MENU
Gaming

Fünf Games für die Isolation

© TEAM 17

16. April 2020

In Zeiten von Ausgangsbeschränkungen, Social Distancing, geschlossenen Kitas und Schulen kann Kindern, Eltern und anderen Erwachsenen zu Hause schnell mal die Decke auf den Kopf fallen. Diese fünf Spiele helfen gegen die Langeweile in Selbst-Isolation und Quarantäne.

„Ori and the Will of the Wisps“

Sicher, wir dürfen noch das Haus verlassen. Aber die Corona-Krise hat unsere Bewegungsfreiheit doch erheblich eingeschränkt. Die gibt uns „Ori and the Will of the Wisps“ zurück – vielleicht nicht physisch, dafür aber emotional. Als Waldgeist Ori durchhüpfen wir hier malerische und liebevoll animierte 2-D-Welten, reisen durch Sümpfe, Waldgebiete und Wüsten, erklimmen schneebedeckte Gipfel und durchschwimmen lauschige Lagunen – immer auf der Suche nach unserer Wahlschwester, der kleinen Eule Kuri, von der wir in einem Sturm getrennt wurden.

Kann Ori zu Beginn nur einfache Hüpfpassagen meistern, gewinnt er im Lauf des Spiels immer neue Fertigkeiten hinzu. Er schießt wie ein Pfeil durch die Luft, hangelt sich an Objekten in die Höhe und katapultiert sich von Gegnern oder Gegenständen in jede gewünschte Richtung. Diese neu erlernten Fähigkeiten wollen in Rätseln und kniffligen Sprungsequenzen verwendet werden. Und sie eröffnen die Möglichkeit, bislang unerreichbare Geheimnisse in bereits durchhüpften Gebieten zu lüften. Wo man eben noch vorsichtig von Vorsprung zu Vorsprung hopste, gleitet und saust man nun in entfesselter Bewegungsfreiheit über stachelige Dornen oder biestige Gegner hinweg, um dabei kaum noch den Boden zu berühren – ein fließendes Ballett, ein Fest der Bewegung, das dem Spieler immer wieder ein seliges Lächeln ins Gesicht malt.

Getragen wird die anrührende und leicht melancholische Geschichte um Verlust und Freundschaft, Wiederaufbau und Wiedergutmachung von einem mitreißenden Soundtrack, der mal leise, mal dramatisch immer den richtigen Ton setzt für eines der rundesten und beglückendsten Jump-’n’-Run-Spiele, die man momentan unter den Controller bekommen kann.

Erhältlich für: Microsoft Windows, Nintendo Switch, PlayStation 4 und Xbox One.
Alter (USK): ab 12 Jahren

„Sonic & All-Stars Racing Transformed“

Mario Kart gilt als Vater und König der sogenannten FunRacer – einsteigerfreundliche Rennspiele, bei denen man über fantasievolle Pisten saust und dabei „Items“ einsammelt, mit denen man sich etwa einen Extraschub verschaffen oder seine Kontrahenten ausbremsen kann. Abgesehen von einem Ableger fürs Smartphone sind die Rennen des schnauzbärtigen Klempners allerdings immer noch Besitzern von Nintendo-Konsolen vorbehalten.

Alle anderen finden in „Sonic & All-Stars Racing Transformed“ eine gute Alternative, die das große Vorbild zwar nicht abhängt, dafür aber mit eigenen Qualitäten punktet. Die größte Besonderheit steckt bereits im Namen: Abhängig von der Strecke verwandeln sich die Fahrzeuge in Autos, Boote oder Flugzeuge. Und weil sich diese zu Land, zu Wasser und in der Luft unterschiedlich steuern lassen, ist taktisches Anpassungsvermögen gefragt.

Unser Können beweisen wir auf rund 20 gemütlichen bis knackigen Kursen und in unterschiedlichen Spielmodi – entweder alleine gegen den Computer, online gegen bis zu neun oder auf dem heimischen Sofa gegen bis zu drei Mitspieler. Eine optimale Gelegenheit also für Eltern, sich mal von den eigenen Kindern abhängen zu lassen oder den abendlichen Abwaschdienst in einem Rennen auszufahren.

Erhältlich für: PC/Windows, PlayStation 3, Xbox 360, PlayStation Vita, Nintendo 3DS, iOS, Android.
Alter (USK): ab 6 Jahren

„A Plague Tale: Innocence“

Eine emotionale Geschwistergeschichte: Eben noch ist die junge Amicia mit ihrem Vater durch den idyllischen Wald gestreift. Nun flieht sie mit ihrem Bruder vor den Häschern der Inquisition, die den kleinen Hugo für die Seuche verantwortlich machen, die das Land heimgesucht hat. „A Plague Tale: Innocence“ von dem kleinen Spieleentwickler Asobo Studio zählte zu den großen Überraschungen des Spielejahres 2019 und wirft uns mitten hinein in die lebensgefährliche Reise der verwaisten Geschwister durch ein von Krieg und Pest gebeuteltes Frankreich im Jahr 1349.

Dabei versteht sich das Spiel nicht als historisch korrekte Geschichtsstunde: Der Schwarze Tod erscheint hier in Gestalt unheimlicher Rattenschwärme, die aus dem Boden hervorbrechen und Mensch und Tier verschlingen. Nur Licht kann die fiesen Nager vertreiben. So halten wir uns die Ratten mit Fackeln vom Leib oder müssen kleine Rätselpassagen bewältigen, die durch die vergleichsweise einfache Steuerung auch Einsteiger nicht überfordern. Vor den menschlichen Gefahren laufen wir in dramatischen Fluchtsequenzen davon, schleichen durch hohes Gras an den Häschern vorbei und lenken sie mit lärmenden Tontöpfen ab.

Mehr noch als von seinem zugänglichen Gameplay lebt das Spiel aber von seinen glaubwürdigen Figuren, denen man sich vom ersten Moment an verbunden fühlt. Dafür sorgt auch eine besondere Mechanik: Die Geschwister gehen meist Hand in Hand durch die Gefahren. Ist Hugo zu lange von seiner großen Schwester getrennt, wird er panisch und macht so die Soldaten auf sich aufmerksam. Dabei muss sich die Beziehung der beiden erst entwickeln: Amicia kennt ihren Bruder kaum, da er aufgrund seiner Krankheit in seinem Zimmer von der Mutter gepflegt wurde. Wir erleben mit, wie die beiden einander kennenlernen, wie Vertrauen und Liebe allmählich wachsen – aber auch Konflikte ausbrechen, wenn Amicia harte Entscheidungen trifft, die das gemeinsame Überleben sichern, Hugo aber verstören.

Schrecken und Schönheit liegen hier immer dicht beieinander: Aufwühlende oder erschütternde Momente, wie die Überquerung eines Schlachtfelds, wechseln mit zarten Augenblicken des Friedens, in denen man die lichtdurchfluteten Herbstwälder förmlich zu riechen glaubt. Und wenn der bislang ans Haus gefesselte Hugo sich über Frösche am Flussufer freut und voll kindlicher Neugier und Begeisterung die Welt für sich entdeckt, entfaltet diese Geschichte über Fürsorge, Zusammenhalt und das Über-sich-selbst-Hinauswachsen in schweren Zeiten ihre große, tiefe Menschlichkeit.

Erhältlich für: Microsoft Windows, PlayStation 4 und Xbox One .
Alter (USK): ab 16 Jahren

„Overcooked! 2“

Schnippeln, brutzeln, Haare raufen: Wie bereits beim Vorgänger geht es in „Overcooked! 2“ darum, innerhalb eines Zeitlimits diverse Zutaten zu jonglieren, daraus vorgegebene Gerichte zu kochen und den hungrigen Gästen zu kredenzen. Gekocht wird wahlweise allein oder mit bis zu drei Mitspielern online oder zu Hause – und gerade dann entfaltet die chaotische Küchenschlacht ihren vollen Charme.

Wie im analogen Leben und in realen Küchen gilt hier: Kommunikation ist alles. Zutaten, Schneidebrettchen, Kochtöpfe und Essensausgabe sind nämlich meist so platziert, dass wir uns mit den Mitspielern absprechen und gut koordinieren müssen: Wer schnippelt, wer kocht, wer brät, wer spült die Teller? Zusätzlich treiben trödelige Passanten, Feuer in der Küche oder andere Hindernisse in den lustig-listigen Leveln den Schweiß auf die Stirn. Mit der Suppe kochen da gerne auch mal die Emotionen hoch und über, wird vorm Bildschirm gelacht, geflucht, geschrien und gejubelt. Ein spaßiger Stresstest für die eigene Teamfähigkeit, der den abendlichen Spaziergang gleich noch mal so entspannend macht.

Erhältlich für: Microsoft Windows, Nintendo Switch, PlayStation 4 und Xbox One.
Alter (USK): ab 6 Jahren

„The Witcher 3“

Der dritte Teil der „Witcher“-Serie des polnischen Entwicklerstudios CD PROJEKT RED gilt vielen Kritikern wie Gamern als bestes Rollenspiel aller Zeiten – und das nicht von ungefähr: Abenteuerlust, Entdeckerfreude, erinnerungswürdige Figuren, humorige Momente und eine vielschichtige Erzählung vereinen sich hier zu einem großen Ganzen.

Ins Auge sticht dabei zunächst die so wunderschöne wie gewaltige Spielwelt, in deren Wiesen, Wäldern, Sümpfen und Städten man sich stundenlang verlieren kann – wenn man nicht einfach mal auf einem Hügel haltmacht, um der Abendsonne beim Untergehen zuzuschauen. Wir schlüpfen in die Rolle des Hexers Geralt von Riva, ein professioneller Monsterjäger, der als Mutant von seinen menschlichen Auftraggebern immer wieder mit Misstrauen beäugt wird. Wie im Rollenspielgenre üblich, wollen dabei Gegner bezwungen, Rüstungen, Waffen und Fähigkeiten verbessert werden. Zudem ist Geralt als mittelalterlicher Sherlock Holmes unterwegs, der mit seinen Hexer-Sinnen etwa die Spur der verschwundenen Familie eines abgehalfterten Adeligen aufnimmt.

Außergewöhnlich macht „The Witcher 3“ aber vor allem dessen erwachsene Erzählweise: Die Angst vor dem Fremden, Ausgrenzung von Minderheiten, Rassismus und religiöser Fanatismus – das sind die großen und zeitlosen Themen, die das Spiel in seiner Fantasy-Welt und im Umgang der Menschen mit Zwergen, Elfen, dem Mutanten Geralt oder anderen Außenseitern verhandelt. Statt banalem „Gut gegen Böse“ zeichnet „The Witcher 3“ eine Welt moralischer Graustufen und Ambivalenzen. Je nach Perspektive sind die elfischen Partisanen, denen wir auf unserer Reise begegnen, mitleidlose Terroristen oder verzweifelte Freiheitskämpfer – oder auch beides zugleich. Immer wieder werden wir dabei vor schwere Entscheidungen gestellt, die das Verhältnis zu Figuren oder gar den Handlungsverlauf verändern, ohne dass wir deren Konsequenzen absehen können.

Diese erzählerische Qualität erstreckt sich bis in die kleinsten Nebenaufgaben. In anderen Rollenspielen verlaufen diese gerne nach der Formel „Bring mir fünf Wolfspelze oder Person X von A nach B“. Hier dagegen verbergen sich auch hinter der vermeintlich banalen Hatz auf ein Ungeheuer berührende und tragische Geschichten, die mehr erzählen als andere Genrevertreter über ihre gesamte Spielzeit. Letztere ist in „The Witcher 3“ durchaus üppig bemessen: Gut hundert Stunden kann man allein beim Hauptspiel verbringen. Die mindestens ebenso brillanten Erweiterungen ergeben noch einmal fünfzig Stunden dazu – mehr als genug also für kalte Wintertage oder um die häusliche Quarantäne zu überstehen.

Erhältlich für: Microsoft Windows, Nintendo Switch, PlayStation 4 und Xbox One.
Alter (USK): ab 18 Jahren