir alle einen Beitrag dazu leisten, die Zukunft umweltfreundlicher zu gestalten.

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