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Aerospace

Alter Technology: Mit Big Data sicher ins All

© ESA

31. Mai 2018

Surfen, Streamen, Chatten, Mailen: Ein Leben ohne WLAN oder mobiles Internet können wir uns kaum noch vorstellen. Um den weltweiten Breitbandhunger zu stillen, schicken auch jüngere Unternehmen immer häufiger Satelliten ins All. Doch anders als NASA oder ESA verfügen sie nicht über eine jahrzehntelange Erfahrung. Alter Technology hat deshalb die Big-Data-gestützte Suchmaschine Gateway für Satellitenbauteile entwickelt. Mit ihr können junge Weltraumagenturen beim Bau der künstlichen Erdtrabanten künftig auf das gesammelte Wissen ihrer Vorgänger zurückgreifen.

Die Begeisterung im entfernten Sevilla ist José Carlos Muñoz auch am Telefon anzumerken. „2015 hatte unser Team für Markt- und Innovationsanalyse die Idee, Big Data für die Raumfahrtindustrie nutzbar zu machen. Das war der Beginn von Gateway.“ Der 36-jährige Elektroingenieur leitet bei Alter Technology (ATN) ein siebenköpfiges Team. Seine Mission: Mit Gateway soll das gesamte Wissen über die in der Raumfahrtindustrie eingesetzten Komponenten und Systeme abrufbar werden, um technologische Innovationen in der Raumfahrt effizient voranzutreiben.

163 Zettabyte Speicherplatz wird der weltweite Datenbestand 2025 benötigen.

Anlass für dieses Vorhaben ist eine beeindruckende Zahl: 163 Zettabyte Speicherplatz wird der weltweite Datenbestand 2025 benötigen. So lautet die gemeinsame Prognose des Festplattenherstellers Seagull und des IT-Analysten IDC. Eine Datenmenge, die etwa der Kapazität von 40 Trillionen DVDs entspricht. Gegenüber 2016 bedeutet dies eine Verzehnfachung. Dementsprechend müssen auch die Kapazitäten zur Datenübertragung ausgebaut werden, insbesondere für den Industriebereich.

Kein Wunder also, dass die Weltraumbranche boomt. Satelliten können den steigenden Bedarf an Breitbandverbindungen auf der ganzen Welt abdecken. Bei Intelsat, seit 1965 kommerzieller Anbieter für Satellitendienste, sieht man den Einsatz neuer leistungsstarker Satelliten bereits als „game changer“ für den gesamten Telekommunikationsbereich. Vor allem könnte dadurch der Teil der Weltbevölkerung Zugang zum Internet erhalten, der bislang noch keinen hat. Private Konsortien erobern mittlerweile den Markt und starten ambitionierte Weltraumprojekte. Laut der Unternehmensberatung EuroConsult wird der globale Markt mit kleinen Satelliten in den kommenden zehn Jahren auf 30,1 Milliarden US-Dollar anwachsen – im Vergleich zu 8,9 Milliarden Dollar in der vergangenen Dekade.

„An der Konstruktion eines Satelliten können etwa 60 bis 70 Zulieferer beteiligt sein“, erläutert José Carlos Muñoz. Während zu Zeiten von Sputnik & Co. die künstlichen Erdtrabanten noch handgefertigte Unikate waren und ihr technisches Innenleben ein wohlbehütetes Staatsgeheimnis darstellte, geht es heute um eine standardisierte Produktion größerer Serien. Die Anwendung technischer Komponenten und Systeme im Weltraum muss ganz eigenen Anforderungen entsprechen. Muñoz zieht einen Vergleich: „In jedem modernen Smartphone ist die Technik wesentlich komplexer. Im Orbit hingegen zählen Robustheit und Langlebigkeit.“ Denn nach wie vor gilt: Kein Bauteil lässt sich mehr austauschen, wenn der Satellit die Erde verlassen hat. Ein Ausfall oder Verlust zöge einen enormen wirtschaftlichen Schaden nach sich.

„In jedem modernen Smartphone ist die Technik wesentlich komplexer als in einem Satelliten. Im Orbit zählen Robustheit und Langlebigkeit.“

José Carlos Muñoz, Elektroingenieur bei Alter Technology (ATN)

ATN blickt auf eine jahrzehntelange Erfahrung im Testen und Zertifizieren von Satellitenbauteilen zurück, bietet aber auch eigene technische Lösungen an, etwa zur Verkapselung von Komponenten für ihren Einsatz im Weltall. Dadurch verfügt ATN über einen gewaltigen Pool an technischen Daten zu Komponenten in der Raumfahrt. Von ihrem Forschergeist motiviert, haben sich die Pioniere dann an ein Informationssystem gemacht, das einen Zugriff von außerhalb ermöglicht. „Vereinfacht gesagt funktioniert Gateway wie eine Suchmaschine, die auf Komponenten der Weltraumtechnologie spezialisiert ist“, erklärt Muñoz. Gateway nutzt dabei auch externe Quellen, unter anderem die NASA, die europäische ESA oder die japanische JAXA. Im Jahr 2017 ging ATN mit einer voll funktionstüchtigen Betaversion an den Start.

Aerospace-Experten aus aller Welt können nun Informationen aus hochqualifizierten Quellen abrufen und dadurch unter anderem prognostizieren, welche Prozessoren und Bauteile besonders gut zusammenarbeiten. 2018 soll die Testphase der Betaversion von Gateway abgeschlossen werden. Muñoz zeigt sich sehr zufrieden. „Wir hatten eine außerordentlich gute Reaktion in der Branche. Niemand kannte vorher ein vergleichbares System“, erzählt er nicht ohne Stolz. Da es sich um ein sehr spezielles technologisches Gebiet handelt, ist der Nutzerkreis entsprechend handverlesen. Auf die Betaversion haben bisher etwa 30 bis 50 Besucher regelmäßig zugegriffen, später sollen es etwa 150 Spezialisten aus der Raumfahrtbranche werden. Einen großen Erfolg konnte ATN jetzt schon feiern: Die europäische Weltraumorganisation ESA wird Gateway zur Auswahl von Komponenten für ihre künftigen Programme einsetzen.

José Carlos Muñoz und seine Weltraumpioniere denken aber schon einen Schritt weiter: „Das System, das wir entwickelt haben, lässt sich sicher auch auf andere Hightechbranchen wie die Medizintechnik oder den Automotive-Bereich übertragen.“ Angesichts der enormen Datenmenge von 163 Zettabyte, die bis 2025 weltweit gespeichert sein wird, werden verlässliche Informationssysteme wie Gateway immer wichtiger.

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