Carbon Management
CO₂-Abscheidung allein reicht nicht aus. Die eigentliche Herausforderung beginnt oft danach: Wie lassen sich Transport, Nutzung (CCU) und Speicherung (CCS) von CO₂ technisch, wirtschaftlich und regulatorisch umsetzen?

02. July 2026
Carbon Management ist ein breites Feld. Es reicht von der Abscheidung bis zur Speicherung von unvermeidbarem Kohlendioxid. Ein wichtiger Teilaspekt ist die Frage, wie CO2 effizient transportiert, genutzt oder gespeichert werden kann. Niklas Skotorzick, Carbon Management-Experte im HydroHub der TÜV NORD GROUP, erläutert im Interview, warum dies für die praktische Umsetzung eine zentrale Rolle spielt.
TÜV NORD: Herr Skotorzick, warum gewinnt Carbon Management derzeit so stark an Bedeutung?
Niklas Skotorzick: Carbon Management gewinnt derzeit so stark an Bedeutung, weil viele Industrien in Deutschland trotz Effizienzsteigerungen und Elektrifizierung weiterhin große Mengen an CO₂‑Emissionen verursachen, die als unvermeidbar gelten, insbesondere in Sektoren wie Zement, Stahl oder Chemie. Gleichzeitig steigt der regulatorische Druck zum Beispiel durch Klimaziele und CO₂‑Preise. Dadurch rücken Technologien und Maßnahmen in den Fokus, die es ermöglichen, das CO2 weiter zu nutzen (Carbon Capture und Utilization, CCU) oder zu speichern (Carbon Capture and Storage, CCS). Dies kann helfen, Restemissionen systematisch zu adressieren und dadurch Kohlenstoffkreisläufe zu schließen – oder aber das CO2 ganz aus dem Kreislauf herauszuführen, indem es im Untergrund gespeichert wird.
TÜV NORD: Welche Rolle spielt denn die Infrastruktur bei Projekten, um CO2 weiterzunutzen oder zu speichern?
Niklas Skotorzick: Eine zentrale. Die Abscheidung ist oft nur der erste Schritt; entscheidend ist, wie CO2 sicher und wirtschaftlich zu einem Nutzungs- oder Speicherort gelangt. Transportleitungen, Umschlagpunkte, Speicherstandorte und die Nähe zu industriellen Clustern beeinflussen die Kosten erheblich. Die Standortwahl hat großen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit. Kürzere Transportwege und gemeinsam genutzte Infrastruktur können Projekte deutlich effizienter machen. Wo mehrere Unternehmen Infrastruktur gemeinsam nutzen, lassen sich Investitionen besser verteilen und Ausbaustufen leichter realisieren.

Niklas Skotorzick ist Ingenieur für Sektorkopplung bei TÜV NORD EnSys und Carbon Management-Experte im HydroHub der TÜV NORD GROUP. Seine Schwerpunkte liegen auf der Beratung zur technischen Umsetzung von CO₂‑Lösungen (z. B. Transport oder CCU/CCS) und dem Erstellen von Machbarkeitsstudien.
TÜV NORD: Funktioniert das auch mit grenzüberschreitenden Transportnetzen in Europa?
Niklas Skotorzick: Der grenzüberschreitende CO2-Transport ist vor allem deshalb anspruchsvoll, weil technische und regulatorische Systeme zusammenpassen müssen. Es braucht einheitliche Standards, etwa bei CO2-Reinheit, Druckniveaus und Sicherheitsanforderungen. Gleichzeitig unterscheiden sich Genehmigungen, Haftungsfragen und Zuständigkeiten zwischen den Ländern. Wenn CO2 grenzüberschreitend transportiert werden soll, müssen die Regeln besser aufeinander abgestimmt werden – hier muss die Politik aktiv werden! Nur dann lässt sich Carbon Management im industriellen Maßstab verlässlich planen.
TÜV NORD: Welche Chancen bietet die Nutzung von CO2 innerhalb bestehender Carbon-Management-Strukturen?
Niklas Skotorzick: CCU eröffnet die Möglichkeit, abgeschiedenes CO2 als Rohstoff weiter zu nutzen, etwa in der Chemieindustrie oder für synthetische Kraftstoffe. Dadurch können neue, resiliente Wertschöpfungsketten entstehen, und Kohlenstoffkreisläufe lassen sich stärker schließen. Allerdings ist nicht jede Nutzung automatisch klimawirksam. Entscheidend ist, wie lange der Kohlenstoff gebunden bleibt und wie hoch der Energieeinsatz ist. Deshalb muss jede Anwendung im Gesamtsystem bewertet werden.
TÜV NORD: Was bedeutet das für Unternehmen, die sich jetzt mit Carbon Management beschäftigen?
Niklas Skotorzick: Unternehmen sollten früh klären, welche Transportwege, Nutzungs- oder Speicheroptionen regional verfügbar sind oder in Zukunft sein werden und welche regulatorischen Anforderungen gelten. Erst wenn Infrastruktur, Genehmigungen und Geschäftsmodelle zusammenpassen, lassen sich CCS- oder CCU-Projekte tragfähig planen.
Die Standortwahl hat großen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit von CO2-Projekten. Kürzere Transportwege und gemeinsam genutzte Infrastruktur können Projekte deutlich effizienter machen.
Niklas Skotorzick
Ingenieur für Sektorkopplung bei TÜV NORD EnSys und Carbon Management-Experte im HydroHub der TÜV NORD GROUP
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