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Hoch hinaus!

Aufzugprüfung in der Elbphilharmonie

© iStockphoto

13. Januar 2017

In Hamburg wurde mit der Eröffnungsfeier am 11. und 12. Januar ein neues Wahrzeichen der Stadt eingeweiht: Die Elbphilharmonie. Der markante Bau am Hafen ist vor allem Konzerthaus, dazu kommen ein Fünf-Sterne-Hotel, Gastronomie-Betriebe und gehobene Wohneinheiten. Dies alles verbinden zahlreiche Aufzüge – und alle wurden von Kay thom Suden von TÜV NORD geprüft. Im #explore-Interview erklärt er den Prüfprozess und erzählt, was ihn architektonisch besonders begeistert.

Diese Woche wurde die Elbphilharmonie offiziell eröffnet. Seit wann haben Sie das Projekt begleitet?

Die ersten Anfragen kamen 2007. Damals erarbeiteten die Architekten verschiedene Möglichkeiten, die Aufzugsanlagen zu gestalten. Wir haben diese Lösungsvorschläge bewertet, ob das so umsetzbar ist. Meistens mussten wir aber sagen: Nein. (lacht)

Ab Mitte 2009 war ich dann regelmäßig für Prüfungen vor Ort, zuerst für provisorische Baustellenaufzüge, dann für die vielen anderen Anlagen. Manchmal war ich ein Vierteljahr nicht auf der Baustelle und dann wieder drei Wochen am Stück, je nach Baufortschritt.

Gibt es denn dort so viele Aufzüge?

31 insgesamt. Dazu zählen neben klassischen Personenaufzügen zum Beispiel Feuerwehraufzüge, die in bestimmten Situationen geeignet sind, um die Feuerwehr schnell in hohe Stockwerke zu bringen. Dazu kommen große Lastenaufzüge und kleine ‚Suppenbagger‘ – Güteraufzüge für die Küchen.

War das für Sie ein Auftrag wie jeder andere?

Nein, das war wirklich hochinteressant und ich bin froh, dass ich mitarbeiten durfte. Zehn Jahre lang ein Projekt zu begleiten, ist einmalig. Ich habe mich von Anfang an für die Elbphilharmonie begeistert und konnte während der Bauzeit hautnah miterleben, mit welchen Techniken dort ein gleichzeitig leichtes und stabiles Bauwerk geschaffen wurde. Und auch fachlich war es sehr spannend, denn es gibt dort unterschiedliche Anlagen mit sehr hohen Geschwindigkeiten bis 3,5 m/s, hoher Förderhöhe bis 90 Meter, und hoher Tragkraft bis 4 Tonnen. Außerdem mussten die Aufzüge immer wieder an den Stand der Technik angepasst werden.

„Es gibt dort unterschiedliche Anlagen mit sehr hohen Geschwindigkeiten bis 3,5 m/s, hoher Förderhöhe bis 90 Meter, und hoher Tragkraft bis 4 Tonnen.“

Kay thom Suden, TÜV NORD

Warum das?

Zu Beginn der Bauzeit wurden Aufzüge noch nach nationalem Recht in Betrieb genommen, dann mussten europäische Normen und Anhänge berücksichtigt werden, und auch die Betriebssicherheitsverordnung wurde zweimal novelliert. Das hieß für den Hersteller: Alles nachrüsten, denn der Kunde verlangt den neuesten Stand der Technik. Und damit: Neue Prüfung.

Und, waren Sie schon da, seit die Elphi Ende letzten Jahres für das Publikum geöffnet wurde?

Bisher noch nicht – ich lasse erst mal denen den Vortritt, die noch nicht da waren. Karten für ein Konzert habe ich aber schon und freue mich, als ‚normaler‘ Gast die Elbphi zu besuchen.

ZUR PERSON

Kay thom Suden ist als Fachreferent für Fördertechnik bei TÜV NORD Experte für Aufzüge und Krananlagen. Nach seinem Maschinenbaustudium in Hamburg war er Projektingenieur im Anlagenbau und Konstrukteur für Schiffskrane. Danach sattelte er eine dreijährige Ausbildung als Sachverständiger für Aufzüge bei der Freien und Hansestadt Hamburg auf, so dass er nun bereits seit 20 Jahren Aufzüge prüft. Seit 2002 ist er bei TÜV NORD. Zu seinem Aufgabengebiet gehören unter anderem Prüfungen zur Inbetriebnahme, so dass er zahlreiche Bauprojekte bis zur Fertigstellung begleitet hat - wenn auch wenige so lang wie die Elbphilharmonie.