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Martin Saalmann arbeitet seit 13 Jahren bei TÜV NORD CERT und leitet aktuell die Abteilung "International Projects". Neben dem Projektmanagement für internationale Großkunden fallen Zertifizierungen nach verschiedenen Sozialstandards in seinen Bereich. Damit ist er aktuell auch federführend für die Zertifizierung nach dem Grünen Knopf verantwortlich.

Herr Saalmann, wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Bundesentwicklungsministerium?

Das Bundesministerium für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) haben uns im März kontaktiert. Weil es um soziale Standards geht, bin ich relativ schnell ins Spiel gekommen. Unsere Aufgabe war es, die entworfenen Kriterien daraufhin zu überprüfen, ob sie nachweisbar und im Audit praktikabel nachprüfbar sind.

Wie erfolgt die Zertifizierung?

Insgesamt werden 46 Prüfkriterien bewertet. Ein Produkt muss 26 soziale und ökologische Mindeststandards einhalten, deren Erfüllung auch über bereits vorhandene, anerkannte Siegel oder Vorarbeiten in Textilbündnissen nachweisbar ist. Zudem muss das Unternehmen als Ganzes seine Sorgfaltspflichten in weiteren 20 Kriterien nachweisen. Dazu zählen beispielsweise QS-Systeme im Rahmen der gesamten Lieferkette. Bisher haben wir sechs Unternehmen erfolgreich zertifiziert. Da der Grüne Knopf sich bis Ende 2021 in der Pilotphase befindet, werden die Kunden in dieser Zeit vom BMZ an die Prüfstellen verteilt. Die Pilotphase ist zudem dazu da, die Kriterien für den Grünen Knopf laufend zu optimieren. Auf der offiziellen Seite des Bundesministeriums finden Sie eine Übersicht aller Unternehmen, die bereits Produkte mit dem Grünen Knopf führen.

Welche Dienstleistungen bietet TÜV NORD darüber hinaus bei der Zertifizierung von Sozialstandards an?

Federführend ist der Standard SA 8000. Er ist international anerkannt und basiert auf der UN-Menschenrechtserklärung, den Normen der International Labor Organization und weiteren internationalen Arbeits- und Menschenrechtsnormen sowie dem jeweils geltenden nationalen Arbeitsrecht. Die soziale Leistung wird in acht Bereichen gemessen, die für die soziale Verantwortung am Arbeitsplatz von Bedeutung sind. Dabei werden Kriterien abgefragt wie Kinderarbeit, Zwangs- oder Pflichtarbeit, Gesundheit und Sicherheit, Diskriminierung, disziplinarische Praktiken, Arbeitszeit und Vergütung. Weitere Grundlagen können Lieferantenaudits nach amfori-BSCI bieten sowie die übergeordneten Zertifizierungen nach SMETA und WRAP (Worldwide Responsible Accredited Production). Bei diesen Zertifizierungen finden die Audits überwiegend in den Produktionsländern wie China, Indien, Bangladesch und Vietnam statt.