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Lernen vor der digitalen Röhre – Wissenskanäle auf YouTube

© Getty Images

10. Oktober 2019

Wer sich heute weiterbilden will, muss nicht zwangs­läufig ein Buch aufschlagen, die „Sendung mit der Maus“ oder ZDFinfo einschalten – auch YouTube hat neben den Schmink-Tutorials, den Katzen­babys und Teenager-Späßchen jede Menge Wissens­wertes zu bieten. Wir haben uns durch die sechs spannendsten Kanäle rund um Wissenschaft und Technik geklickt.

maiLab

Chemie gilt vielen Schülern als über­durch­schnittlich uninteressante Materie. Was die Beschäftigung mit chemischen Stoffen, Elementen und Verbindungen tatsächlich hoch faszinierend macht, das vermittelt – auf ansteckende Weise – Mai Thi Nguyen-Kim. Auf ihrem Kanal „maiLab“ erklärt die promovierte deutsche Chemikerin ihren 500.000 Abonnenten, was die Fluoride in der Zahn­pasta machen, wie schlimm Mikro­wellen sind und ob Handy­strahlung Krebs verursacht. Oder sie stellt vermeintliche Wunder­mittel wie Kurkuma und Aktiv­kohle auf den wissenschaftlichen Prüf­stand. Als passionierte Forscherin schreckt sie nicht mal davor zurück, sich selbst zum Versuchs­kaninchen zu machen. So demonstriert sie etwa im Selbst­versuch, wie und warum Asiaten Alkohol schlecht vertragen. Ihr Talent, komplizierte und vermeintlich trockene Inhalte anschaulich zu erklären, hat mittler­weile auch das klassische Fernsehen für sich entdeckt. Seit Mitte vergangenen Jahres moderiert sie als Nach­folgerin von Ranga Yogeshwar die Wissen­schafts­sendung „Quarks“ im WDR.

MinutePhysics/MinutEarth

Woher Galaxien kommen, warum es schwierig ist, auf dem Mars zu landen, und ob man nasser wird, wenn man im Regen geht oder läuft: Das erklärt Henry Reich auf „MinutePhysics“ mit kurzen und knackigen Animations­filmen. 2011 mit blitz­schnellen Ein­minütern in charmanter Strich­männchen-Optik gestartet, nimmt sich der US-amerikanische Mathe­matiker und Physiker mittler­weile auch mal die Zeit, um ausführlicher aufzudröseln – in englischer Sprache, teilweise mit deutschen Unter­titeln –, warum Quanten­computer heutige Verschlüsselungs­verfahren knacken könnten. Auf „MinutEarth“, dem mindestens ebenso interessanten Zweit­kanal, widmen sich Reich und sein inter­nationales Team wissen­schaftlichen Fragen rund um unsere Erde. Aber Vorsicht: Die unter­haltsamen Wissens-Shots haben hohen Sucht­faktor! Ganz schnell will man nur noch eben dieses eine Video anschauen, um heraus­zu­finden, warum Flüsse mäandern, welche Rolle Feucht­gebiete im Ökosystem spielen, wie eng Tiere es eigentlich mit der Monogamie sehen und warum wir ohne die Hilfe fermentierender Mikroben furchtbar unkultivierte Wesen wären … Und schon sind Stunden vorbei.

Volker Quaschning

Anders als das englischsprachige Mutter­schiff gilt YouTube Deutschland immer noch als vergleichs­weise junges Medium: manchmal etwas laut, ziemlich aufgekratzt und mit starkem Hang zu Albern­heiten. Inmitten von Make-up-Tutorials und Personality-YouTubern ist Volker Quaschning aller­dings die erfreuliche Ausnahme. Auf seinem Kanal erklärt der Ingenieur­wissenschaftler und Professor für Regenerative Energie­systeme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin die Hinter­gründe der Energie­wende, die Bedeutung dezentraler Speicher und der Photo­voltaik für die nachhaltige Strom­versorgung von morgen. Standes­gemäß ausgesprochen fach­kundig, dabei niemals staub­trocken und gelegentlich streitbar nimmt der anerkannte Experte für die Erneuerbaren sich beispiels­weise auch das Klima­paket der Bundes­regierung zur Brust.

Breaking Lab

Um mögliche Missverständnisse gleich auszuräumen: Nein, anders als im Labor von Antiheld Walter White aus der Serie „Breaking Bad“ wird im „Breaking Lab“ kein Crystal Meth gekocht. Philip Häusser und Jacob Beautemps räumen hier mit wissen­schaftlichen Mythen und Verschwörungs­theorien auf oder klären die wissen­schaftlichen Fragen des Alltags: Macht Lesen im Dunkeln die Augen kaputt? Können wir durch künstliche Intelligenz unsterblich werden? Wie groß ist der „ökologische Rucksack“ eines Elektro­autos? Ist der Infra­schall von Wind­rädern gefährlich? In Sachen medialer Wissens­vermittlung sind beide Moderatoren dabei trotz ihrer jungen Jahre schon ältere Hasen. Der Physiker und Informatiker Philip Häusser hat für seine Doktor­arbeit zu künstlicher Intelligenz geforscht und bereits diverse Wissens­sendungen in Funk und Fernsehen moderiert. Jacob Beautemps studiert seiner­seits Physik und Sozial­wissenschaften auf Lehramt und hat als Autor für diverse TV-Wissens­formate gearbeitet. Wenn er nicht gerade auf YouTube Dinge erklärt, forscht er an der Universität zu Köln. Sein Thema: Wissens­videos auf YouTube. Sein Ziel: heraus­finden, was ein gutes Video ausmacht und wie sich Lern­effekt und Motivation der Zuschauer steigern lassen.

Kurzgesagt – In a Nutshell

Wer schon immer mal das Standard­modell der Elementar­teilchen­physik inner­halb von fünf Minuten verstehen wollte und erfahren möchte, was das Universum und den ganzen Rest im Innersten zusammen­hält, der ist bei „Kurz­gesagt – In a Nutshell“ an der richtigen Adresse. Was 2013 als Neben­her-Projekt begann, hat sich mittlerweile mit fast 10 Millionen Abonnenten zum erfolg­reichsten YouTube-Kanal aus Deutschland gemausert. Nicht von ungefähr, denn die alle zwei Wochen erscheinenden Erklär­videos um Physik, Biologie, Politik und Philosophie sind gründlich recherchiert, spannend erzählt und sprechen mit ihren ebenso bunten wie stilsicheren Animationen Wiss­begierige diverser Alters­stufen an. Einige Zeit produzierten die Macher aus München vor allem englisch­sprachige Inhalte. Mit der Unter­stützung von „Funk“ – dem Internet­angebot der Öffentlich-Rechtlichen – haben sie vor rund zwei Jahren auch den Heimat­kanal reaktiviert. Auf „Dinge Erklärt – Kurzgesagt“ kann man nun auch in deutscher Sprache erfahren, was sich am tiefsten Punkt des Ozeans verbirgt und warum Rote Zwerge für die Zukunft der Menschheit wichtig werden könnten. Um es mit den Worten eines Zuschauers zu sagen: „Einfach nur krass – alle zwei Wochen kommen informative, aber trotzdem zu keiner Sekunde langweilige Videos. Ich könnte auf zehn Seiten nicht ausdrücken, wie sehr ihr die Erde bereichert!“

Space Videos

Auf „Space Videos“ findet man, was der Name verspricht: nämlich Bewegt­bilder rund um den Welt­raum­flug. Der Kanal bietet einen 24/7-Live­stream der NASA, neue Informationen aus der Astronomie und atem­beraubende Auf­nahmen aus dem All: Mit den Augen über die pocken­narbige Ober­fläche des Mondes zu fliegen oder von der Inter­nationalen Raum­station ISS aus auf unseren wirklich sehr blauen, manchmal beige­farbenen und immer aus­gesprochen atmos­phärischen Planeten zu schauen – das ist hoch faszinierend und noch deutlich entspannender als die schönsten Bahn­strecken Deutschlands. Mehr als 236 Millionen Mal wurden die Videos bereits aufgerufen – eine Zahl von durchaus astronomischer Dimension.