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Brandschutz

Brandschutz für Superakkus

Wie der Brandschutz von Batteriespeichern geplant und organisiert wird.

Eine moderne Energieanlage mit mehreren weißen Containergebäuden, die in einer grünen Landschaft mit Hügeln im Hintergrund liegt. Der Himmel ist klar und blau, und der Hashtag "#explore" ist oben rechts im Bild zu sehen.

19. Februar 2026

Batteriespeicher boomen. Immer größere werden geplant, gehen ans Netz und bringen so Stück für Stück die Energiewende voran. Doch immer wieder wird in den Medien von brennenden Batteriespeichern berichtet. Wie brandgefährlich sind die XXL-Akkus tatsächlich, mit welchen Maßnahmen können Brände verhindert oder eingedämmt werden? Darüber haben wir mit Jan Struve gesprochen, Brandschutzexperte bei TÜV NORD.

#explore: Herr Struve, im Januar 2025 kam es in Kalifornien zu einem Brand in einer der größten Batteriespeicheranlagen der Welt. Wie häufig kommen solche Brände vor?

Jan Struve: Grundsätzlich relativ selten. Wenn sie aber auftreten, wirken diese entsprechend groß mit der jeweiligen Flammenbildung. Das liefert spektakuläre Bilder, die von den Medien gerne aufgegriffen werden, weil sie eine hohe Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erregen – auch da es sich dabei um eine neue Technologie handelt. Dasselbe Phänomen konnten wir anfangs bei brennenden E-Fahrzeugen beobachten.

Wenn Batterien aber brennen, gelten sie als schwer zu löschen. Woran liegt das?

Wie leicht eine Batteriezelle Feuer fängt und wie schwer sie zu löschen ist, ist immer auch abhängig vom Typ der Batterie. Bei den weitverbreiteten Lithium-Ionen-Batterien auf Nickel-Mangan-Kobalt-Basis kann bei einem Kurzschluss eine chemische Reaktion mit einer hohen Wärmefreisetzung entstehen, die nicht abgeführt werden kann – dem thermischen Durchgehen, das sehr schnell auch auf andere Zellen übergreifen kann. Dabei entstehen zudem brennbare Gase, die bei Zündungen zu Stichflammen führen. Da dieser Batterietyp während der Reaktion zusätzlich Sauerstoff freisetzt, lässt sich ein solcher Brand mit konventionellen Mitteln schwer bekämpfen.

Eine Person steht mit verschränkten Armen im Freien und trägt eine dunkle Jacke über einem hellen T-Shirt. Der Hintergrund zeigt eine natürliche Landschaft mit Bäumen und einem bewölkten Himmel.
Zur Person

Jan Struve leitet bei der TÜV NORD EnSys den Bereich Brand- und Explosionsschutz. In seinem Arbeitsalltag beschäftigt sich der Ingenieur mit der Frage, wie sich Brände und Explosionen verhindern lassen. In seiner Freizeit bekämpft er sie als Mitglied der freiwilligen Feuerwehr.

Wie können diese Brände stattdessen bekämpft werden?

Ein durchgehendes Batteriemodul ist in der Praxis kaum zu löschen. Daher ist die beste Option für die Feuerwehren, den Brand beziehungsweise die umgebenden Module und Einheiten mit Wasser herunterzukühlen. Dabei gibt es allerdings zwei weitere Herausforderungen. Die einzelnen Batteriemodule sind zumeist in Container integriert, wie man sie aus der Schifffahrt kennt. Die Feuerwehr kommt also unter Umständen nicht direkt an den Brandherd heran, zumal sie Sicherheitsabstände einhalten muss, da die Batterien noch unter Spannung stehen können. Zugleich steigt durch das thermische Durchgehen die Temperatur in den Zellen exponentiell. Ab einem gewissen Punkt kann sie durch Wasser nicht mehr ausreichend heruntergekühlt werden. Daher setzt in der Brandbekämpfung mittlerweile ein Umdenken ein: Da der brennende Container zumeist ohnehin nicht mehr zu retten ist, lässt man ihn kontrolliert abbrennen. Und nutzt das Löschwasser, um die umliegenden Batteriecontainer zu kühlen und so ein Übergreifen des Brandes zu verhindern.

Welche gesetzlichen Anforderungen gelten für den Brandschutz von Großspeichern?

Brandschutztechnische Regularien, die explizit Batteriespeicher adressieren, gibt es in Deutschland nicht. Anforderungen ergeben sich in der Regel aus dem Bauordnungsrecht. Und das legt entsprechende Schutzziele fest: Personen müssen aus der Anlage flüchten oder gerettet werden können. Das Feuer darf nicht auf benachbarte Gebäude übergreifen, wofür beispielsweise entsprechende Abstände einzuplanen sind. Und die Feuerwehr muss löschen können. Bei Großbatteriespeichern halten sich in der Regel keine Personen in der Anlage auf, weshalb die Anforderungen für Fluchtwege entfallen. Stehen sie auf freiem Feld, gibt es auch keine Nachbarschaft, die in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Da der Batteriespeicher als eine bauliche Anlage betrachtet werden kann, sind die im Bauordnungsrecht beschriebenen Abstände von fünf beziehungsweise 2,5 Metern nicht auf den Abstand zwischen den Containern übertragbar. Zur Vermeidung eines Brandüberschlags durch entsprechende Abstände zwischen den Containern werden allerdings durch die Hersteller bereits Vollbrandversuche an den Batteriecontainern durchgeführt. So kann die Wärmestrahlung des konkreten Containers ermittelt und auf dieser Basis die Anordnung der Container im Batteriepark optimiert werden.

Eine Baustelle mit einem großen Kran und mehreren weißen Containergebäuden. Im Vordergrund sind gestapelte Ziegel und Erdhaufen zu sehen. Stromleitungen verlaufen über die Baustelle, und der Himmel ist klar und blau.
Beim Bau von Batteriespeicheranlagen sind Brandschutzkonzepte gefragt. Die beinhalten unter anderen Zufahrtsmöglichkeiten für Feuerwehrfahrzeuge, aber auch die Verwendung von Sensoren, die die Gastkonzentration im Container messen. Copyright: AdobeStock

Und welche Anforderungen müssen für den Feuerwehreinsatz erfüllt werden?

Insbesondere müssen Zufahrtswege angelegt und ausreichend Löschwasser vorgehalten werden. Sind diese Anforderungen erfüllt und damit sichergestellt, dass Menschen und benachbarte Infrastrukturen im Brandfall nicht gefährdet werden, kann die Genehmigung erteilt werden. Alle darüber hinaus gehenden Schutzmaßnahmen stimmen die Betreibenden insbesondere mit den Versicherungen ab, die ihrerseits weitere Anforderungen an den Brandschutz stellen, um ihr Risiko zu vermindern.

Neben Brandschutzgutachten für das eigentliche Genehmigungsverfahren erstellen Sie auch umfassende Brandschutzkonzepte, die über die regulatorischen Anforderungen hinausgehen. Wie gehen Sie dabei vor?

Wir nehmen dabei sämtliche Aspekte in den Blick, angefangen bei der Frage, welche Batterien verwendet werden sollen: Handelt es sich dabei um Typen, die bei einem Kurzschluss viel Sauerstoff produzieren oder nicht? Als vorbeugende Maßnahme ist ein leistungsfähiges Batteriemanagementsystem elementar. Dieses erkennt frühzeitig, ob mit einem Batteriemodul etwas nicht stimmt, das dann vorbeugend ausgetauscht werden kann. Solche Systeme sind über die Jahre immer besser und intelligenter geworden. Das hat bereits dazu geführt, dass heute weniger Batteriebrände auftreten, aber auch weniger Speicher wegen Defekten ausfallen, was für die Betreibenden natürlich von großem wirtschaftlichem Interesse ist.

Eine Landschaft mit mehreren Windkraftanlagen und einem Energiespeicherbereich aus roten Containern. Im Hintergrund sind Felder und ein klarer blauer Himmel zu sehen. Die Windräder stehen in einer Reihe und erzeugen erneuerbare Energie.
Viel Platz: Gebäude gehören nicht in die Nähe von Batteriespeichern, und wenn der Abstand zwischen den Containern groß genug ist, hat Brandüberschlag keine Chance. Copyright: AdobeStock

Und mit welchen Maßnahmen können Brände frühzeitig erkannt und bekämpft werden?

Brandmeldeanlagen sind ein gängiges Mittel, um die Feuerwehr automatisch und unmittelbar bereits in der Entstehungsbrandphase zu verständigen. Sinnvoll sind außerdem Sensoren, die die Gaskonzentration im Container messen. Denn wenn sich im Schadensfall der flüssige Elektrolyt in der Batterie zersetzt und ausgast, kann eine explosive Atmosphäre entstehen. Das lässt sich verhindern, wenn man diese Sensoren mit einem automatisierten Entlüftungssystem koppelt.

Die nächste Schutzebene können Löschanlagen im Container bilden, die den Brand bereits bei der Entstehung so weit als möglich eingrenzen, bis die Feuerwehr eintrifft. Besonders wichtig ist dabei auch das besagte Umdenken bei der Brandbekämpfung – also sich auf die Kühlung der benachbarten Container zu konzentrieren, um ein Übergreifen zu verhindern. Daher empfehlen wir auch immer, die lokalen Feuerwehren bereits im Genehmigungsprozess einzubinden, bei Bedarf Weiterbildungen anzustoßen oder zu begleiten. Es handelt sich also um ein Bündel ineinandergreifender Maßnahmen, deren Umsetzung wir abschließend überprüfen.

 

Gibt es technologische oder regulatorische Entwicklungen, um die Brandgefahr künftig noch weiter zu reduzieren?

Neben der Weiterentwicklung bei den Batteriemanagementsystemen spielen hier vor allem neue Batterietypen eine große Rolle – namentlich Lithium-Eisenphosphat-Batterien, die heute immer öfter zum Einsatz kommen. Diese sind thermisch stabiler und setzen auch weniger Sauerstoff frei. Damit sinkt die Gefahr von Überhitzung, thermischem Durchgehen und entsprechend das Brandrisiko. Es wird bereits auch mit speziellen Dämmschichtbildnern experimentiert, die im Brandfall einen Teil der Wärmeenergie aufnehmen und der Feuerwehr so mehr Zeit zum Eingreifen verschaffen. Regulatorisch nimmt die EU-Batterieverordnung die Hersteller in die Pflicht, die Sicherheit ihrer Batterien weiter zu verbessern, was entsprechend auch der Brandsicherheit von Batteriespeichern zugutekommt.

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Folge #83

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Dies ist ein Artikel von #explore. #explore ist eine digitale Entdeckungsreise in eine Welt, die sich in rasantem Tempo wandelt. Die zunehmende Vernetzung, innovative Technologien und die alles umfassende Digitalisierung schaffen Neues und stellen Gewohntes auf den Kopf. Doch das birgt auch Gefahren und Risiken: #explore zeigt einen sicheren Weg durch die vernetzte Welt.