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Elektrotechnik

DIN VDE 0105-100: Überblick über die Norm für sichere Anlagen

Die DIN VDE 0105-100 ist eine der wichtigsten Normen für Elektrofachkräfte. Erfahren Sie jetzt mehr über ihre Inhalte.

Zwei Techniker mit Warnwesten prüfen eine Schalttafel und notieren Daten auf einem Tablet.
13. Juni 2024

Was bedeutet die DIN VDE 0105-100? – Die Norm im Überblick

Ein falscher Handgriff oder ein defekter Stecker und schon drohen ernste Verletzungen. Das Arbeiten mit elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln kann gefährlich sein. Um folgenschweren Missgeschicken vorzubeugen, existieren Vorgaben zum richtigen Umgang mit elektrischen Anlagen

Eine der wichtigsten Normen in diesem Zusammenhang ist die DIN VDE 0105-100.

Wir haben uns mit Gerd Lehmann, Elektromeister im Handwerk, darüber unterhalten,

  • für welche Anlagen die DIN VDE 0105 Teil 100 gilt,
  • welche Inhalte sie hat und
  • warum sie so wichtig ist. 

Für welche elektrischen Anlagen gilt die DIN VDE 0105 Teil 100?

Die DIN VDE 0105-100 gilt für:

  • Anlagen aller Spannungsebenen, die der Erzeugung, Umwandlung, Übertragung, Verteilung und Anwendung elektrischer Energie dienen,
  • das Bedienen von und alle Arbeiten an, mit oder in der Nähe von elektrischen Anlagen,
  • Anlagen, die dauerhaft an einem festen Ort stehen, oder solche, die vorübergehend – zum Beispiel auf einer Baustelle – aufgebaut werden, aber auch ortsveränderliche Betriebsmittel, die entweder unter Spannung stehen oder im spannungsfreien Zustand bewegt werden. Beispiele für Letzteres sind elektrisch angetriebene Bagger in Steinbrüchen oder Braunkohle-Tagebauen. 

Sogar für nicht elektrotechnische Arbeiten ist die DIN VDE 0105-100 maßgeblich, wenn von diesen eine elektrische Gefahr ausgeht. Ein typisches Beispiel dafür sind Bauarbeiten, aber auch Reinigungs- oder Malerarbeiten in der Nähe elektrischer Anlagen oder Freileitungen. 

Gut zu wissen: Die Norm DIN VDE 0105-100 gilt nicht beim Benutzen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel, die den einschlägigen Normen entsprechen und die für den Gebrauch durch Laien konstruiert und installiert wurden. 

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Welche Inhalte enthält die Norm?

Gerd Lehmann betont: „Die DIN VDE 0105-100 ist vielleicht die wichtigste Norm im Bereich der Elektrotechnik.“ Schließlich widmet sie sich dem weiten Feld des sicheren Betriebs elektrischer Anlagen.

Unter anderem behandelt sie folgende Themen: 

  • allgemeine Anforderungen an das Bedienen elektrischer Anlagen und das Arbeiten in ihrer Nähe von unter Spannung stehenden Teilen
  • die 5 Sicherheitsregeln als „Überlebensregeln“ für das Arbeiten an elektrischen Anlagen:
    1. Freischalten
    2. Gegen Wiedereinschalten sichern
    3. Spannungsfreiheit feststellen
    4. Erden und kurzschließen
    5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken
  • Notfallmaßnahmen
  • Rollen und Verantwortlichkeiten
  • Anforderungen an wiederkehrende Prüfungen

Welche Anforderungen stellt die DIN VDE 0105-100 an wiederkehrende Prüfungen?

Regelmäßige Prüfungen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel sollen laut der DIN VDE 0105-100 Gefahren durch Umbau, Verschleiß oder Umweltbedingungen aufdecken und für ein Höchstmaß an Sicherheit sorgen.  

Diese sogenannten wiederkehrenden Prüfungen bestehen aus folgenden Vorgängen:

  • Sichtprüfung
  • Messungen
  • Funktionsprüfungen 

Auch eine Dokumentation der wiederkehrenden Prüfungen und ihrer Ergebnisse ist Pflicht. Dafür schreibt die DIN VDE 0105-100 ein Prüfprotokoll vor. Durchführen dürfen Prüfungen nur Elektrofachkräfte, die „Kenntnisse durch Prüfung vergleichbarer Anlagen“ haben.  

Wichtig: Die Zeitabstände zwischen wiederkehrenden Prüfungen variieren je nach Gefährdung zwischen 12 und 48 Monaten. Konkretere Angaben zur Orientierung enthalten die DGUV Vorschrift 3 und 4. Eine Anlagenprüfung ist außerdem vor der ersten Inbetriebnahme und nach Änderungen, Erweiterungen oder Reparaturen vorgeschrieben.

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Welche Rollen und Verantwortlichkeiten definiert die DIN VDE 0105 Teil 100?

Die DIN VDE 0105-100 definiert folgende Rollen: 

  • Anlagenbetreiber:innen (ANLB)
    Anlagenbetreiber:innen haben die Gesamtverantwortung für den sicheren Betrieb einer elektrischen Anlage. Sie geben die Randbedingungen und Regeln der Organisation vor, zum Beispiel in Hinsicht auf Inspektionen oder Wartungen. Wenn sie selbst keine Elektrofachkraft sind, müssen sie schriftlich eine solche beauftragen. Beauftragungen sind weit verbreitet, weil Eigentümer:innen, Besitzer:innen oder Unternehmer:innen selten ausgebildete Elektrofachkräfte sind.
  • Anlagenverantwortliche (ANLV)
    Anlagenverantwortliche tragen die Verantwortungen für den Betrieb einer elektrischen Anlage oder Teilen davon während der Durchführung von Arbeiten. Bei ihnen muss es sich um Elektrofachkräfte handeln. Außerdem müssen sie zum Beispiel mit der elektrischen Anlage vertraut sein.
  • Arbeitsverantwortliche (ARBV)
    Schließlich nennt die DIN VDE 0105-100 die Arbeitsverantwortlichen. Dabei handelt es sich um eine Person, die die unmittelbare Verantwortung für die Durchführung einer Arbeit trägt und auch dafür verantwortlich ist, dass Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. Weil Arbeitsverantwortliche umfassende elektrotechnische Kenntnisse besitzen müssen, handelt es sich dabei in der Regel auch um Elektrofachkräfte.  

Fehlerquellen lassen sich durch Praxiswissen vermeiden

In der Praxis, so Gerd Lehmann, gibt es viele Fragen bezüglich des sicheren Betriebs und der Prüfung elektrischer Anlagen, die sich durch eine Lektüre der DIN VDE 0105 Teil 100 allein nicht lösen lassen. „Da tauchen sehr differenzierte Fragen auf, die eine Norm nicht alle abbilden kann.“ Deshalb sei Praxiswissen eine wichtige Ergänzung. Das beginne manchmal schon bei der Frage, wo eine Messung vorgenommen werden soll.  

Gleichzeitig ist es eine elementare Voraussetzung für den sicheren Betrieb elektrischer Anlagen, die Anforderungen der DIN VDE 0105-100 zu kennen, speziell, aber nicht nur für Elektrofachkräfte. Dieses Wissen sollte regelmäßig aufgefrischt werden, denn wie andere Normen durchläuft die DIN VDE 0105-100 immer wieder Änderungen. Wer auf dem Laufenden bleiben will, informiert sich am besten immer wieder neu.

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