
Wir führen in den Brandversuchshäusern Dortmund und Lathen die folgenden Prüfungen von Materialien und Bauteilen für den Einsatz auf Schiffen und Yachten gemäß Resolution MSC.307(88) „International Code for Application of Fire Test Procedures, 2010“ (2010 FTP Code) der International Maritime Organization IMO durch:
| FTP Code | Prüfverfahren | Richtlinie | Entsprechendes Prüfverfahren |
| Teil 1 | Nicht-Brennbarkeitsprüfung | MSC.307(88) | ISO 1187 |
| Teil 2 | Rauch-und Toxizitätsprüfung | MSC.307(88) | ISO 5659-2 |
| Teil 3 | Prüfung von Trennflächen der Klassen A, B und F | MSC.307(88) | ISO 834-1 |
| Teil 4 | Prüfung von Feuertür-Steuerungssystemen | MSC.307(88) | - |
| Teil 5 | Prüfung auf Oberflächen-Entflammbarkeit (Prüfung für Oberflächen-Werkstoffe und unterste Decksbeläge) | MSC.307(88) | ISO 5658-2 |
| Teil 7 | Prüfung von senkrecht hängenden Textilien und Folien | MSC.307(88) | ISO 6940/41,EN 1101/02 |
| Teil 8 | Prüfung von Polstermöbeln | MSC.307(88) | BS 5852-1,ISO 8191-1/2,EN 1021-1/-2 |
| Teil 9 | Prüfung von Bettzeug | MSC.307(88) | EN 597-1/-2 |
| Teil 10, Appendix 2 | Prüfung von feuerhemmenden Werkstoffen für Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen | MSC.307(88) | ISO 5660 |

Viele Materialien, die für den Bau von Schiffen verwendet werden, müssen das Prüfkriterium „nichtbrennbar“ laut IMO-Richtlinien erfüllen. Die Durchführung der Nichtbrennbarkeitsprüfung und Klassifizierung der untersuchten Materialien erfolgt nach dem „International Code for Application of Fire Test Procedures, 2010”:
In einem elektrisch beheizten Ofen nach DIN EN ISO 1182 werden zylindrisch geformte Probekörper ( H = 50 mm, Ø = 45 mm ) auf 750° Celsius ( ± 5 °C ) erhitzt. Dabei messen zwei Thermoelemente die auftretende Temperatur. Ein Thermoelement ( Ofenthermoelement ) misst die Temperatur im Inneren des Ofens. Das zweite Thermoelement ( Oberflächenthermoelement ) misst die Temperatur der Oberfläche des Probekörpers.
Während der Prüfung werden der Zeitpunkt und die Dauer der Entflammung registriert.
Zudem werden der Feuchte-und Bindemittelgehalt der Probekörper bestimmt.
Der Probekörper wird vor und nach der Prüfung gewogen, um den Massenverlust des Probekörpers nach der Prüfung festzustellen.
Die Probekörper werden laut IMO 2010 FTPC Teil 1 als „ nichtbrennbar “ klassifiziert, wenn folgende vier Kriterien erfüllt sind:

Für die an Bord von Schiffen eingesetzten Beschichtungswerkstoffe (Farben, Klebstoffe, Laminate, Teppichböden u. v. a. , die auf Schotten, Verkleidungen, Decks, Decken und Fußböden verarbeitet werden, müssen –sofern es verlangt wird –die Bewertungskriterien für die Rauchdichte und Toxizität erfüllt werden. Die Durchführung dieser Prüfung und Klassifizierung der untersuchten Materialien erfolgt nach dem „International Code for Application of Fire Test Procedures, 2010”:
In einer Prüfkammer nach DIN EN ISO 5659-2 werden quadratisch geformte Probekörper mit 25 kW/m² ohne Zündflamme, 25 kW/m² mit Zündflamme und mit 50 kW/m² ohne Zündflamme bestrahlt. Die entstehenden Rauchgase werden in der Prüfkammer gesammelt. Nach dem Erreichen der maximalen Rauchdichte werden die Proben für die Beurteilung der Toxizität den Gasen entnommen und mittels eines
FTIR-Spektrometers analysiert.
Oberflächenbeschichtungen dürfen den Dm-Wert von 200 unter keiner Prüfbedingung überschreiten.
Unterste Decksbeläge dürfen den Dm-Wert von 400 unter keiner Prüfbedingung überschreiten.
Bodenaufbeläge dürfen den Dm-Wert von 500 unter keiner Prüfbedingung überschreiten.
Kunststoffrohre und elektrische Leitungen dürfen den Dm-Wert von 400 unter keiner Prüfbedingung überschreiten.
| Gaskomponente | Grenzwert |
| CO | 1450ppm |
| HCI | 600ppm |
| HF | 600ppm |
| HBr | 600ppm |
| HCN | 140ppm |
| NOx | 350ppm |
| SO2 | 120ppm |
| SO2 (für Bodenaufbeläge) | 200ppm |

An Bord von Schiffen müssen horizontale und vertikale Trennflächen wie Decken, Wände, Fenster und Türen Brandeinwirkungen widerstehen.
Die Durchführung von Brandprüfungen an Trennflächen der Typen A, B und F erfolgt nach dem „International Code for Application of Fire Test Procedures ( FTPC ) ”:
Für den Feuerwiderstandtest wird die so genannte Einheit-Temperatur-Kurve ( ETK ) nach ISO 834-1 in einem speziellen Brandofen nachgefahren. Die Prüfdauer beträgt in der Regel zwischen 30 -60 Minuten. Die Trenn-flächen müssen dem Feuer standhalten, ohne dass die Flammen auf die flammenabgewandte Seite durchschlagen.
Im Übrigen darf die Temperatur auf der feuerabgewandten Seite von Decken, Wänden, Böden und Türen je nach Klassifizierungskriterium 180° bis 225°C nicht überschreiten. Bei dem so genannten „ cotton-woolpad test “ ist die Integrität ( Raumabschluss ) der Konstruktion bestanden, wenn das Wattekissen weder glimmt noch sich entflammt.
Die Prüfung dient zur Beurteilung der getesteten Trennflächen, ob diese innerhalb der Testdauer die vorgegeben Kriterien erfüllen.
| Typ | Durchschnittl. Temperaturerhöhung≤ 140°C für | Max. Temperaturerhöhung≤ 180°C für | Raumabschluss gewahrt für |
| A-60 | 60 Minuten | 60 Minuten | 60 Minuten |
| A-30 | 30 Minuten | 30 Minuten | 60 Minuten |
| A-15 | 15 Minuten | 15 Minuten | 60 Minuten |
| A-0 | Nicht zutreffend | Nicht zutreffend | 60 Minuten |
| Typ | Durchschnittl. Temperaturerhöhung≤ 140°C für | Max. Temperaturerhöhung≤ 225°C für | Raumabschluss gewahrt für |
| B-15 | 15 Minuten | 15 Minuten | 30 Minuten |
| B-0 | Nicht zutreffend | Nicht zutreffend | 30 Minuten |
| F-15 | 15 Minuten | 15 Minuten | 30 Minuten |
| F-0 | Nicht zutreffend | Nicht zutreffend | 30 Minuten |

Die an Bord von Schiffen eingesetzten Beschichtungswerkstoffe (Farben, Klebstoffe, Laminate, Teppichböden u. v. a.), die auf Schotten, Verkleidungen, Decks, Decken und Fußböden verarbeitet werden, sind auf Oberflächenentflammbarkeit zu prüfen. Die Durchführung der Entflammbarkeitsprüfung und Klassifizierung der untersuchten Materialien erfolgt nach dem „International Code for Application of Fire Test Procedures, 2010”:
Die Materialien werden einer definierten Bestrahlungsstärke ausgesetzt, die von einem Wärmestrahler erzeugt wird. Während der Tests messen und registrieren die Prüfer die Entzündungszeit, die Flammenausbreitung, das Verlöschen der Flammen und die Wärmefreisetzung. Aus den detektierten Werten errechnen die Prüfer folgende Messergebnisse:
| Grenzwerte von Beschichtungswerkstoffen für… | CFE [kW/m²] | Qsb [MJ/m²] | Qt [MJ] | Qp [kW] |
| Schotte, Wände, Verkleidungen und Decken | ≥ 20,0 | ≥ 1,5 | ≤ 0,7 | ≤ 4,0 |
| Unterste Decksbeläge | ≥ 7,0 | ≥ 0,25 | ≤ 2,0 | ≤ 10,0 |
| Fußbodenaufbeläge | ≥ 7,0 | ≥ 0,25 | ≤ 2,0 | ≤ 10,0 |

Die Durchführung von Brandprüfungen an Gardinen, Vorhängen und anderen vertikal hängenden Textilien, die eine Widerstandsfähigkeit gegenüber einer Entzündung und einer Flammenausbreitung haben sollen, erfolgt nach dem „International Code for Application of Fire Test Procedures, 2010”:
Bei diesem Prüfverfahren wird die Beflammungsanordnung in Vorprüfungen bestimmt.
Es erfolgt eine Flächenbeflammung des Materials über 5 bzw. 15 Sekunden. Ist bei dieser Prüfanordnung kein anhaltendes Brennen zu erkennen, wird eine Kantenbeflammung über 5 bzw. 15 Sekunden des Materials durchgeführt.
Ist die für das Material schlechteste Prüfungsanordnung gefunden, ist die Beflammungan jeweils 5 Probekörper der Kettrichtung und an 5 Probekörper der Schussrichtung durchzuführen.
Um festzustellen, ob brennende Tropfen des Probekörpers brennbare Werkstoffe auf dem Boden des Prüfgerätes entzünden können, ist Baumwolle in einer Dicke von 10mm unmittelbar unter die Probekörperhalterung zu legen.
Produkte, die eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften aufweisen, sind als ungeeignet für die Verwendung als Vorhänge, Gardinen oder freihängende Textilien einzustufen:

An Bord von Schiffen dürfen nur Stühle, Sofas, Sessel u. ä. verwendet werden, die schwerentflammbar sind. Die Schwerentflammbarkeit von Polstermöbeln regelt die entsprechende IMO-Richtlinie für Polstermöbel. Die Durchführung von Brandprüfungen an Polstermöbeln erfolgt nach dem „International Code forApplicationof FireTest Procedures ( FTPC )”:
Geprüft wird, ob bei Bezügen und Füllungen ein fortschreitender Schwelbrand entsteht oder offene Flammen auftreten. Als schwelende Zündquelle dienen glimmende Zigaretten, um ein schwach brennbares Material nachzustellen. Ein brennendes Streichholz oder eine flackernde Kerze wird anhand einer Propangasflamme nachempfunden. Angelegt wird die Brandquelle an der Verbindung von Sitz und Lehne des Probekörpers.
Bezüge und Füllungen von Sitz-und Liegeflächen werden als schwerentflammbar klassifiziert, wenn:

An Bord von Schiffen dürfen nur Matratzen, Bettdecken und Kopfkissen verwendet werden, die schwerentflammbar sind.
Gleiches gilt für Stepp-und Tagesdecken.
Die Durchführung von Brandprüfungen an Bettzeug erfolgt nach dem „International Code for Application of Fire Test Procedures ( FTPC ) ”:
Geprüft wird, ob ein Schwelbrand entsteht oder der Prüfkörper in Flammen aufgeht. Als schwelende Zündquelle dienen mit Watte abgedeckte glimmende Zigaretten, die das Einschlafen mit einer brennenden Zigarette nachahmen sollen.
Ein brennendes Streichholz oder eine flackernde Kerze wird an Hand einer Propangasflamme simuliert, die von oben auf den Prüfgegenstand gelegt wird.
Produkte, die die folgenden Eigenschaften aufweisen, werden als geeignet für die Verwendung als Bettzeug eingestuft:

Werkstoffe, die für Möbel oder sonstige Einrichtungsgegenstände an Bord von Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen verwendet werden, müssen feuerhemmend sein. Das Prüfverfahren und die Klassifikation des geprüften Materials erfolgen entsprechend des „International Code for Application of FireTest Procedures (FTPC)“:
Die Probekörper werden in waagerechter Ausrichtung einer kontrollierten Bestrahlungsstärke ausgesetzt. Dabei wird die Wärmefreisetzungsrate durch eine Messung des Sauerstoffverbrauchs ermittelt. Zusätzlich werden die Zeit bis zur Entzündung und die Rauchentwicklungsrate erfasst.
Werkstoffe, die für Möbel und sonstige Einrichtungsgegenstände verwendet werden, sind als „ feuerhemmender Werkstoff “ qualifiziert, wenn die folgenden vier Kriterien erfüllt werden: