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Checkliste

Tipps für den Kauf des Elektroautos

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14. März 2018

54.492 Autofahrer entschieden sich in Deutschland 2017 für den Kauf eines Elektroautos. Das ist eine Steigerung von 117 Prozent in einem Jahr. Viele schrecken jedoch vor dem Umstieg noch zurück: Reichweite, Ladeinfrastruktur oder Anschaffungspreis sorgen für Bedenken. #explore hat beim TÜV NORD-Elektromobilitätsexperten Christian Förster nachgefragt, worauf man beim Kauf eines Elektroautos achten sollte.

Tipp 1: Wenn elektrisch, dann auch richtig

Um Emissionen effektiv zu verringern, müssen möglichst viele Verbrenner-Kilometer durch Elektro-Kilometer ersetzt werden. Plug-in-Hybride – also Hybridfahrzeuge, die sich an der Steckdose aufladen lassen – können für Taxiunternehmen oder Kurierdienste zwar partiell sinnvoll sein, sind aufgrund ihrer geringen elektrischen Reichweite jedoch tendenziell eher kontraproduktiv. Um im Stadtverkehr überhaupt akzeptable Reichweiten zu erzielen, sollten sie pro Tonne Fahrzeuggewicht mindestens 5-8 kWh Batteriespeicher besitzen. Sonst raucht schnell wieder der Auspuff.

Tipp 2: Immer ankommen: Faustregel für die Reichweite

Wie weit komme ich mit welchem Elektroauto? Diese Frage beschäftigt die meisten Kaufinteressierten. Herstellerangaben helfen oft nicht weiter, weil sie meist über dem tatsächlichen Verbrauch liegen. Eine einfache Faustregel, um beim Kauf auf der sicheren Seite zu sein: Ein Kompaktklassewagen in unseren Breitengraden verbraucht im Winter auf hundert Kilometern rund 20 kWh. Liegt die Batteriekapazität von kleineren Elektroautos wie dem VW e-up! oder dem E-Smart unter 20 kWh, kann man alternativ mit der Hälfte der angegebenen Reichweite (nach NEFZ) kalkulieren. Eine Worst-Case-Rechnung, mit der man aber garantiert immer ankommt.

Tipp 3: Hausbesitzer laden mit Heimvorteil

Zukünftig werden Schnellladepunkte auf den Autobahnen die Langstreckenmobilität sicherstellen und in den Ballungszentren ähnlich einer klassischen Tankstelle alle diejenigen bedienen, die keinen eigenen Ladepunkt besitzen. Bis dahin ist eine Lademöglichkeit zu Hause ein klarer Vorteil, um bequem und kostengünstig in die Elektromobilität einzusteigen. Wer auch beim eigenen Arbeitgeber auf einen Ladepunkt zugreifen kann, erhöht zusätzlich die Anschlussverfügbarkeit des E-Autos nach Dienstschluss.

Tipp 4: Auf die Ladeleistung des Onboard-Laders kommt es an

Anders als die öffentlichen Ladestationen mit ihren sehr teuren Schnellladern, CCS (europäischer Standard) und CHAdeMO (asiatischer Standard) genannt, arbeitet der bezahlbare Ladepunkt für zu Hause mit Wechselstrom. Um den Haus-Wechselstrom in Batterie-Gleichstrom umzuwandeln, muss im Fahrzeug daher ein sogenannter Onboard-Lader installiert sein. Die Ladeleistung der gängigen Modelle bewegt sich zwischen 3,6 kW bis zu 22 kW. Möchte man die 20-kWh-Batterie des Wagens um rund 50 Kilometer Reichweite aufladen, müssen mit einem 3,6-kW-Ladegerät etwa 3,5 Stunden eingeplant werden. Mit einem 22-kW-Ladegerät dauert es nur eine gute halbe Stunde. Modelle mit 3,6-kW-Ladegerät eignen sich deshalb in erster Linie zum Pendeln mit anschließendem Einkauf. Zwar können diese Fahrzeuge optional mit Schnellladetechnik bestellt werden, doch dann sind wiederum Schnellladestationen in Wohnungsnähe nötig, und man kann nicht bequem zu Hause tanken. Ein 11- bis 22-kW-Onboard-Lader im Elektrofahrzeug und eine Wallbox am eigenen Privatparkplatz mit einer Ladeleistung von 11 bis 22 kW und Typ-2-Stecker (Mennekes-Stecker) stellt aktuell die effektivste Lösung dar, um auch nach Feierabend maximal mobil zu sein.

Tipp 5: Große Ladeleistung bietet Vorteil bei kleineren Batterien

Gerade bei „kleineren“ 20-kWh-Batterien sind Onboard-Lader mit 22 kW sehr von Vorteil, um schnell wieder mobil zu sein. Bei 40-kWh-Batterien und täglichen Fahrstrecken zwischen 100 bis 150 Kilometern reicht ein Onboard-Lader mit 11 kW völlig aus.

Tipp 6: Bei der heimischen Stromzapfstelle staatliche Förderung nutzen

Eine gute und langlebige Typ-2-Haus-Wallbox mit angeschlossenem Ladekabel kostet zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Dazu kommen noch die Anschlusskosten, die Verlegung der Zuleitung vom zentralen Sicherungskasten bis zum Ladepunkt durch den Fachbetrieb. Dieser klärt auch zusammen mit Ihrem Stromanbieter und Netzbetreiber die maximale Anschlussleistung. Einen Wartungsvertrag des Ladepunktes sollten Sie mit dem Elektroinstallateur gleich mit abschließen, sofern er diese kurze halbjährliche Prüfung auch ohne Anfahrtskosten anbieten kann. Einige Bundesländer fördern bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten. Die Investition steigert zudem den Wert der Immobilie und ist für viele Jahre nutzbar.

Tipp 7: Keine Angst vorm stolzen Kaufpreis

Elektroautos sind nur etwas für Idealisten mit dickem Portemonnaie? Das gilt heute so nicht mehr. Zwar liegt der Anschaffungspreis eines Elektroautos immer noch über dem eines vergleichbaren Verbrenners. Rechnet man die realen Kilometerkosten auf fünf Jahre, gleichen sich Stromer und Verbrenner aber immer mehr an. Das zeigt auch eine Studie des ADAC vom Januar 2018. Elektroautos profitieren außerdem von Förderungen wie der Elektroprämie von 4.000 Euro, Steuerfreiheit, niedrigen Energiekosten und geringen Unterhalts- und Wartungskosten.

Tipp 8: Für Vielfahrer rechnet sich der Batteriekauf

Viele Hersteller bieten mittlerweile Batterien zum Leasen an. Das senkt den Kaufpreis, und wenn die Batterie defekt ist oder allzu rasch an Kapazität verliert, wird sie vom Hersteller ausgetauscht. Ist man allerdings viel mit dem Elektroauto unterwegs und plant, es lange zu behalten, lohnt sich der Kauf einer Batterie – vorausgesetzt, der Hersteller bietet entsprechende Garantien für den Fall eines Defekts. Dadurch steigt zwar der Einstiegspreis, doch man zahlt nicht jahrelang für ein Bauteil im eigenen Fahrzeug, das einem gar nicht gehört.