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Steckbrief

Moritz Tetzlaff: Der digitale Chancen-Angleicher

© Moritz Tetzlaff

27. Mai 2021

Unterricht via Videokonferenz, Hausaufgaben online abgeben: Die Coronakrise hat das Lernen für Millionen von Schülerinnen und Schülern von jetzt auf gleich digitalisiert – unter sehr ungleichen Voraussetzungen. Längst nicht alle Kinder und Jugendlichen haben einen Computer zu Hause, geschweige denn einen eigenen. Moritz Tetzlaff (im Foto links), Projektleiter eines Co-Working-Spaces in Braunschweig, wollte das ändern. Im ersten Lockdown hob er zusammen mit dem Werber Martin Bretschneider HEY, ALTER! aus der Taufe. Die ehrenamtliche Initiative sammelt und repariert ausgemusterte Rechner und verteilt sie an Schülerinnen und Schüler. Nach den Anfängen in Braunschweig gibt es das Angebot mittlerweile auch in Köln, Hamburg, Berlin, Magdeburg, Mindelheim und anderen Städten.

Name: Moritz Tetzlaff

Alter: 38 Jahre

Beruf: Kreativer Netzwerker

Website: www.heyalter.com

Was ist HEY, ALTER!?

HEY, ALTER! bringt zusammen, was zusammengehört. Wir sammeln alte Rechner von Unternehmen, Institutionen und privaten Haushalten, machen sie fit und verteilen sie an Schülerinnen und Schüler, die bislang nicht oder nur eingeschränkt an E-Learning oder Homeschooling teilnehmen konnten. So wird Kindern und Jugendlichen zu mehr Chancengleichheit verholfen. Das ist die Idee von HEY, ALTER!: alte Rechner für junge Leute. Ganz einfach.

Wie ist die Idee entstanden?

Meine Frau ist Lehrerin und hatte Lernende, die Ausarbeitungen immer nur auf ihrem Handy schrieben, weil es bei ihnen zu Hause keine Computer gab. Da wurde mir das Problem erstmals bewusst. Also habe ich beschlossen, ihnen Rechner zu besorgen, und daraus entstand dann die Idee für das Projekt. Beim Neujahrsempfang von „Magni & Friends“ traf ich schließlich auf Martin Bretschneider, Gründer der Werbeagentur Gingco, und konnte ihn für das Vorhaben begeistern.

Die Welt braucht HEY, ALTER!, weil …

… HEY, ALTER! eine einfache und gute Lösung zur Chancengleichheit ist.

Wie finden Sie heraus, wo welche Schülerinnen und Schüler einen Rechner brauchen?

Wir von HEY, ALTER! gar nicht. Die Schulen melden sich bei uns und schicken ihren ermittelten Bedarf. Ganz unbürokratisch.

Wie hat sich HEY, ALTER! seit dem Start vor einem Jahr entwickelt?

Wir sind gewachsen, nicht nur in Braunschweig, sogar deutschlandweit. Mittlerweile gibt es circa 30 Standorte.

Die größte Herausforderung war …

… die Rechner einzusammeln. Leider ist die Initiative HEY, ALTER! noch nicht bei allen Unternehmen bekannt.

"Die Lehrenden geben uns immer wieder die Rückmeldung, dass unsere Initiative nach der Pandemie nicht beendet werden darf. Die soziale Ungleichheit ist einfach zu sehr spürbar."

Moritz Tetzlaff, Mitgründer von HEY, ALTER!

Wie soll es mit HEY, ALTER! weitergehen?

Die Lehrenden geben uns immer wieder die Rückmeldung, dass unsere Initiative nach der Pandemie nicht beendet werden darf. Die soziale Ungleichheit ist einfach zu sehr spürbar. Auch die Digitalisierung wird nicht langsamer. Deshalb ist unser Motto: „Hey, jetzt erst recht!“

Wie kann man sich ehrenamtlich einbringen oder eine lokale Gruppe starten?

Ganz unbürokratisch. Interessierte melden sich bei uns und bekommen auf jeder Ebene (Website, Handout, Logo, Mail-Adresse etc.) Unterstützung.

Welches digitale Produkt muss noch erfunden werden?

Kein Produkt, sondern Anwendungen – zum Beispiel in der Verwaltung.

Hätten Sie gerne einen Haushaltsroboter?

Ja.

Welche technische Anwendung wird Ihnen immer ein Rätsel bleiben?

Der Staubsauger.

Wann waren Sie das letzte Mal 24 Stunden offline?

Vielleicht 2008.

Urlaub ohne WLAN: Traum oder Albtraum?

Für mich ein Albtraum. Für meine Frau ein Traum!

Im #explore-Format „Steckbrief“ kommen regelmäßig spannende und inspirierende Menschen aus der digitalen Szene zu Wort: Forscher*innen, Blogger*innen, Start-up-Gründer*innen, Unternehmer*innen, Hacker*innen, Visionäre und Visionärinnen.

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