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Checkliste

Smart-Home-Geräte: Matter verbindet

© iStock

28. April 2022

Bei Smart-Home-Geräten ist es wie bei ihren menschlichen Besitzerinnen und Besitzern: Sprechen sie nicht dieselbe Sprache, stößt die Kommunikation an Grenzen. Matter soll sämtliche Verständigungsprobleme überwinden und alles miteinander kompatibel machen. Wann der neue Verbindungsstandard kommt, wer dahintersteht und wie Matter den Betrieb des Smart Homes künftig erleichtern soll, klärt unsere Checkliste.

 

Was ist Matter?

Wer sich bereits darangemacht hat, ihr oder sein Zuhause klüger zu machen, kennt das Problem: Das Angebot an smarten Lampen oder intelligenten Thermostaten unterschiedlicher Hersteller ist zwar mittlerweile groß, aber ausschöpfen kann man es nicht – denn das eine Gerät spricht nur mit Amazons Alexa, das andere mit Apples HomeKit, und das nächste kann nur mit dem Google Assistant kommunizieren. Das macht die Suche nach einem passenden Gerät kompliziert und schränkt den Kreis möglicher Kandidaten ein. Matter will das ändern. Der neue Verbindungsstandard soll künftig Geräte verschiedener Hersteller miteinander kompatibel machen. Jedes Gerät, das nach dem Standard zertifiziert wurde, kann entsprechend mit den Smart-Home-Systemen der großen Anbieter vernetzt werden – ob Apple, Google oder Amazon. Kompatible Lampen oder Lichtschalter lassen sich im lokalen Handel wie im Onlineshop dann einfach am Matter-Logo erkennen. Die lästige und zeitaufwendige Recherche nach passenden Geräten entfällt.

 

Soll Matter Alexa und Co. ersetzen?

Die kurze Antwort: nein! Die ausführliche: Matter ist eine Ergänzung, kein Ersatz zu bestehenden Systemen, da es selbst kein Smart-Home-System ist. Die Technologie verbindet Geräte im Haushalt und regelt deren Datenaustausch. Für deren Steuerung und Automatisierung ist nach wie vor ein übergeordnetes System zuständig, das seinerseits matterkompatibel sein muss. Der Clou dabei: Durch eine spezielle Matter-Funktion lassen sich Geräte auch gleichzeitig in mehreren Systemen verwenden. Während das eine Familienmitglied den smarten Lichtschalter also beispielsweise mit Alexa ansteuert, kann ein anderes etwa den Google Assistant verwenden. Matter ist übrigens auch kein neuer Funkstandard. Es verwendet vielmehr die „alten“ Standards WLAN und Bluetooth Low Energy sowie den neuen Funkstandard Thread. Letzterer gilt übrigens als großer Hoffnungsträger im Smart-Home-Bereich, da er weniger Energie benötigt und geringere Verzögerungen und höhere Reichweiten ermöglicht als beispielsweise Bluetooth.

 

Was macht Matter ansonsten anders?

Die smarten Geräte kommunizieren bei Matter über lokale Netzwerkverbindungen. Sie funktionieren also auch, wenn das Internet weg ist, und müssen nicht den Umweg über die Cloud nehmen. Das soll die Datensicherheit verbessern und den Schutz der Privatsphäre erhöhen. Die Gerätehersteller können allerdings weiterhin ihre eigenen Cloud-Dienste mit entsprechenden Zusatzfunktionen anbieten, auf die man dann bei Bedarf via App zugreifen kann. Matter soll künftig auch die Einrichtung smarter Geräte erleichtern, beispielsweise über QR-Codes, die einfach mit der Smartphone-Kamera abgescannt werden. Ein Prinzip, das etwa Apple bei HomeKit bereits praktiziert.

Wer macht bei Matter mit?

Matter geht auf eine gemeinsame Initiative von Amazon, Apple, Comcast, Google, Samsung SmartThings und der damaligen Zigbee-Allianz zurück. Ende 2019 gestartet, sind nach Angaben der Initiative mittlerweile 220 Unternehmen dabei, die sich in die Entwicklung des offenen Standards einbringen, darunter Ikea, Huawei und Schneider Electric. Ein Gesamtüberblick über die Matter-Mitglieder findet sich hier.

 

Wann geht es mit Matter los?

Die ersten matterkompatiblen Produkte sollten ursprünglich bereits 2021 auf den Markt kommen. Mittlerweile wird ab Spätsommer dieses Jahres mit den ersten Geräten gerechnet. So hat etwa der französische Hersteller Netatmo einen matterfähigen Sicherheitssensor angekündigt. Andere Hersteller wollen ihre intelligenten Lichtschalter überarbeiten und matterkompatibel neu auf den Markt bringen. Einige Unternehmen haben Matter-Updates für ihre alten Geräte angekündigt. Auch die großen Anbieter von Smart-Home-Systemen planen, ihre Apps, Betriebssysteme und digitalen Assistenten per Update matterfähig zu machen: So will Amazon das Gros bestehender Echo-Geräte per Software-Update auf den Standard vorbereiten. Apple will seinem mobilen Betriebssystem iOS 15 und damit auch seiner Home App ein Matter-Update spendieren. Google wiederum hat angekündigt, alle Nest-Geräte über Updates matterkompatibel zu machen. Auch das mobile Betriebssystem Android soll voll matterkompatibel werden und bluetoothfähige Matter-Geräte künftig automatisch erkennen. Eine Übersicht matterkompatibler Geräte und solcher, die es per Update werden sollen, finden Sie hier.

 

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