Digitalisierung & Innovation
Unternehmen sichern ihre Zukunftsfähigkeit, wenn sie die Digitalisierung auch mit älteren Mitarbeitenden aktiv gestalten und fördern. Hier erfahren Sie, wie die Motivation älterer Mitarbeitenden gelingt und welche wertvollen Vorteile ältere Mitarbeitende für moderne Betriebe bieten.

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Das Onlinezugangsgesetz (OZG) verfolgte das Ziel, Behördengänge digital zu ermöglichen und Kapazitäten sinnvoll zu nutzen. Eine aktuelle Studie aus 2025 verdeutlicht, dass die Verwaltung nach mehreren Jahren den Wandel nur in Teilen realisiert hat. Rund 60 Prozent der befragten Beschäftigten und Bürger:innen fordern einen schnelleren Fortschritt. Ergänzende Daten einer weiteren Studie weisen darauf hin, dass die Akzeptanz neuer Systeme steigt, wenn die Einführung transparent erfolgt.
Doch neben technischen Hürden bremst oft der interne Widerstand die Umsetzung in der Arbeitswelt. Ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erkennen den Nutzen der Digitalisierung oft nicht sofort und tun sich schwer damit, gewohnte Abläufe in der Arbeit anzupassen. Die rasante Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) beschleunigt diese Tendenzen zusätzlich. Wer heute nicht auf den Zug aufspringt, wird im morgen nur noch hinterherschauen können. Diese Herausforderung betrifft nahezu alle Branchen auf dem Arbeitsmarkt.

Wir haben mit Dr. Thor Möller, ehemaliger Präsident der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement und Geschäftsführer der prometicon projects GmbH, darüber gesprochen, wie Arbeitgeber es schaffen, ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Digitalisierung ins Boot zu holen.
Menschen mit Geburtsjahr nach 1980 wuchsen mit der Digitalisierung auf. Das Internet, E-Mails und soziale Netzwerke sind fester Bestandteil ihres Lebens. Diese Beschäftigten kennen lebenslanges Lernen als Standard und gelten als „Digital Natives“. Für moderne Arbeitnehmer:innen gehört der souveräne Umgang mit Software zum beruflichen Alltag.
Anders geht es ihren älteren Kolleginnen und Kollegen. Diese erleben den rasanten Wandel der Arbeitswelt als einen drastischen Umbruch, der vertraute Strukturen und Prozesse infrage stellt. Eine gefühlte Arbeitsintensivierung durch neue Technologien verstärkt diese Vorbehalte oft.
Thor Möller weiß, dass es für den Menschen schwierig ist, seine Komfortzone zu verlassen. Bei der Digitalisierung kommt eine zusätzliche Dimension hinzu:
„Digitale Arbeitsprozesse sind für viele ältere Menschen zu abstrakt: Sie sehen nicht, was als Nächstes kommt, und können die Auswirkungen ihres Handelns nicht erkennen. Das macht ihnen Angst und schürt Vorbehalte.“
Die Angst vor Fehlern erschwert es, den Ausbau digitaler Fähigkeiten erfolgreich durch passende Mitarbeiter-Weiterbildungen durchzuführen. Ein digital gestütztes Onboarding kann hier helfen, erste Hürden abzubauen.
Der Fachkräftemangel rückt die Bedeutung erfahrener Kräfte in den Fokus. Sie einfach abzuschreiben, wäre fatal: Mit ihnen ginge wertvolles Know-how unwiederbringlich verloren.
Ein interessanter Fakt lässt sich im privaten Umfeld beobachten. Viele ältere Frauen und Männer nutzen dort ganz selbstverständlich Smartphones, Onlinebanking oder Streaming-Dienste. Diese ersten Schritte fallen mit der Unterstützung der Familie oft leicht.
Im beruflichen Umfeld verlaufen Veränderungen hingegen schneller und ruckartiger. Hier schleicht sich die Angst vor einer Blamage ein. Verstehen ältere Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter etwas nicht sofort, fühlen sie sich unzulänglich. Möller erklärt dazu:
„Ältere Beschäftigte haben etwa Vorbehalte gegenüber der Datenspeicherung in der Cloud. Sie behalten Daten lieber vermeintlich sicherer auf ihrem Rechner oder speichern sie doppelt, anstatt auf die Vorteile der Digitalisierung zu vertrauen.“
Junge Menschen gehen mit Neuerungen anders um als Ältere. Während Letztere eher zaghaft agieren und gründlich planen, entscheiden jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft intuitiv und damit viel schneller. Sie evaluieren erst im Nachgang, ob die Entscheidung richtig war. Dieses Spannungsfeld führt zwangsläufig zu Herausforderungen in der Kommunikation innerhalb der Arbeitswelt.
Wenn Konflikte aufkeimen, müssen Führungskräfte vermitteln. Sie übernehmen eine Übersetzungsfunktion, um für gegenseitiges Verständnis zu werben. Zugleich ist es Aufgabe der Führungskraft, Respekt vor dem Alter vorzuleben, den Wert älterer Mitarbeiter:innen deutlich in den Fokus zu rücken. Eine durchdachte Strategie für lebenslanges Lernen integriert beide Generationen gleichermaßen.
Lebenslanges Lernen endet nicht mit dem 50. Lebensjahr. Ältere Menschen lernen anders, aber sie lernen weiterhin dazu und erwerben kontinuierlich digitale Kompetenz wie Fähigkeiten für den Einsatz moderner Technologien. Wichtig ist jedoch, ihnen ein altersgerechtes Lernen zu ermöglichen, um einer drohenden Arbeitsintensivierung vorzubeugen.
Unter dem Begriff „Fail & Learn“ fassen Experten Methoden zusammen, die Raum zum Ausprobieren schaffen. Möller ist sicher, dass ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Digitalisierung mitziehen, wenn sie sich sicher fühlen. Dies erfordert eine neue Fehlerkultur. So wie Kinder im Sportkurs zuerst das richtige Fallen lernen, müssen auch Ältere erfahren, dass ein falscher Klick keine Katastrophe auslöst. Fehler lassen sich rückgängig machen und korrigieren.
Diese neue Fehlerkultur erfordert Zeit und Geduld bei allen Beteiligten. Gesonderte Trainings können dabei helfen, Vorbehalte abzubauen und den Spaß am Umgang mit dem Computer zu steigern.
Die gezielte Förderung erfahrener Kräfte wirkt sich positiv auf das Employer-Branding aus. Außenstehende nehmen das Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber wahr, der sich um die Bedürfnisse aller Arbeitnehmer:innen kümmert. Dies hilft auch dabei, gezielt Personal für eine Tätigkeit im Unternehmen zu begeistern. Ältere Mitarbeitende zählen heute nicht mehr zum alten Eisen, sondern bilden die Know-how-Stütze vieler Betriebe.
Damit die Integration gelingt, sollten Unternehmen verschiedene Ebenen der Unterstützung kombinieren. Die folgende Liste bietet einen Überblick über zentrale Handlungsfelder für einen erfolgreichen digital orientierten Wandel.
Setzen Sie auf fortwährendes lebenslanges Lernen, statt auf einen akuten Aufholbedarf zu warten.
Nutzen Sie Hilfsmittel wie Bildschirmlupen oder intuitive Touchdisplays, um die Arbeit zu erleichtern.
Mentoring-Programme, interne Schulungen oder Tandems aus Jung und Alt vermitteln digitale Fähigkeiten besonders effektiv.
Flexible Arbeitszeiten und Maßnahmen des Gesundheitsschutzes kommen den Bedürfnissen älterer Menschen entgegen.
Weiterbildungen helfen Vorgesetzten dabei, die Motivation älterer Mitarbeiter gezielt zu steigern.
Dokumentieren Sie das Wissen erfahrener Beschäftigte rechtzeitig, um es für das Unternehmen nutzbar zu machen.
Spielerische Elemente motivieren ohne Druck und zeigen die Chancen digitaler Prozesse auf.
Der Mix aus verschiedenen Generationen ermöglicht es, dass alle Teammitglieder gegenseitig voneinander lernen.
Ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Digitalisierung mitzunehmen, ist eine herausfordernde Aufgabe. Sie beginnt bei der Ausstattung der Arbeitsplätze und reicht bis zur Sensibilisierung der Führungsebene für die besonderen Bedürfnisse der Mitarbeitenden.
Entscheidend ist, älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Möglichkeit zu geben, in einem sicheren Umfeld digitale Fähigkeiten aufzubauen und aus Fehlern zu lernen. Nur so lässt sich das Potenzial der gesamten Belegschaft langfristig sichern.

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