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Raumfahrt

Zurück zum Mond

Welche Rolle die Fachleute von ALTER beim Artemis-Programm spielen.

Eine große Rakete steht auf einer Startrampe, umgeben von hohen Türmen und technischen Anlagen. Der Himmel ist klar und blau mit einigen Wolken. Die Szene vermittelt den Eindruck von technologischem Fortschritt und Raumfahrt.

26. März 2026

Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass Menschen ihre Spuren auf dem Mond hinterlassen haben. 2027 sollen erstmals wieder Astronautinnen und Astronauten den Erdtrabanten betreten. Die Fachleute von ALTER, Tochter der TÜV NORD GROUP, sind maßgeblich an diesem ehrgeizigen Raumfahrtprogramm beteiligt, das den Mond als Sprungbrett für künftige Marsmissionen etablieren soll.

14. Dezember 1972. Taurus-Littrow, eine Region im Mondmeer Mare Serenitatis. Es ist 5:40 Uhr koordinierte Weltzeit. „Wir verlassen jetzt Taurus-Littrow, wie wir einst gekommen sind“, sagt Eugene Cernan. „Wenn Gott es will, werden wir zurückkehren in Frieden und Hoffnung für die gesamte Menschheit.“ Mit diesen Worten klettert der Kommandant der Apollo-17-Mission die Leiter empor und verschwindet in der Mondfähre.

Cernan ist bis heute der letzte Mensch, der die Oberfläche des Erdtrabanten betreten hat – doch er wird es nicht bleiben. Die NASA schickt dem Sonnengott Apollo seine Zwillingsschwester hinterher, ihres Zeichens Göttin der Jagd, des Waldes und des Mondes: Artemis, so hat die NASA ihr zweites ambitioniertes Mondlandungsprogramm genannt. Es besteht aus mehreren Missionen, an denen auch die ESA und andere Raumfahrtagenturen beteiligt sind. Ziel ist es unter anderem, eine Präsenz auf dem Mond aufzubauen und damit die Basis für zukünftige Marsmissionen zu legen.

Im April 2026 soll das Raumschiff Orion mit einer Astronautin und drei Astronauten an Bord seine rund 370.000 Kilometer lange Reise in Richtung Mond antreten. Im spanischen Sevilla werden sich die Mitarbeitenden von ALTER, Tochter der TÜV NORD GROUP, dann vor großen Bildschirmen versammeln. „Wie bei allen Programmen, an denen wir beteiligt waren, werden wir ein paar Minuten innehalten, um den Erfolg dieser Mission zu feiern“, sagt Manuel Morales. „Und das, was wir als Team erreicht haben.“ Der Ingenieur für Komponenten und Produktsicherung arbeitet seit mehr als 20 Jahren bei ALTER, doch das Artemis-Programm ist für ihn etwas Besonderes: „Es geht um den Mond“, betont Morales. „Und wir sprechen davon, nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder Menschen dorthin zu bringen! Da wird ein Kindheitstraum wahr, den viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler träumen.“

Eine Raumkapsel wird in einer Montagehalle bearbeitet, umgeben von technischen Geräten und Plattformen. Ingenieure in Schutzkleidung arbeiten an der Kapsel. Die Umgebung ist industriell und hochmodern.
2027 werden Menschen den Mond im Rahmen des Artemis-Programms der NASA wieder betreten. Vorher, spätestens im April 2026, wird eine vierköpfige Crew den Mond umrunden und dabei die Systeme des Raumschiffs Orion testen.

Hauptantrieb für den Mondflug

Bis Menschen wieder den Mond betreten werden, dauert es aber noch bis 2027: Denn 2026, beim ersten bemannten Flug, wird die vierköpfige Crew zunächst den Mond umrunden und die Systeme des Raumschiffs Orion testen. Das besteht aus zwei wesentlichen Teilen: dem US-amerikanischen Crewmodul, auch Multi-Purpose Crew Vehicle (MPCV) genannt, und einem zylinderförmigen Versorgungs- und Antriebsmodul namens European Service Module (ESM). Hier sitzt das Haupttriebwerk für den Flug zum Mond.

Die Fachleute von ALTER haben unter anderem elektronische und elektromechanische Teile für das ESM beschafft und geprüft. Mehr als 20.000 Teile, Komponenten und zwölf Kilometer Kabel sind darin verbaut. Es ist vier mal vier Meter groß und wiegt beim Start rund 13 Tonnen. Das Modul transportiert den Treibstoff und versorgt die Crew über mehrere Wochen mit Energie, Wasser und Sauerstoff. Am Ende jeder Mission trennt es sich vom Raumschiff und verglüht in der Erdatmosphäre. Sechs dieser ESM hat die NASA bei ihren europäischen Partnern bestellt.

Die Arbeit an Artemis ist anders

ALTER ist seit mehr als 30 Jahren an Weltraummissionen und insbesondere an Missionen der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) beteiligt. Bei der Entwicklung des Servicemoduls ESM griffen die europäischen Raumfahrtingenieurinnen und -ingenieure auf die Erfahrungen mit dem sogenannten Automatic Transfer Vehicle (ATV) zurück, einem unbemannten und automatisierten Raumfrachter, der die internationale Raumstation ISS zwischen 2008 und 2015 mit Nachschub versorgte. Auch damals waren die Fachleute von ALTER für das Beschaffen und Testen der Komponenten verantwortlich, die in den fünf ATV verbaut waren.

Trotz aller Erfahrung ist die Arbeit an Artemis anders. Die Herausforderung waren nicht allein die vielen Bauteile, von denen jedes einzelne auf den Prüfstand kam, und die Vielzahl an Tests. Es mussten auch alle Qualitätsaspekte unter sehr anspruchsvollen Anforderungen eingehalten werden. „Die Komplexität der Geräte, insbesondere beim Testen einiger neuer Technologien, war eine echte Herausforderung“, schildert Morales. Eine gigantische Aufgabe, die nur dank einer starken Teamleistung gelungen sei. „Wir haben hier an der Zukunft der Weltraumforschung mitgearbeitet und verstehen jetzt die mittelfristigen Anforderungen an diese Art von Missionen“, sagt der Ingenieur. „Nach einem anstrengenden Tag war es großartig, sich bewusst zu machen, dass man etwas getan hatte, das an künftige Generationen weitergegeben wird.“

Grafik der ESA: Fachleute von ALTER, Tochter der TÜV NORD GROUP, haben unter anderem elektronische und elektromechanische Teile für das Versorgungs- und Antriebsmodul ESM beschafft und geprüft.

Nächster Halt: Mars

Denn Artemis ist eine Brücke in die Zukunft: Im Rahmen des Programms soll ein dauerhaftes Basislager auf dem Mond errichtet werden. Auch dafür hat ALTER bereits Hochleistungs-LEDs für Roboter evaluiert. „Dabei haben wir in unserem Labor sehr interessante Tests mit Mondregolith durchgeführt“, schildert Morales. Das ist die staubige, scharfkantige und bröckelige Gesteinsschicht, die die Oberfläche des Mondes bedeckt und für Mensch und Technik gefährlich werden kann.

Mit dem Lunar Gateway, einer Raumstation in der Mondumlaufbahn, die sowohl zur Forschung als auch als „Umsteigebahnhof“ zwischen Raumfähre und Mondoberfläche dient, soll im Rahmen von Artemis schon der nächste große Schritt der Menschheit vorbereitet werden: der erste Flug von Astronautinnen und Astronauten zum Mars. Auch dort hat ALTER bereits Spuren hinterlassen – zumindest in Gestalt der Roboter, deren Bauteile von den Fachleuten getestet wurden.

Mögliche Spuren von Leben und lebensgefährliche Strahlung

Einer dieser Roboter, der Rover Perseverance, zieht seit 2021 auf dem Mars seine Kreise. Anfang dieses Jahres hat er eine uralte Gesteinslandschaft entdeckt, die früheres Leben auf dem heute öden Planeten belegen könnte. Gewissheit wird allerdings wohl nur eine genauere Untersuchung auf der Erde bringen. Doch die Rückführung der gesammelten Proben ist aktuell noch eine finanzielle wie technische Herausforderung.

Das gilt umso mehr für einen bemannten Flug zum Roten Planeten, den die NASA in den 2030er-Jahren anvisiert. Die Lebenserhaltungssysteme etwa, um Marsreisende während des langen Fluges mit Sauerstoff und Wasser zu versorgen, die technischen Verfahren, um sie vor der tödlichen Strahlung auf dem Roten Planeten zu schützen: Sie müssen erst entwickelt werden. Überhaupt gelte es, zunächst noch einiges über den Mars zu lernen, sagt Morales und dämpft überzogene Erwartungen auf einen baldigen Start. „Bevor wir Menschen auf den Mars schicken, bleiben wir doch zunächst lieber dabei, Roboter einzusetzen, um zu begreifen, wie der Planet funktioniert.“

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Dies ist ein Artikel von #explore. #explore ist eine digitale Entdeckungsreise in eine Welt, die sich in rasantem Tempo wandelt. Die zunehmende Vernetzung, innovative Technologien und die alles umfassende Digitalisierung schaffen Neues und stellen Gewohntes auf den Kopf. Doch das birgt auch Gefahren und Risiken: #explore zeigt einen sicheren Weg durch die vernetzte Welt.