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Digitalisierung

Kommt der E-Euro?

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25. Februar 2021

Kryptowährungen wie Bitcoin boomen, bargeldloses Bezahlen ist in vielen Ländern selbst beim Bäcker bereits Normalität. Auch immer mehr Staaten wollen digitale Varianten ihrer Währungen auf den Weg bringen. In China und Schweden laufen bereits erste Tests für die E-Krona und den digitalen Yen. Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet ihrerseits an einem elektronischen Euro. Wie könnte der E-Euro aussehen, und welche Vorteile würde er bieten? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Warum überhaupt ein digitaler Euro?

Bargeld verliert an Bedeutung, elektronische Bezahlformen werden immer beliebter. Die EZB reagiert auf diese Entwicklung und will den Euro fit für das digitale Zeitalter machen. Deshalb prüft die Zentralbank aktuell die Einführung einer digitalen Währung. Der E-Euro soll Scheine und Münzen nicht ersetzen, sondern als ein „schnelles, einfaches und sichereres Zahlungsmittel“ ergänzen. Er wäre eine Antwort der Währungshüter auf die Marktmacht von privatwirtschaftlichen Bezahldiensten aus Übersee – und auf Kryptowährungen wie Bitcoin und Facebooks Projekt Diem (ehemals Libra). Er soll verhindern, dass Europa von digitalen Zahlungsmitteln abhängig wird, die in Ländern außerhalb der EU ausgegeben und von dort aus kontrolliert werden. Denn dies könnte aus Sicht der EZB die finanzielle Stabilität und geldpolitische Souveränität der EU untergraben. Der entscheidende Unterschied des E-Euros zu Bitcoin und Co.: Er stünde unter der Aufsicht einer Zentralbank, die die Stabilität der Währung sichert. Davon erhofft man sich deutlich mehr Vertrauen als in die chronisch schwankenden Kryptowährungen und auch in Zahlungsmethoden wie Apple Pay oder Google Pay, hinter denen statt Zentralbanken Großkonzerne stecken, deren Solidität in Krisenzeiten nicht immer gesichert ist.

Wie könnte der E-Euro konkret aussehen?

Die EZB arbeitet mit der EU-Kommission in einer Expertengruppe, um die „institutionellen, rechtlichen und praktischen Aspekte zur Schaffung eines digitalen Euros zu klären“ – das Projekt steckt also noch in einer frühen Phase. Diverse Fragen technischer wie struktureller Natur wollen erst beantwortet werden: etwa, ob dezentrale Systeme wie die Blockchain oder konventionelle Datenbanken das technologische Rückgrat der digitalen Währung bilden werden. Sicher scheint dagegen schon: Der E-Euro wird Unternehmen wie Privatpersonen gleichermaßen zur Verfügung stehen. Voraussichtlich würde das Digitalgeld über ein eigenes Konto gebucht, also unabhängig vom klassischen Giro- oder Kreditkartenkonto. Faktisch läge dieses Konto bei der EZB, doch verwaltet werden soll es durch die Geschäftsbanken.

 

Was spricht für einen E-Euro?

Befürworter versprechen sich viele Vorteile von der digitalen Währung: Heute sind Überweisungen nach China teils länger als die von dort bestellten Waren unterwegs. Eine digitale Währung könnte den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr auf Sekunden verkürzen. Auch Micropayments wären mit einem E-Euro machbar. Solche Kleinstüberweisungen kommen etwa ins Spiel, wenn ein E-Auto nur wenige Minuten an der Ladesäule Strom für Centbeträge zapft. Zudem würde die digitale Währung das Internet der Dinge zahlungsfähig machen: Vernetzte Maschinen könnten automatisiert und selbstständig Umsätze und Kosten buchen – und Unternehmen so Zeit und Verwaltungskosten sparen.

 

Was spricht dagegen?

Kritiker fürchten, ein elektronischer Euro könne langfristig das Bargeld verdrängen und den Datenschutz untergraben. Oder sogar das Bankensystem destabilisieren, wenn Unternehmen und Privatleute insbesondere in Krisenzeiten ihr Geld vom Girokonto in den sicheren E-Euro ummünzen.

Sind Datenschutz und Digitalgeld kompatibel?

Der Schutz der Privatsphäre habe bei der Entwicklung der digitalen Währung Priorität, verspricht die EZB. Anders als bei privaten Anbietern könnten sich Nutzer darauf verlassen, dass ihre Zahlungsdaten nicht etwa dazu verwendet werden, um ihr Einkaufsverhalten zu analysieren. Laut Fabio Panetta, Mitglied des Direktoriums der EZB und Leiter der Arbeitsgruppe für den E-Euro, sollen zumindest kleinere Beträge wie Bargeld anonym und auch offline den Besitzer wechseln können. Eine Möglichkeit wären hier sogenannte Anonymitätsgutscheine, mit denen die EZB bereits experimentiert hat. Nutzer könnten mit solchen Bons Produkte und Dienstleistungen erwerben, ohne vom System verfolgt zu werden.

 

Bringt der E-Euro das Bankensystem ins Wanken?

In ihren Überlegungen hat die EZB auch eine mögliche Destabilisierung des heutigen Finanzsystems im Blick. Um einem digitalen Bank-Run entgegenzuwirken, ist angedacht, das Guthaben der Nutzer auf einige Tausend E-Euro zu beschränken. Eine andere Möglichkeit wäre laut Fabio Panetta, Strafzinsen auf digitale Euro-Bestände oberhalb eines bestimmten Schwellenwerts zu erheben. Als Messlatte brachte der EZB-Direktor eine Grenze von 3.000 Euro ins Spiel. Eine hundertprozentige Privatsphäre sei mit einem solchen Ansatz aber nicht zu garantieren: Eine Kontrollbehörde müsste hier etwa feststellen können, ob eine Person zwei verschiedene, etwa an unterschiedliche Smartphones geknüpfte Konten mit Digital-Euros habe.

 

Wann können wir mit dem E-Euro rechnen?

Einen Zeitplan für eine Einführung des E-Euros gibt es bislang noch nicht. Die EZB und die nationalen Zentralbanken prüfen derzeit die Vorteile und Risiken einer digitalen Währung. Bis Mitte 2021 will der EZB-Rat eine Grundsatzentscheidung treffen, ob das Projekt E-Euro weiterverfolgt wird. Bekommt der elektronische Euro grünes Licht, könnte er bereits in fünf Jahren in den virtuellen Geldbörsen von Unternehmen und Verbrauchern stecken, stellt EZB-Präsidentin Christine Lagarde in Aussicht.

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