Arbeitssicherheit & -schutz
Lesen Sie, wie Sie als Arbeitgeber:in oder Führungskraft psychische Fehlbelastungen verhindern, rechtzeitig erkennen und gegensteuern.

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Der Stress-Report der Techniker Krankenkasse zeigt: Fast die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland fühlt sich durch den Beruf abgearbeitet oder verbraucht. Das Stressempfinden vieler Mitarbeitender nimmt durch psychische Belastung wie ein hohes Arbeitsvolumen, Schichtarbeit, Termindruck und Unterbrechungen zu. Solche Stressfaktoren bzw. Stressquellen können langfristig das Risiko für psychische Störungen erhöhen.
Psychische Erkrankungen stellen nicht nur für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine hohe Belastung dar, sie wirken sich auch auf die Wirtschaft aus. Rund 17 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage gingen 2024 auf psychische Erkrankungen zurück. Die durchschnittliche Krankschreibung bei psychischen Erkrankungen betrug 2024 rund 33 Tage.

„Keine Kleinigkeit“, kommentiert MEDITÜV-Psychologin Tiana-Christin Schuck, „man spricht nur nicht so viel darüber“. Dabei ist darüber sprechen ein wichtiger erster Schritt, um das Problem in den Griff zu bekommen. Und auch sonst können Arbeitgeber:innen sowie Führungskräfte einiges tun, um die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern.
Die moderne Arbeitswelt spielt in vielen Fällen eine Schlüsselrolle in der Entstehung von Abhängigkeiten (,,Sucht"), Burn-out, Angsterkrankungen und Depressionen. Die hohe Arbeitsbelastung, unklare Rollenverteilung, belastende Arbeitszeitmodelle - wie etwa Schichtarbeit - und zunehmende Veränderung erzeugen bei vielen Arbeitnehmer:innen chronischen Stress. Verstärkt wird dieser durch äußere Ereignisse wie den Krieg in der Ukraine. So entsteht Unsicherheit, ein Nährboden für psychische Krankheiten.
Gut zu wissen: Ob psychische Erkrankungen in der jüngsten Vergangenheit so stark angestiegen sind, wie es Zahlen nahelegen, ist umstritten. Tiana-Christin Schuck tendiert eher dazu, dass in erster Linie ein veränderter Umgang mit dem Thema für den zahlenmäßig sichtbaren Anstieg verantwortlich ist. So würden Ärztinnen und Ärzte bei chronischer Müdigkeit, Schlafstörungen oder Schmerzen heute öfter als früher psychische Ursachen in Erwägung ziehen. In diesem Zusammenhang spielt auch das Phänomen der Somatisierung eine Rolle – also die körperliche Ausdrucksform psychischer Fehlbelastungen.
Sich um die psychische Gesundheit von Arbeitnehmenden zu kümmern, ist keine Sache des freiwilligen Engagements. Sowohl Arbeitgeber:innen als auch Führungskräfte sind dazu gesetzlich verpflichtet – maßgebliche Vorgaben und Empfehlungen ergeben sich dabei unter anderem aus den Regelwerken der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung).
Seit 2015 ist im § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) die Pflicht verankert, eine Gefährdungsbeurteilung für psychische Belastung durchzuführen.
Arbeitgeber:innen müssen psychische Gefährdungen am Arbeitsplatz ermitteln und Gegenmaßnahmen einleiten. Dabei spielen Faktoren wie die Arbeitszeit und -intensität, aber auch soziale Beziehungen und Umgebungsfaktoren wie Lärm und Klima wichtige Rollen. Orientierung bieten hierbei unter anderem die Empfehlungen und Handlungshilfen der DGUV zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung.
Bei der Erstellung gehen Sie als verantwortliche Person in mehreren Schritten vor:
Wichtig: „Eine Gefährdungsbeurteilung erstellen und eine gute Gefährdungsbeurteilung erstellen sind zwei Paar Schuhe“, mahnt Tiana-Christin Schuck. So sei zum Beispiel eine hochwertige Prüfung mit geeigneten Analyse-Instrumenten notwendig
Gleichzeitig zeigt sich, dass psychische Belastung zunehmend auch in übergeordneten Arbeitsschutz- und Managementsystemen verankert werden. Im Rahmen der ISO 45001 für Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagementsysteme rücken psychosoziale Risiken immer stärker in den Fokus systematischer Gefährdungsbeurteilungen. Mit der Veröffentlichung der ISO 45003 wurde dieser Anspruch weiter konkretisiert: Der internationale Leitfaden macht deutlich, dass psychische Belastungen integraler Bestandteil moderner Arbeitsschutzstrukturen sind und im Rahmen bestehender Gefährdungsbeurteilungen verbindlich mitzudenken sind. Ziel ist es, die Fehlzeiten zu reduzieren und die Resilienz der Mitarbeitenden zu erhöhen.
Was viele nicht wissen: Führungskräfte haben eine Fürsorgepflicht gegenüber Arbeitnehmer:innen, die das Thema psychisches Wohlbefinden einschließt. Das bedeutet, dass sich Führungskräfte bemühen müssen, potenzielle Schadensquellen für die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden zu erkennen und gegenzusteuern. Dazu gehört auch, Beschäftigte bei Bedarf auf interne oder externe Unterstützungsangebote hinzuweisen – etwa betriebliche Beratungsstellen, psychologische Unterstützungsangebote oder externe Fachstellen.
Keine leichte Aufgabe, aber eine, deren Bewältigung sich lernen lässt.
Um psychische Gefährdungen am Arbeitsplatz zu ermitteln und richtig darauf zu reagieren, können sich Verantwortliche an internationalen Normen sowie nationalen Vorschriften der gesetzlichen Unfallversicherung orientieren:
Die Vorschriften der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) konkretisieren die gesetzlichen Arbeitsschutzpflichten in Deutschland. Besonders die DGUV Vorschrift 1 nimmt Führungskräfte in die Pflicht, Gefährdungen zu beurteilen und präventive Maßnahmen zu ergreifen. Damit ergänzen die DGUV-Vorgaben die internationalen Normen um rechtlich verbindliche Handlungsanforderungen für den betrieblichen Alltag.

„Beide Seiten der Medaille sind gleichzeitig wahr.“
Leben wir in einer Zeit der Chancen – oder in einer Dauerkrise?
In dieser besonderen Diskussionsrunde von „Wissen kompakt“, dem Podcast der TÜV NORD Akademie, treffen Giulia Meyer und Tobias Zimmermann - zu Gast in den letzten beiden Folgen, aufeinander.
Gemeinsam diskutieren sie: Sind die Schlagzeilen über Arbeitsmoral, Quiet Cracking und KI-Verdrängung übertrieben – oder unterschätzen wir die psychische Belastung vieler Beschäftigter?
Tiana-Christin Schuck empfiehlt Führungskräften, folgende Maßnahmen gegen psychische Belastung am Arbeitsplatz zu ergreifen:
Wichtig: Führungskräfte haben auch eine Fürsorgepflicht anderen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gegenüber. Deshalb sollten sie nicht nur fördern (also Unterstützung anbieten und entlasten), sondern durchaus auch fordern (z.B. appellieren, sich selbst Unterstützung zu suchen).
Tiana-Christin Schuck ist überzeugt: „Teams, die offen und verlässlich miteinander umgehen, sind die Teams, die sich schneller auf neue Situationen einstellen können.“ Ein solcher Umgang lasse sich lernen und er zahle sich auf vielen Ebenen aus, nicht zuletzt durch eine höhere Produktivität. Ein strukturiertes Stressmanagement auf Team- und Organisationsebene stärkt zusätzlich die Resilienz gegenüber dauerhafter Belastung.
Darum sei es entscheidend für Führungskräfte, im Umgang mit Mitarbeiter:innen die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz mitzudenken. „Wir haben nur eine Gesundheit. Körper, Psyche und Soziales lassen sich nicht voneinander trennen, sie wirken als Einheit zusammen.“
Viele Aspekte rund um die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz werfen in der Praxis konkrete Fragen auf. Die wichtigsten Antworten haben wir im folgenden FAQ-Bereich für Sie zusammengestellt.
Psychische Belastung am Arbeitsplatz ist die Gesamtheit aller Einflüsse aus Arbeitsaufgaben, Arbeitsorganisation oder Arbeitsumfeld, die auf Mitarbeitende einwirken. Im Zusammenspiel mit den Voraussetzungen im Menschen (wie etwa Bewältigungsstrategien) können sie sich positiv in Form von Arbeitszufriedenheit oder Motivation oder negativ wie etwa Erschöpfung bis hin zu Erkrankung auswirken.
Typische Beispiele sind hoher Zeitdruck, Arbeitsverdichtung, Schichtarbeit, unklare Rollenverteilungen, fehlende Pausen, ständige Arbeitsunterbrechungen, Konflikte im Team oder mangelnde Wertschätzung. Auch dauerhafte Erreichbarkeit oder unsichere Arbeitsverhältnisse können Mitarbeitende psychisch belasten.
Fragebögen dienen dazu, psychische Belastung systematisch zu erfassen und auszuwerten. Sie helfen Arbeitgeber:innen, Stressfaktoren und mögliche Risiken für Mitarbeitende frühzeitig zu erkennen. Auf dieser Grundlage können gezielte Maßnahmen zur Prävention und Verbesserung der Arbeitsbedingungen entwickelt werden.
Typische Symptome sind anhaltende Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Gereiztheit, Schlafstörungen oder häufige Fehler. Auch körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen können auftreten. Zeigen Mitarbeitende über längere Zeit solche Anzeichen, kann dies auf eine psychische Überlastung hindeuten.

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