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MSC aktualisiert seinen Rückverfolgbarkeits-Standard: Das sind die wichtigsten Änderungen.

Unsere Meere kämpfen. Weltweit verschmutzt und vernichtet Plastikmüll ihr empfindliches Ökosystem. Seevögel und Fische ersticken jämmerlich an kleinen Plastikteilen, ganze Müllteppiche bedecken inzwischen den Meeresboden, sammeln und verdichten sich in Meeresdriftströmungswirbeln und lagern sich an empfindlichen Korallenfragmenten ab. Dazu hat sich die Nachfrage nach Speisefisch innerhalb der letzten 60 Jahre vervielfacht: Wurden im Jahr 1950 noch rund 12,8 Millionen Tonnen Fisch gefangen, liegt die Zahl inzwischen bei 80 Millionen Tonnen. Die Folgen sind verheerend: Der Bestand an Speise- und Raubfischen ist um fast 90 Prozent gesunken. Die Welternährungsorganisation FAO gibt an, dass aktuell ca. 33 Prozent aller Fischbestände überfischt sind, weitere rund 60 Prozent sind bis an ihre nachhaltige Grenze befischt. Auch der Beifang kommerziell nicht genutzer Arten ist ein globales Problem: Dabei handelt es sich um Fische, die beim Fang mit ins Netz gehen, von den Fischern aber gar nicht weiter verarbeitet werden und auf diese Weise nutzlos sterben. Inzwischen wird immer mehr Verbrauchern dieses Problem bewusst: Als kritische Konsumenten fordern sie Aufklärung und eine verantwortungsbewussten Umgang mit den Ressourcen.

Die Antwort auf überfischte Meere: Siegel für nachhaltige Fischwirtschaft

Eine Möglichkeit, den vielen Problemen zu begegnen, bietet die Zertifizierung von Fischereien und Unternehmen der Fischwirtschaft nach Kriterien umweltschonender Nachhaltigkeit. Weltweit gibt es hier eine handvoll Zertifizierungsorganisationen, die Nachhaltigkeits-Siegel vergeben, darunter Organisationen wie Friend of the Sea, Naturland Wildfisch und den Marine Stewardship Council, kurz MSC: „Uns geht es vor allem um den Schutz der Meere durch eine nachhaltige Fischerei und die Aufklärung der Verbraucher“, erklärt Andrea Harmsen, Pressesprecherin des MSC, die Ziele des Siegels. Dabei definiert der MSC den Begriff Nachhaltigkeit entlang drei zentraler Bedingungen: „Erstens dürfen Bestände nicht überfischt werden, zweitens müssen Fischereien ihren Beifang minimieren und schließlich prüfen wir, ob sich das Management der Fischerei an Gesetze und Vorschriften hält und vorausschauend wirtschaftet, also z.B. seine Fangaktivitäten anpasst, falls sich die Bestandsgrößen von Fischarten ändern“, so Harmsen. Damit das Siegel auf ein Fischprodukt gelangt, müssen sich sowohl die Fischerei als auch sämtliche Unternehmen und Organisationen innerhalb der Lieferkette auf Nachhaltigkeit zertifizieren lassen – bis zur Fischtheke oder Restaurant, in dem der Fisch verkauft wird. Wer als Verbraucher Fisch mit dem MSC-Siegel erwirbt, erhält somit die Garantie, dass der „Fisch von der nachhaltigen Fischerei gefangen wurde und über die gesamte Lieferkette getrennt vom konventionell gefangenen Fisch behandelt, aufbewahrt und verarbeitet wurde“, erläutert Harmsen.

Von der Reuse bis zur Theke: Durchgängig nachhaltig gefischt und verarbeitet

Für Fischereien gilt dabei ein anderer Standard als für die weiterverarbeitende Industrie: Beruht der MSC Umweltstandard für Fischereien auf rund 28 Leistungsindikatoren, umfasst der MSC Rückverfolgbarkeits- oder Chain of Custody-Standard (MSC CoC) für die weiterverarbeitenden Unternehmen entlang der Lieferkette nur fünf Schlüsselprinzipien. Die Schlüsselprinzipien schreiben den Kauf bei zertifizierten Herstellern, die Identifizierbarkeit von Fischen, eine gesonderte Behandlung und Rückverfolgbarkeit der Fische bis zu speziellen Anforderungen an das Management der Unternehmen vor. Dabei werden drei Versionen für verschiedene Organisationen angewandt: Die Basisversion gilt für Unternehmen, die zertifizierten Fisch an andere Unternehmen verkaufen und nur wenig Standorte besitzen. Verkauft ein Unternehmen Fisch an andere Unternehmen und besitzt dabei viele Standorte, wird es nach der Gruppenversion zertifiziert. Unternehmen, die direkt an Endverbraucher verkaufen, werden nach der Version für das Endverbrauchergeschäft zertifiziert.

„Die Überprüfung von Fischereien wie auch von Unternehmen der Lieferkette wird jeweils von unabhängigen Gutachtern wie zum Beispiel TÜV NORD durchgeführt“, erläutert Harmsen die Vorgehensweise für alle Standards. Bei der Weiterentwicklung seiner Standards konsultiert der MSC regelmäßig Behörden, Interessensgruppen und Umweltorganisationen. Alle Standards werden kontinuierlich weiterentwickelt und neu veröffentlicht. So wurde zuletzt im März 2019 eine Aktualisierung des MSC CoC-Standards für alle drei Versionen bekannt, die nun am 28.September 2019 in Kraft tritt. Sie umfasst sowohl einzelne als auch allgemeine Änderungen an den drei Versionen, zum Beispiel, dass zertifizierte Unternehmen sicherstellen müssen, dass sie keine Fischwaren aus illegaler Fischerei (IUU – illegal, unreported and unregulated fishing) beziehen.

Änderungen am Rückverfolgbarkeits-Standard (CoC-Standard): Kontinuierliche Aktualisierungen sollen Integrität des Standards sicherstellen

Mit der regelmäßigen Aktualisierung des CoC-Standards will der MSC dessen Integrität und die Rückverfolgbarkeit MSC-zertifizierter Produkte bis zu einer nachhaltigen Fischerei sicherstellen: „Bei der letzten Standardüberarbeitung wurden viele kleinere Änderungen eingeführt, um den MSC CoC-Standard klarer und verständlicher zu machen. Eine tatsächliche inhaltliche Neuerung gab es in Bezug auf Zwangs- und Kinderarbeit“, fasst Pressesprecherin Harmsen die jüngste Aktualisierung zusammen. Ein Thema an dem der MSC in Zukunft verstärkt arbeiten möchte, ist die Digitalisierung seines Rückverfolgbarkeitssystems: „Derzeit läuft hier vieles noch papierbasiert. Wir prüfen, welche digitalen Systeme hier Abhilfe schaffen könnten. Unser Ziel ist es, Prozesse zu vereinfachen und mehr Transparenz entlang der Lieferkette zu schaffen“, so Harmsen weiter. Das könnte am Ende auch dem veränderten kritischen Verhalten der Verbraucher in die Hände spielen – nämlich dann, wenn Hersteller die ihnen zugänglichen Informationen auf ihren Produktverpackung abbilden. Die Marke Followfish druckt zum Beispiel auf seine Packungen einen Tracking-Code, mit dem Verbraucher nachvollziehen können, woher ihr Fisch stammt.

Digitalisierung in der Fischwirtschaft: Mehr Transparenz in der Lieferkette

Die jüngste MSC CoC-Aktualisierung beinhaltet bereits erste Verbesserungen im Bereich der Datenweitergabe entlang der Lieferkette. So müssen beispielsweise zukünftig alle zertifizierten Unternehmen über ein System verfügen, mit dem sichergestellt wird, dass die Fischart, das Fanggebiet oder die Herkunft zertifizierter Produkte richtig angegeben sind. Das bedeutet, dass die Kennzeichnung von Herkunft, Fanggebiet oder Fischarten mit den geltenden gesetzlichen Regelungen in dem Land oder in den Ländern übereinstimmen muss, in denen das Produkt vertrieben wird. In den meisten Fällen sind solche Systeme bereits in den Unternehmen vorhanden. Die Änderung liegt darin, dass der Auditor diese Systeme überprüft und bei Feststellung einer falschen Produktkennzeichnung eine Abweichung anzeigt.

MSC will Kinder- und Zwangsarbeit verhindern

Die größte Neuerung im MSC CoC-Standard betrifft das Thema arbeitsrechtliche Anforderungen. Vor allem Kinderarbeit ist hier ein zweischneidiges Thema: UNICEF will bis zum Jahr 2025 Kinderarbeit weltweit abschaffen, ist sich aber auch bewusst, dass vor allem in ländlichen Regionen viele Familien abhängig davon sind, dass ihre Kinder im elterlichen Betrieb helfen. „Wir orientieren uns bei der Definition von Kinderarbeit an der International Labour Organization (ILO) der Vereinten Nationen. Sie beachtet regionale Spezifika. Müssen Kinder im Alter von 14 Jahren im elterlichen Betrieb aushelfen, so dürfen sie nach den Bestimmungen der ILO nur Tätigkeiten verrichten, die ihrem Alter angemessen sind“, erklärt Harmsen. Da der MSC keinen eigenen Sozialstandard unterhält, arbeitet er zur Überprüfung der Unternehmen in den Risikoländern mit anderen arbeitsrechtlichen Programmen zusammen. „Ausgewählt haben wir Organisationen, die bereits bekannt und etabliert sind, wie zum Beispiel SEDEX SMETA, Amfori BSCI, SA8000 oder alle vom Consumer Goods Forum (SSCI) anerkannten Standards. Uns ist aber auch durchaus bewusst, dass die Planung von Arbeitsrechtsaudits zeit- und arbeitsaufwändig ist. Aus diesem Grund gewähren wir Unternehmen einen Übergangszeitraum von ca. 12 Monaten“, beschreibt Harmsen die Situation.

Schritte in die richtige Richtung – die Stimmen zum Siegel sind unterschiedlich

Auch wenn die derzeitigen Aktualisierungen des MSC Umweltstandards für Fischereien, aber auch des Rückverfolgbarkeits-Standards für die Lieferkette, Schritte in die richtige Richtung zu sein scheinen – das Geschäft mit dem nachhaltigen Fisch ist und bleibt komplex. Zum MSC-Siegel gibt es daher auch immer wieder kritische Stimmen. Zuletzt strahlte die ARD im April 2018 eine Reportage aus, die dem MSC unterstellte, das Siegel als Marketinginstrument für eine nicht nachhaltige Fischereiindustrie zu nutzen. Der MSC entgegnete diesen Anschuldigung mit dem Hinweis, dass sich die Reportage auf fragwürdige oder veraltete Informationsquellen stütze und als Beleg Fischereien heranziehe, die tatsächlich nie MSC-zertifiziert gewesen seien. Sie interessieren sich für die genauen Änderungen im MSC CoC-Standard? Auf unserer Webseite haben wir die Änderungen für Sie noch einmal aufgelistet. Bei weiteren Fragen zum MSC CoC-Standard oder zur Zertifizierung von Unternehmen der Lieferkette nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf. Ihr persönlicher Ansprechpartner ist: Philipp Nahrmann, Vertrieb Food, Feed, Near-Food TÜV NORD CERT Deutschland unter 0521 786-327 oder per Mail unter foodcert@tuev-nord.de.

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