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Sicherheit im Schienenverkehr

Neuer Prüfstand für Bremsen

© TÜV NORD

14. Oktober 2016

Vom Bus bis zum ICE: Der jetzt in Essen installierte Schwungmassenprüfstand von TÜV NORD kontrolliert Bremsen von Lkws und Bahnfahrzeugen.

 

Völlig neue Dimensionen: Der Prüfstand bringt ganze 80 Tonnen auf die Waage. Mit ihm können nicht nur Bremsen von Nutzfahrzeugen geprüft werden, sondern auch die von Schienenfahrzeugen wie dem Hochgeschwindigkeitszug der Deutschen Bahn.

Wenn im TÜV NORD-Institut für Fahrzeugtechnik und Mobilität Bremsen geprüft werden, dann hat das nichts mit der Bremsprüfung von Fahrzeugbremsen auf einem Rollenbremsenprüfstand im Rahmen der Hauptuntersuchung zu tun. Vielmehr geht es zum Beispiel um Zulassungsprüfungen von Nutzfahrzeugbremsen oder Bremsbelägen. So können Radbremsen im Zusammenhang mit kompletten Lkw-Achsen auf dem Prüfstand aufgebaut und „malträtiert“ werden. Bereits seit mehr als 30 Jahren werden in Essen Bremsen für Straßenfahrzeuge geprüft. Der neue Prüfstand ergänzt einen Schwungmassenprüfstand für Nutzfahrzeuge und zwei weitere für Pkw.

TÜV NORD hat für den Prüfstand insgesamt rund drei Millionen Euro investiert. Geschäftsführer Robert Plank stellt klar: „Wir investieren nicht nur in neue Geschäftsfelder im Ausland. Auch unser Flächengeschäft hier in Deutschland und unser Institut für Fahrzeugtechnik und Mobilität werden in die Lage versetzt, auf hohem Niveau weiterhin zum Geschäftserfolg unseres Hauses beizutragen.“

Zu den Dimensionen in der Eisenbahntechnik: Eisenbahnräder haben einen Durchmesser von bis zu 1,60 Meter, und jedes von ihnen wiegt mehr als 600 Kilogramm. Außerdem hat der Motor des Prüfstandes eine Leistung von 700 Kilowatt und ermöglicht maximal 2.850 Umdrehungen pro Minute. Das bedeutet zum Beispiel beim ICE-Rad mit einem Durchmesser von 89 Zentimetern eine Geschwindigkeit von etwa 470 Stundenkilometern. Wegen seines hohen Gewichts von 80 Tonnen musste der Koloss auf zehn Pfählen aufgesetzt werden, die elf Meter tief im Grund verankert worden sind. Bei solchen Massen, Drehzahlen und Kräften wird dem Thema Sicherheit im Betrieb ein besonderer Stellenwert beigemessen. Der brisante Teil des Prüfstandes ist deshalb mit zentimeterdicker, tonnenschwerer Stahlplattenarmierung ausgestattet.

Carsten Winkelbach, der Leiter des Instituts, erläutert: „Für 2017 streben wir für unseren Prüfstand die Zulassung durch den internationalen Eisenbahnverband UIC an. Dann sind wir der siebte Standort weltweit, der einen offiziell zugelassenen, unabhängig betriebenen Schwungmassenprüfstand für Reibbelagzulassungen im Bahnsektor betreibt.“