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Akkreditierungsmanagement – Quo Vadis?


Akkreditierungen sind das Rückgrat unseres Geschäftsmodells. Ohne sie könnten wir unsere tägliche Arbeit nicht machen. Um sicherzustellen, dass unsere Leistungen immer und überall zur Verfügung stehen, gibt es das Akkreditierungsmanagement. Doch was genau steckt dahinter? Diese und weitere Fragen haben wir Dr. Klaus Oberste Lehn gestellt, Leiter der Zertifizierstelle.

Dr. Klaus Oberste Lehn

Herr Dr. Oberste Lehn, was genau sind die Aufgaben des Akkreditierungsmanagements?

Wir haben allein in Deutschland über 130 Akkreditierungen in den Bereichen System-, Produkt- und Personalzertifizierung. Für jede davon stehen regelmäßige Überprüfungen an. 2016 hatten wir weltweit 90 Begutachtungen – das sind fast zwei pro Woche. Oder anders ausgedrückt: Fast 200 Arbeitstage pro Jahr haben wir die Aufsicht im Haus. Und jede Begutachtung muss terminlich abgestimmt, vor- und nachbereitet werden. Ein weiteres großes Projekt, was uns das ganze vergangene Jahr beschäftigt hat, war der Markenkodex. Wir haben 2016 alle weltweiten TÜV NORD-Prüfzeichen auf Konformität überprüft. Das Projekt ist im Februar abgeschlossen, aber es warten jede Menge neue Herausforderungen auf uns.

Was wird sich 2017 durch BOLD MOVE im Akkreditierungsmanagement ändern?

Unser Fokus wird sich ändern, denn der Geschäftsbereich Industry Services [GB IS] rückt zusammen. Wir werden auf jeden Fall viel internationaler und müssen die Auditorenkompetenzen daran anpassen. Ziel ist, dass all unsere Auditoren in ihren Scopes bzw. Kompetenzbereichen weltweit Audits durchführen können.

Eine weitere große Herausforderung wird die Harmonisierung der weltweiten Prozesse sein. Da ist zum einen der Abbau von Redundanzen: Wir stellen aktuell eine Übersicht aller weltweiten Akkreditierungen zusammen, um zu sehen, wo Redundanzen liegen. Bei der ISO 9001 haben wir zum Beispiel mehr als 16 Akkreditierungen bei den verschiedenen Landesgesellschaften. Einige davon müssen aufgrund nationaler Rechtsvorgaben mehrfach vorhanden bleiben, andere könnten wir zusammenfassen. Aus Effizienz- und Kostengründen werden wir neben der DAkkS eine zweite Basisakkreditierung für IMS aufbauen. Zudem wollten wir langfristig einen detaillierten Plan haben, wann wo Überprüfungen anstehen und welche Zertifizierungen wir wo anbieten. Das alles in einer Datenbank zusammenzutragen ist teilweise eine echte Sisyphus-Arbeit.

Darüber hinaus wollen wir die Digitalisierungsstrategie verstärkt durch weitere Akkreditierungen unterstützen und dazu die Lobbyarbeit mit dem VdTÜV sowie europäisch bei der Kommission und international verstärken. Eine Art „WikiTÜV“ zur Fassung sämtlicher nationalstaatlicher Anforderungen für Akkreditierungen wird aufgebaut.

Zum Schluss noch ein kurzer Ausblick: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?

Meine Idealvorstellung: Wir sind weltweit eng vernetzt und haben einen genauen Überblick über alles, was im Akkreditierungswesen passiert. Im Vergleich zu jetzt sind wir schneller und noch breiter aufgestellt, bei gleicher Qualität und gleichem Preisniveau. Weiterhin sind wir Ansprechpartner für Strategiethemen, wie zum Beispiel Digitalisierung, um diese gegenüber den Regelsetzern kompetent vertreten zu können. Und wenn alles perfekt läuft, sind wir irgendwann Dienstleistungsspezialisten für die gesamte TÜV NORD Gruppe.