Energieeffizienz
Lesen Sie jetzt, wie Unternehmen Energieleistungskennzahlen und relevante Energieverbraucher (SEUs) ermitteln.

Ein Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 senkt Abgaben, spart Kosten und macht Unternehmen nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch wettbewerbsfähiger. Um von diesen Vorteilen zu profitieren, müssen Betriebe relevante Energieverbraucher (SEUs) ermitteln und Energieleistungskennzahlen (EnPIs) definieren – Aufgaben, die schnell zu Herausforderungen werden.
In diesem Beitrag erfahren Sie,
Energieleistungskennzahlen, kurz EnPIs (Energy Performance Indicators), sind zentrale Messgrößen im Energiemanagement. Sie ermöglichen es, Energieverbräuche, zum Beispiel von Maschinen, zu ermitteln, zu überwachen und zu vergleichen.
Dazu messen sie die energiebezogene Leistung, die sich aus drei Faktoren zusammensetzt:
Die DIN ISO 50001 verlangt, dass Unternehmen EnPIs definieren, regelmäßig überwachen und mit einer energetischen Ausgangsbasis vergleichen, um tatsächliche Verbesserungen der energiebezogenen Leistung nachweisen zu können. Ergänzend beschreibt die ISO 50006, wie Unternehmen Energieleistungskennzahlen (EnPIs) und energetische Ausgangsbasen (EnBs) korrekt bilden, dokumentieren und überwachen.
„Ein ganzes Werk zu betrachten, um herauszufinden, ob eine energiebezogene Leistung gut oder schlecht ist, ist kaum möglich“, betont Miriam Bunke, Beraterin für Managementsysteme. „Deshalb hebt die ISO 50001 seit ihrer Revision 2018 die wesentlichen Energieverbraucher, SEUs, hervor.“
Für Unternehmen bedeutet dies: Sie müssen ihre signifikanten Energieverbraucher identifizieren, für diese SEUs Messungen durchführen, Energieleistungskennzahlen definieren und eine Ausgangsbasis für ihre signifikanten Verbraucher festlegen, um Leistungen zu vergleichen.
In der Theorie lassen sich zentrale Energieverbraucher durch folgenden Prozess ermitteln:
Der erste Schritt besteht darin, eine vollständige Übersicht aller Energieverbräuche im Unternehmen zu erstellen: Strom, Gas, Wärme, Druckluft, Kälte, Fuhrpark usw.
Um herauszufinden, wo Energie wirklich verbraucht wird, werden die Gesamtverbräuche einzelnen Maschinen, Anlagen, Bereichen oder Produktionsschritten zugeordnet.
Das gelingt vor allem über:
Nun ermitteln Verantwortliche, welche Verbraucher den größten Anteil am Energieverbrauch haben.
Nicht nur der Verbrauch zählt. Auch folgende Kriterien machen einen Verbraucher „signifikant“:
Die Kombination aus Verbrauchsdaten und qualitativen Faktoren ergibt eine klare Rangfolge. Ein Verbraucher gilt als „wesentlich“, wenn er einen erheblichen Anteil am Energieverbrauch hat und/oder großes Optimierungspotenzial bietet oder strategisch relevant ist, wie zum Beispiel kritische Anlagen.
Haben Unternehmen ihre SEUs identifiziert, sollten sie diese dauerhaft überwachen – idealerweise mit automatisierten Messsystemen. Dadurch lassen sich EnPIs ableiten, Trends erkennen und Optimierungsmaßnahmen nachweisen.



Manchmal sind Energiekennzahlen, die den Energieverbrauch in Bezug zu einem anderen Wert setzen, aussagekräftig genug. Zum Beispiel eignet sich in der Produktion mit wenig Grundlast und ohne weitere Variablen mit Einfluss der Kennwert „kWh pro hergestelltem Stück“ oder bei einer Druckluftanlage „kWh pro Normkubikmeter“, wenn die Anlage unter gleichbleibenden Bedingungen arbeitet.
Anders sieht es aus, wenn sich die Einflussgrößen stark verändern – etwa bei starken Produktionsschwankungen, saisonalen Temperaturunterschieden oder variierender Auslastung. In solchen Fällen führen einfache relative Kennzahlen zu falschen Schlussfolgerungen, weil sich die äußeren Bedingungen ändern, nicht die Energieeffizienz.
Das heißt, so Miriam Bunke: „Unternehmen müssen ermitteln, in welcher Abhängigkeit die betreffenden Energieverbräuche stehen, und Sie normalisieren, also ins Verhältnis zu relevanten Variablen setzen.“
Für die Normalisierung bieten sich statistische Methoden wie die multiple Regressionsanalyse an. Für jeden neuen Zeitraum kann damit ein erwarteter Energieverbrauch berechnet werden, der alle relevanten Einflussgrößen berücksichtigt. Der normalisierte Verbrauch ergibt sich aus dem Vergleich von tatsächlichem und erwartetem Wert.
So geradlinig, wie es bei der Lektüre der ISO 50006 scheint, sind die Ermittlung der wesentlichen Energieverbraucher und die Berechnung von Energieleistungskennzahlen oft nicht, weiß Miriam Bunke.
Das fange damit an, dass oft keine oder nur sehr ungenaue Messungen vorliegen. „Strom ist einfach zu messen. Deutlich schwieriger wird es zum Beispiel bei einer Sekundärenergie wie Dampf. Hier gibt es zwar auch Messgeräte, aber teilweise haben diese eine Fehlertoleranz von plus/minus zehn Prozent.“
Eine Herausforderung bei der Berechnung von Energieleistungskennzahlen bestehe darin, dass sich meist nicht alle Variablen gleich messbar gestalten ließen, und das auch noch in der gleichen Frequenz. Um Heizgradtage, also den Unterschied zwischen einer festgelegten Raumtemperatur und der mittleren Außentemperatur an Tagen mit einer Durchschnittstemperatur unterhalb einer bestimmten Grenze, genau zu ermitteln, müssten Unternehmen die Temperatur direkt am Standort messen. „Das machen doch die wenigsten. In der Regel bedient man sich der allgemeinen Wetterdaten.“
Seit der letzten Revision der ISO 50001 im Jahr 2018 hat sich einiges getan. Das Grundprinzip der Nachweisführung, beobachtet Miriam Bunke, haben die meisten Verantwortlichen in deutschen Unternehmen verstanden, vor allem in Unternehmen mit hohen Energieverbräuchen.
Schwierig werde es, wenn Verantwortliche die gewonnenen Daten nicht nur zum Nachweis, sondern auch effektiv für die Steuerung nutzen wollen. „Wenn ich mit vielen Variablen und komplexen Systemen arbeite, dann brauche ich überall tagesaktuelle Zahlen und ein sehr gutes Anlagenverständnis.“
In der Realität gilt es deshalb, zwischen vielen Faktoren abzuwägen, um ein gutes System für sich zu finden. „Der Aufwand zur Erfassung oder zur Berechnung der Kennzahlen muss im Verhältnis zum Nutzen stehen. Viele meiner Kunden enden bei einfachen Systemen.“

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