Führerscheinrichtlinie

3. EU-Führerscheinrichtlinie

Die 3. EU-Führerscheinrichtlinie

Das neue Führerscheinrecht ist am 19. Januar 2013 in Kraft getreten.

Doch was hat sich dabei eigentlich verändert?

Befristung der Führerscheindokumente
Führerscheine die ab dem 19.01.2013 ausgestellt wurden, und die bisher unbefristet erteilt wurden, werden auf den maximal zulässigen Zeitraum von längstens 15 Jahren befristet. Auch nach dieser Frist werden die Führerscheindokumente nur verwaltungsmäßig umgetauscht, d.h. der Umtausch wird mit keiner ärztlichen oder sonstigen Untersuchung verbunden. Bis 2033 sind zusätzlich alle bisher unbefristet ausgestellten Führerscheine erstmalig umzutauschen. Damit wird die durch die Richtlinie längst mögliche Umtauschfrist ausgenutzt. 
Im Rahmen dieser Umstellung wurde das Führerschein-Scheckkartenmodell angepasst und die Sicherheitsmerkmale optimiert.

Neuordnung der Führerscheinklassen
Neben der Anpassung der nationalen Klasse M in die neue EU-Klasse AM wurden auch dreirädrige Fahrzeuge (Trikes) in Abhängigkeit ihrer Motorleistung in die A-Klassen integriert.
Der Bedeutung des sukzessiven Erfahrungsaufbaus von Fahranfängern wurde bei den Motorradklassen durch die Regelungen des „Stufenführerscheins“ Rechnung getragen. Wer zunächst die Fahrerlaubnis in einer weniger starken Leistungsklasse erwirbt, erhält leichteren Zugang zur nächst höheren Fahrerlaubnisklasse. Allerdings erhält man nach 2 Jahren nicht mehr automatisch die uneingeschränkte Klasse A, wie dies bei der Klasse A beschränkt bisher noch möglich war. Dafür ist der Direkteinstieg bereits mit 24 Jahren möglich.

Bei der Klasse B wurde die Anhängerregelung durch den Wegfall der komplizierten Randbedingungen über die verschiedenen Gewichte einfacher. Man kann nun alle Anhänger mit mehr als 750 kg ohne Einschränkung fahren, die in der Summe der zulässigen Gesamtmassen von Zugfahrzeug und Anhänger 3,5 t nicht überschreiten. Zusätzlich besteht die Möglichkeit im Rahmen einer Fahrerschulung diesen Wert noch auf 4,25 t zu erweitern. Dies wird im Führerschein durch die Schlüsselnummer 96 kenntlich gemacht.

Wer sich jedoch im Anhängerbetrieb alle Möglichkeiten offen halten will, sollte direkt die Klasse BE erwerben. Hier wurde lediglich die zulässige Gesamtmasse des Anhängers auf 3,5 t beschränkt. Wer noch schwerere Anhänger fahren möchte, muss die Klasse C1E erwerben. Auch bei dieser Klasse sind die Randbedingungen hinsichtlich der Gewichte weggefallen Es gilt auch hier die Summe der zulässigen Gesamtmassen, jedoch bei C1E von 12t.

Wichtig:
Bei der Ermittlung der erforderlichen Fahrerlaubnis finden auch weiterhin Stütz-, Sattel- bzw. Aufliegelasten keine Berücksichtigung und dürfen nicht abgezogen werden. Die EU-Führerscheinrichtlinie betrachtet bei Zugkombinationen grundsätzlich Zugfahrzeug und Anhänger getrennt voneinander.

Bei den Klassen C und CE ist das Mindestalter auf 21 Jahre und bei der Klasse D auf 24 erhöht worden. Eine Reduzierung auf 18 bei den Klassen C/CE und 21 oder 20 Jahre bei der Klasse D ist lediglich im Rahmen der Qualifizierung nach dem Berufskraftfahrer-Qualifizierungsgesetz oder der Ausbildung zum Berufskraftfahrer weiterhin möglich.

Wichtig zu wissen ist, dass der Umfang einer bis zum 18.01.2013 erworbenen Fahrerlaubnis erhalten bleibt. Allerdings bringt ein späterer Erwerb teilweise auch Vorteile.

Details der Änderungen:
Die fahrerlaubnisspezifischen Änderungen der 3. EU-Führerscheinrichtlinie sind am 19. Januar 2013 in Kraft getreten.

1.   Klasse AM (entspricht Klasse M)

  • Einbeziehung auch dreirädriger Fahrzeuge und vierrädriger Leichtkraftfahrzeuge bis 45 km/h (jetzige Klasse S)
  • Das Mindestalter beträgt weiterhin 16 Jahre
  • Für den Fahrerlaubniserwerb drei- und vierrädriger Kraftfahrzeuge dieser Klasse ist die Prüfung auf einem Kraftrad der Klasse AM erforderlich

 

2.   Klasse A1

  • Einbeziehung dreirädriger Fahrzeuge bis zu einer Leistung von 15 KW, die bisher in die Klasse B zugeordnet wurden
  • Ergänzung der Merkmale der Krafträder um das maximale zulässige Verhältnis von Leistung zur Leermasse von 0,1 kW/kg
  • Anpassung der Anforderungen an das Prüfungsfahrzeug; Hubraum mindestens 120 ccm, Vmax mindestens 90 km/h und Verhältnis von Leistung zur Leermasse nicht mehr als  0,1 kW/kg
  • Wegfall der nationalen Stufenregelung (Vmax 80 km/h bis zum 18. Lebensjahr).

 

3.   Klasse A2 (bisherige Klasse A beschränkt)

  • Änderung der Merkmale der Krafträder auf eine Leistung von max. 35 KW und einem maximalen Verhältnis von Leistung zum Gewicht bis 0,2 kW/kg

 

4.   Klasse A

  • Einbeziehung dreirädriger Fahrzeuge mit einer Leistung von mehr als 15 KW, die bisher in die Klasse B zugeordnet wurden; Mindestalter 21 Jahre
  • Änderung der Merkmale der Krafträder auf eine Leistung von mehr als 35 KW oder dem Verhältnis von Leistung zum Gewicht von mehr als 0,2 KW/kg
  • Reduzierung des Mindestalters beim Direkteinstieg auf 24 Jahre (bisher 25 Jahre)
  • Anpassung der Anforderungen an das Prüfungsfahrzeug auf mindestens 50 KW und einen Hubraum von mindestens 600 ccm
  • Zum Direkterwerb der Klasse A ist eine theoretische und praktische Prüfung erforderlich (kein automatischer Erwerb nach zweijährigem Besitz der Klasse A2)

 

5.   Stufenregelung bei den A-Klassen 

  • Beim Erwerb der Klasse A2 von A1 bzw. A von A2 und dem Vorbesitz der entsprechenden Klasse von mindestens 2 Jahren entfällt eine theoretische Prüfung
  • Für die Klassen A2 bzw. A ist nur eine verkürzte praktische Prüfung erforderlich

 

6.   Klasse B 

  • Mit der Klasse B dürfen grundsätzlich Zugkombinationen bis 3,5t zulässiger Gesamtmasse (zGM) gefahren werden (bei Anhängern mit mehr als 0,75t zGM)
  • Die Rahmenbedingung, dass die zGM des Anhängers nicht größer sein darf als die Leermasse des ziehenden Fahrzeugs entfällt

 

7.   Klasse B 96 (Codeschlüsselzahl 96)

  • Mit der Klasse B 96 dürfen Zugkombinationen von 3,5t bis 4,25t zulässiger Gesamtmasse (zGM) gefahren werden (bei Anhängern mit mehr als 0,75t zGM)
  • Der Erwerb erfolgt mittels einer Fahrerschulung nach Anlage 7a der FeV durch eine Fahrschule bzw. einen Fahrlehrer

 

8.   Klasse BE 

  • Die maximal zulässige Gesamtmasse des Anhängers darf 3,5t betragen
  • Bei mehr als 3,5t zGM ist grundsätzlich die Klasse C1E erforderlich

 

9.   Klasse C1E 

  • Die Rahmenbedingung, dass die zGM des Anhängers nicht größer sein darf als die Leermasse des ziehenden Fahrzeugs entfällt
  • Es dürfen somit alle Zugkombinationen bis 12t zGM gefahren werden
  • Dabei ist weiterhin zu beachten, dass zur Fahrerlaubnisklassifizierung die zulässigen Gesamtmassen des Zugfahrzeugs und des Anhängers addiert werden. Stütz- und Aufliegelasten bleiben unberücksichtigt

 

10.   Klasse C und CE

  • Erhöhung des Mindestalters auf 21 Jahre (die Vorschriften des Artikels 5 der Verordnung (EWG) Nr. 3820/85 bleiben unberührt) 
  • Die Fahrerlaubnis kann mit 18 Jahren erworben werden:
    a) nach erfolgter Grundqualifikation nach § 4 Abs. 1 BKrQG
    b) für Personen während oder nach Abschluss einer Berufsausbildung nach
     1. dem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf „Berufskraftfahrer/ Berufskraftfahrerin“,
     2. dem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf „Fachkraft im Fahrbetrieb“ oder
     3. einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf, in dem vergleichbare Fertigkeiten und Kenntnisse zum Führen von Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen vermittelt werden


11. Klasse D

  • Erhöhung des Mindestalters auf 24 Jahre (die Vorschriften des Artikels 5 der Verordnung (EWG) Nr. 3820/85 bleiben unberührt)
  • Die Fahrerlaubnis kann mit 23 Jahren erworben werden: nach beschleunigter Grundqualifikation durch Ausbildung und Prüfung nach § 4 Abs. 2 BKrQG
  • Die Fahrerlaubnis kann mit 21 Jahren erworben werden: nach erfolgter Grundqualifikation nach § 4 Abs. 1 BKrQG oder nach beschleunigter Grundqualifikation durch Ausbildung nach § 4 Abs. 2 BKrQG im Linienverkehr bis 50 km
  • Die Fahrerlaubnis kann mit 20 Jahren erworben werden: für Personen während oder nach Abschluss einer Berufsausbildung nach
     1. dem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf „Berufskraftfahrer/ Berufskraftfahrerin“,
     2. dem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf „Fachkraft im Fahrbetrieb“ oder
     3. einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf, in dem vergleichbare Fertigkeiten und Kenntnisse zum Führen von Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen vermittelt werden
  • Die Fahrerlaubnis kann mit 18 Jahren erworben werden: für Personen während oder nach Abschluss einer Berufsausbildung nach
     1. dem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf „Berufskraftfahrer/ Berufskraftfahrerin“,
     2. dem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf „Fachkraft im Fahrbetrieb“ oder
     3. einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf, in dem vergleichbare Fertigkeiten und Kenntnisse zum Führen von Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen vermittelt werden 
    im Linienverkehr bis 50 km.

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Weitere Informationen zum Scheckkartenführerschein erhalten Sie in unserer Rubrik EU-Scheckkartenführerschein

 


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