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IdeenExpo

Auf Tuchfühlung mit Technik

© Oliver Hardt

08. Juli 2019

„Mach doch einfach!“ Unter diesem Motto will die IdeenExpo in Hannover Kinder und Jugendliche für Berufe in Naturwissenschaft und Technik begeistern. In diesem Jahr ging die Mitmach-Messe in die siebte Runde: Fast 400.000 größtenteils schulpflichtige Besucher füllten die Ideenhallen, testeten 670 Mitmach-Exponate oder versuchten sich in den 730 Workshops der 270 ausstellenden Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen. #explore hat sich auf „Europas größtem Jugend-Event für Naturwissenschaft und Technik“ umgeschaut.

Schnaufend, lachend und mit Ehrgeiz in den Augen drücken Mutter, Vater, Sohn und Tochter auf den Gummi-Torso ihrer Reanimationspuppen. Wie gut sich jeder von ihnen bei der Ersten Hilfe anstellt, zeigt ein digitaler Rettungswagen, der auf einem Bildschirm eine Ziellinie ansteuert. „Man soll nicht möglichst schnell, sondern im richtigen Rhythmus und auf dem richtigen Punkt auf den Brustkorb drücken“, sagt ein Rettungssanitäter der Johanniter und hockt sich neben das Grüppchen. Dann erklärt er ihnen, worauf es bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung ankommt und warum sie so wichtig ist, bis Profis wie er am Unfallort eintreffen.

Kinder und Jugendliche spielerisch an Berufe aus Technik und Naturwissenschaften heranzuführen, das ist das erklärte Ziel der IdeenExpo, die in diesem Jahr zum siebten Mal ihre Tore in der Messe Hannover öffnet. Und das tut offenbar not: Einer aktuellen Studie zufolge fehlten im April diesen Jahres 311.300 Fach­kräfte im sogenannten MINT-Bereich – ein neuer Negativ­rekord, dem die rund 270 aus­stellenden Unter­nehmen, Hoch­schulen und Institutionen auf der IdeenExpo entgegen­wirken wollen. 670 Mitmach-Exponate und über 730 Workshops in neun Themen­feldern – von „DigitaleWelten“ über die „MobilitätsArena“ oder „Mädchen und MINT“ bis zur „KlimaZone“ – laden zum Tüfteln, Bohren und Experimentieren ein. Zum 50. Jubiläum der Mond­landung haben die Veranstalter außerdem das Mond­mobil der Apollo-Mission aufgebaut.

Ein Angebot, das offenbar ankommt: Mitarbeitende der Mitmach-Messe stehen mit Hand­zähl­geräten an den Haupt­eingängen und kommen aus dem Klicken gar nicht mehr heraus. Vor allem Familien erkunden am heutigen Samstag die vier „IdeenHallen“ und das Frei­gelände. Hier auf der großen Show­bühne startet Wissen­schafts­journalist Ranga Yogeshwar gerade gemeinsam mit dem Publikum den Count­down für den Abflug eines Wetter­ballons. In Halle 9 lernt die 12-jährige Vitória derweil, wie aus dem Latex­saft des Kautschuk­baums Gummi gemacht wird. Im weißen Schutz­kittel sitzt sie neben ihrem Vater Richard im Labor des Deutschen Instituts für Kautschuk­technologie und rührt konzentriert mit einem Glas­stab in einem Becher­glas, in dem der noch weiche Natur­kautschuk schwimmt. Vorhin haben Vater und Tochter an einem Quiz teil­genommen, danach gab es einen Slushi zur Erfrischung. „Aber Gummi zu machen hat mir heute am meisten Spaß gemacht“, sagt Vitória mit leuchtenden Augen.

Probefahrt im autonomen Auto

Am anderen Ende des Produktionskosmos treibt der RoboCoaster Puls und Adrenalin­spiegel von zwei Jugendlichen in die Höhe. In der Auto­mobil­industrie gehört der Gelenk­arm­roboter des Herstellers KUKA zum Arbeitsalltag. Der entscheidende Unter­schied: Statt eines Greifers ist am Ende seines Arms eine Fahr­gast­gondel montiert. So können Menschen am eigenen Leib erfahren, wie schnell und flexibel sich der sechs­achsige Fünftonner in unter­schiedlichste Richtungen bewegen kann.

Gegenüber am Stand von Auto­mobil­zu­lieferer ZF bekommt ein Junge gerade einen Vor­geschmack aufs autonome Fahren. Er sitzt in einer Art motorisiertem Kettcar und hält ein Tablet in der Hand. Dreht er es nach links, geht auch das Fahrzeug in die Kurve – das soll die Steuer­impulse eines automatisierten Fahr­zeuges simulieren, an denen ZF bereits seit geraumer Zeit forscht. Wie es ist, in der vernetzten Fabrik der Industrie 4.0 zu arbeiten, wird an der Station neben der Fahr­arena vorgeführt. In einer kleider­schrank­großen Produktions­straße kann man eine Lego-Figur zusammen­bauen. Nimmt man die Bausteine für den nächsten Schritt aus der falschen Kiste, geht eine rote Warn­lampe an. Ein paar Meter weiter schrammt ein Zwölf­jähriger gerade so an der Kollision mit der Mauer vorbei, reißt im letzten Moment das Lenkrad herum und steuert zurück auf die digitale Renn­strecke, die er durch seine Virtual-Reality-Brille fokussiert.

Hautnah an den Folgen des Klimawandels

Überhaupt wird Virtual Reality (VR) auf der IdeenExpo groß­geschrieben. Am Stand der Leibniz Universität Hannover brettert gerade ein Mädchen über eine Achter­bahn im Cyber­space. Auf dem Sitz daneben kann man sogar seinen eigenen RollerCoaster konstruieren und anschließend austesten. Spielerisch wird so vermittelt, was man als Bau­ingenieur zu beachten hat: „Ist die Strecke rot markiert, würde die Fliehkraft den Wagen hinaus­schleudern – und das gilt es natürlich zu vermeiden“, erklärt der Studierende Oliver Bergefeld. Nach dem Test bekommt man auch noch angezeigt, wie oft die eigene Achter­bahn „Zero G“, also Schwere­losig­keit, erreicht hat. „Und das ist es ja, was bei der Achter­bahn besonders viel Spaß macht“, kommentiert der angehende Bauingenieur.

Vor der Klimakuppel stehen derweil kleine und große Menschen Schlange, um ihren Horizont zu erweitern. Von außen erinnert das Aus­stellungs­stück des Bundes­ministeriums für wirtschaftliche Zusammen­arbeit und Entwicklung an einen begeh­baren Globus zum Aufblasen. Im Inneren machen sich Menschen in einer Virtual-Reality-Kurz-Doku ein unmittel­bares Bild davon, wie der Klima­wandel das Leben der Menschen in Madagaskar verändert. Wärme­lampen sorgen dafür, dass man die brütende Hitze auf der Insel vor dem südlichen Afrika unmittelbar zu spüren bekommt.

Alexander Nikonov, der die Klimakuppel betreut, ist seiner­seits ziemlich angetan von der Mitmach-Messe und hat seiner­seits schon einiges ausprobiert. „Man wird hier selbst wieder zum Kind“, sagt Nikonov und lacht. Beim NDR hat er sich angeschaut, wie eine Fernseh­sendung entsteht, und in „DigitalenWelten“, wie ein Computer­spiel programmiert wird. „Man weiß oft gar nicht, was es so an Berufen gibt. Hier sehen Kinder und Jugendliche die ganze Palette. Und das auch noch kosten­los.“

Mit Sensoren Pflegekräfte unterstützen

Einige Schülerinnen und Schüler haben selber innovative Projekte mit­gebracht, die sie im Rahmen des Wettbewerbs „Ideenfang“ präsentieren. Das Team der Freiherr-vom-Stein-Oberschule aus Nordhorn an der nieder­ländischen Grenze etwa hat einen „Medical-Wet-Scanner“ entwickelt: eine mit Sensoren bestückte Windel für den Einsatz im Krankenhaus. „Pflege­kräfte können so direkt über eine App sehen, wo sie die Windeln wechseln oder das Laken austauschen müssen“, erklärt Schülerin Sina die Idee. Eine Hilfe sowohl für Pflegekräfte als auch für die Patienten, die weniger lange im Nassen liegen müssten. Ein halbes Jahr hat Sina mit ihren rund 30 Mitschülerinnen und Mitschülern aus der Technik­klasse an Entwicklung, Umsetzung und Programmierung der App gearbeitet. „Die sollte nicht zu spartanisch aussehen, aber auch nicht zu kompliziert – und für uns dabei gut machbar sein“, beschreibt sie die Heraus­forderung. Im vergangenen Jahr haben die Tüftler der Technik­klasse bei einem Ideen­wett­bewerb von Airbus den „Sonder­preis für Originalität“ gewonnen – für ein VR-Video, das Menschen ihre Flugangst nehmen soll. Bei der IdeenExpo ist die Schule nun das dritte Mal mit einem Projekt dabei, erzählt Lehrer Ralf Snieders.

Eva Schütze hingegen ist zum ersten Mal hier und sichtlich begeistert: Mit ihren Kindern nimmt sie gerade die NAO Roboter am Stand der Roboterfabrik in Augen­schein. „Ich finde es genial, dass Dinge wie Robotik oder Informatik den Kindern hier so unkompliziert und ohne Hürden vorgestellt werden. Hätte es das zu meiner Zeit schon gegeben, wäre ich selbst Feuer und Flamme gewesen“, schwärmt Schütze. Auch Tochter Sarah-Sophie und deren Freundin Lotta sind sichtlich angetan. Besonders gefallen hat den beiden Zwölf­jährigen der Heiß­luft­ballon. „Und wir durften programmieren – das war echt toll!“, wirft Sarah-Sophie ein. Ihr Bruder wird demnächst 16. Für den, findet Mutter Eva, werde die IdeenExpo dann auch bald interessant, um vor der Ausbildung oder dem Berufseinstieg mit Unternehmen ins Gespräch zu kommen,. „Kontakte zu knüpfen ist ja hier ein Leichtes. Wir kommen beim nächsten Mal auf jeden Fall wieder.“

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