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Steckbrief

Sophie Chung: Die Vermittlerin

© Qunomedical

03. Januar 2019

Wer kennt das nicht? Es zwickt in der Schulter, aber der nächste Termin beim Orthopäden ist erst in zwei Monaten zu haben. Ein Zahn­ersatz steht an, aber die Zuzahlung für die beste Krone sprengt das eigene Budget. Sophie Chung will das ändern. Ihre Online­plattform Qunomedical will Patienten dabei helfen, die besten und günstigsten Ärzte oder Kliniken zu finden. Ob im Ausland oder um die Ecke in der eigenen Stadt.

Name:
Dr. Sophie Chung

Alter:
35

Beruf:
CEO und Gründerin von Qunomedical, approbierte Ärztin, zuvor bei McKinsey als Strategie­beraterin und bei Zocdoc in New York als Director of Healthcare Strategy inter­national tätig.

Website:
www.qunomedical.com

Was ist „Qunomedical“?
Qunomedical ist eine digitale Plattform, die Patienten weltweit Zugang zu erschwinglichen Behandlungen und kurzen Warte­zeiten bei Spitzen­medizinern im In- und Ausland ermöglicht. Wir möchten Patienten helfen, den „richtigen Arzt“ zu finden: Er ist da, wenn ich ihn brauche, ich kann ihn mir leisten, und er weiß, was er tut. Durch unseren daten­getriebenen Ansatz können wir Patienten helfen, genau diesen Arzt zu finden.

Wie funktioniert das genau?
Im ersten Schritt können Patienten über unsere Website detaillierte Informationen zu Behandlungen, Kliniken und Ärzten einsehen. Sie können Hilfe anfordern oder eine konkrete Behandlungs­anfrage stellen. Haben wir alle Bedürfnisse und Wünsche verstanden und alle nötigen Daten vorliegen, suchen wir in unserer Daten­bank nach geprüften Ärzten und Kliniken, die den Anforderungen der Patienten entsprechen. Dann schlagen wir den Patienten ihre Behandlungs­optionen vor – inklusive Kostenvoranschlag – und klären eventuelle Fragen. Durch unsere Vorarbeit können Patienten nun eine informierte Entscheidung bezüglich ihrer Behandlung treffen. Kommt eine Option infrage, koordinieren wir Termine und Reise. Auch während und nach der Behandlung betreuen wir Patienten und sind bei Fragen oder Bedenken stets erreichbar. Unser Service ist dabei für Patienten kostenlos.

„Zunehmende Gesundheitskosten, Wartezeiten und eine immer spezialisiertere Medizin machen es Laien sehr schwer, den Durchblick zu behalten. Genau hier setzt meine Idee zu Qunomedical an.“

Dr. Sophie Chung, CEO und Gründerin von Qunomedical

Wie ist die Idee entstanden?
In direkten Kontakt mit der Komplexität des Themas Gesund­heits­versorgung kam ich erstmals, als ich durch eine NGO in Kambodscha Zugang zu medizinischer Versorgung schaffte. Damals dachte ich noch, das sei ein Dritte-Welt-Problem. Während meiner Arbeit als Ärztin in Australien und als Strategie­beraterin im Healthcare Practice bei McKinsey wurde ich schnell eines Besseren belehrt: Überall auf der Welt – sowohl in Deutsch­land als auch inter­national – stoßen Patienten oft an die Grenzen des jeweiligen Gesund­heits­systems. Zunehmende Gesundheits­kosten, Warte­zeiten und eine immer spezialisiertere Medizin machen es Laien sehr schwer, den Durch­blick zu behalten. Genau hier setzt meine Idee zu Qunomedical an. Wir sehen uns als Lotsen und neutralen Vertrauten im Internet, der auf der Seite der Patienten steht und – basierend auf einem eigens entwickelten Bewertungs­system, einem Algorithmus – sie bei der Arzt­suche im In- und Ausland unterstützt. Das hat es in dieser Form auf dem Markt bisher noch nicht gegeben.

Sich im Ausland nach Ärzten umzusehen hat in Deutschland unter dem Stich­wort „Medizin­tourismus“ ein negatives Image. Wie stehen Sie zu diesem Vorbehalt?
Ehrlich gesagt mag ich den Begriff „Medizin­tourismus“ genau deswegen nicht. Viele denken sofort an billige, schiefgegangene Schön­heits­operationen in Asien – und solche Fälle gibt es natürlich, denn das negative Image kommt nicht von ungefähr. Gleichzeitig impliziert der Begriff, dass man für eine Behandlung um die ganze Welt reisen muss. Darum geht es bei Qunomedical nicht. Wir stehen für eine sehr hohe Behandlungs­qualität zu einem erschwinglichen Preis, bei sehr schneller Verfügbarkeit. Denn ein Arzt kann durchaus schnell verfügbar sein, auch wenn er in einem anderen Land ist. Er muss aber nicht in einem anderen Land praktizieren – er kann genauso gut im Nachbar­haus oder in der eigenen Stadt sein. Aber genau darum geht es: die Frage zu klären, welche Optionen es überhaupt gibt.

Wie gehen Sie bei der Auswahl der Ärzte und Krankenhäuser vor? Also: Wie stellen Sie sicher, dass ich als Patient tatsächlich die besten Ärzte für mich finde?
Wir haben früh auf einen datengetriebenen Ansatz gesetzt. Unser firmen­eigenes Scoring-System Qunoscore gewähr­leistet die Auswahl an Kranken­häusern und medizinischen Spezialisten weltweit. Kriterien, die wir auswerten, sind beispiels­weise die Ausbildung und Erfahrung der Ärzte, Akkreditierungen und Zertifizierungen von Kliniken und Ärzten sowie Patienten­bewertungen. Hierbei ist uns übrigens egal, ob die Klinik im In- oder Ausland sitzt – wir prüfen anhand derselben Kriterien. Zudem kontrollieren wir die Qualität der Kliniken nicht nur einmal, sondern laufend. Somit können wir sicher­stellen, dass unsere Partner stets unseren hohen Qualitäts­standards entsprechen.

Wie soll es mit Qunomedical weitergehen?
Im kommenden Jahr haben wir uns als Ziel gesetzt, vor allem größer und effizienter zu werden. Wir möchten noch mehr Patienten helfen und die erste Anlaufstelle werden, wenn es ums Thema Gesundheit geht.

„Wir sehen uns als Lotsen und neutralen Vertrauten im Internet, der auf der Seite der Patienten steht.“

Dr. Sophie Chung, CEO und Gründerin von Qunomedical

Die größte Herausforderung ist, ...
… sich jeden Tag aufs Neue auf den Prüfstand zu stellen und sich selbst der größte Kritiker zu sein.

Welches digitale Produkt muss erst noch erfunden werden?
Nicht erfunden, aber gebaut werden muss sie noch: die Qunomedical-App.

Auf welche digitalen Produkte könnten Sie verzichten?
Digitale Bücher, ich mag das Gefühl und den Geruch von Papier lieber.

Hätten Sie gern einen Haushaltsroboter?
Männer gibt’s doch schon …;-)

Welche technische Anwendung wird Ihnen immer ein Rätsel bleiben?
Die Mikrowelle!

Wann waren Sie das letzte Mal 24 Stunden offline?
Als ich im Mai den Denali, den höchsten Berg in Nordamerika, bestiegen habe. Zwei Wochen bei minus 30 Grad in Schnee und Eis holen einen schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Urlaub ohne WLAN – Traum oder Albtraum?
Definitiv Albtraum! Vieles spielt sich auch in meinem privaten Leben mittlerweile im digitalen Space ab – darauf möchte ich auch im Urlaub nicht verzichten.

Im #explore-Format „Steckbrief“ kommen regelmäßig, spannende und inspirierende Menschen aus der digitalen Szene zu Wort – Forscher*innen, Blogger*innen, Startup-Gründer*innen, Unternehmer*innen, Hacker*innen, Visionäre*innen.

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