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Gute Frage, nächste Frage

Warum ist der Februar so kurz?

Was ein römischer Diktator und ein Papst mit der Dauer des Februars zu tun haben.

Eine Person steht in einer Küche und markiert ein Datum auf einem Wandkalender. Sie trägt einen gemütlichen Strickpullover und hält eine gelbe Tasse in der Hand. Der Hashtag "#explore" ist oben rechts im Bild zu sehen.

29. Januar 2026

Elf Monate des Jahres haben entweder 30 oder 31 Tage. Nur der Februar fällt mit seinen 28 Tagen aus der Reihe. Und außerdem durch den Umstand, dass er in einem Schaltjahr einen Tag extra spendiert bekommt. Aber wie und warum wurde ausgerechnet der zweite Monat im Jahr zum Sonderfall?

Der Ursprung dafür, dass der Februar anders ist als die übrigen Monate, liegt im alten römischen Kalender. Der erste Monat des Jahres war damals der März. Deshalb stecken im September, Oktober, November und Dezember die römischen Zahlen für sieben, acht, neun und zehn. Der Februar war also nicht der zweite, sondern der zwölfte und letzte Monat des Jahres. Und das hatte bei den alten Römern zu der Zeit nur 355 Tage. Diese Zahl ließ sich allerdings nicht gleichmäßig auf zwölf Monate verteilen: Einige Monate bekamen 31, andere 29 Tage. Für den Februar blieben damit nur 28 Tage übrig.

Die erste größere Änderung gab es im Jahr 153 vor Christus: Der Jahresbeginn wurde vom 1. März auf den 1. Januar verschoben. Rund ein Jahrhundert später, im Jahr 45 v. Chr., führte dann Julius Cäsar eine grundlegende Kalenderreform ein: Das Jahr hatte ab sofort 365 Tage. Monate mit 30 und 31 Tagen wechselten sich nun weitestgehend regelmäßig ab. Nur der Februar behielt seinen Sonderstatus als „Kurzmonat“ und musste sich weiterhin mit 28 Tagen begnügen. Meistens zumindest: Um den neuen Kalender möglichst gut mit dem Umlauf der Erde um die Sonne zu synchronisieren, wurde dem Februar alle vier Jahre ein Schalttag spendiert.

Dem Sonnenjahr hinterher

Die Jahreslänge des julianischen Kalenders liegt im Mittel bei 365,25 Jahren – und damit schon dicht an den astronomischen Gegebenheiten. Allerdings nur fast. Denn das julianische Jahr hängt dem Umlauf der Erde im Schnitt etwa 11 Minuten und 14 Sekunden hinterher.

Eine Verspätung, die sich im Laufe der Jahrhunderte zu Stunden und Tagen summierte und im mittlerweile christlichen Europa auch die Berechnung des Ostertermins durcheinanderbrachte. Im 16. Jahrhundert hing der Kalender dem Sonnenjahr bereits volle zehn Tage hinterher. Für Papst Gregor XII. ein unhaltbarer Zustand, dem er ein für alle Mal entgegenwirken wollte. Als Sofortmaßnahme verkündete er: Auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582, folgt sofort Freitag, der 15. Oktober.

Feintuning für die Schaltjahresplanung

Kalender und Sonnenjahr waren damit wieder synchron. Um zu verhindern, dass sie erneut auseinanderdriften, legten der Papst beziehungsweise seine mathematischen Berater neue Regeln bei der Schaltjahresplanung fest: Jedes Jahr, das glatt durch vier teilbar ist, ist ein Schaltjahr. Die Ausnahme: Bei Jahren, die sich ohne Kommastellen durch 100 teilen lassen, bleibt es bei 28 Tagen. Das nächste Mal ist das im Jahr 2100 der Fall, dann 2200 und 2300. Im Jahr 2400 greift dann die Ausnahmeregel zur Ausnahmeregel: Alle Jahre, die sich nicht nur glatt durch 100, sondern außerdem durch 400 teilen lassen, behalten ihren Schalttag.

Dieses mathematische Feintuning sorgt dafür, dass das Kalenderjahr dem Sonnenjahr nur noch um etwa 26 Sekunden hinterherhängt. Diese Abweichung ist so gering, dass es 3.225 Jahre dauert, bis sich ein ganzer Verspätungstag angesammelt hat.

Als der Februar besonders kurz kam

Heute richten sich fast alle Menschen der Erde nach dem gregorianischen Kalender. Doch seine Verbreitung ging nicht von jetzt auf gleich. Naheliegenderweise wurde er zunächst in den katholischen Ländern Europas und ihren Kolonien eingeführt. Erste protestantische Staaten folgten gut 150 Jahre später, im buddhistischen und shintoistischen Japan war es 1873 so weit.

In den orthodoxen Ländern Europas kam der gregorianische Kalender dagegen erst Anfang des 20. Jahrhunderts an. In Russland beispielsweise wurde er 1918 von den Revolutionären um Lenin eingeführt. Der Rückstand des alten julianischen Kalenders zum Sonnenjahr hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf 13 Tage summiert. Um diese Verspätung wettzumachen, wurde zur Kalenderumstellung der Februar 1918 auf gerade einmal 15 Tage eingedampft: Auf den 1. Februar folgte direkt der 14. Februar.

Da die russisch-orthodoxe Kirche sich von den gottlosen Bolschewiki nicht die Zeitrechnung diktieren lassen wollte, hielt sie am julianischen Kalender fest. Das ist der Grund, warum der Heilige Abend von orthodoxen Christinnen und Christen in Russland, Georgien und Serbien am 6. Januar gefeiert wird.

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Dies ist ein Artikel von #explore. #explore ist eine digitale Entdeckungsreise in eine Welt, die sich in rasantem Tempo wandelt. Die zunehmende Vernetzung, innovative Technologien und die alles umfassende Digitalisierung schaffen Neues und stellen Gewohntes auf den Kopf. Doch das birgt auch Gefahren und Risiken: #explore zeigt einen sicheren Weg durch die vernetzte Welt.