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Checkliste

Tipps für den Kauf eines Elektroautos

© TÜV NORD

23. September 2021

Es ist unübersehbar: Die E-Mobilität boomt. Die IAA Mobility in München stand ganz im Zeichen des Stroms. Mehr als jeder zehnte Neuwagen fährt seit Anfang des Jahres vollelektrisch – Tendenz weiter steigend. Und immer mehr Menschen können sich einen Umstieg aufs E-Auto vorstellen oder schmieden bereits konkrete Pläne, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands der Technischen Überwachungsvereine (VdTÜV) ergeben hat. Bei anderen sorgen Anschaffungspreis, Ladeinfrastruktur und Reichweite nach wie vor für Bedenken. Wir klären die wichtigsten Fragen rund um den Kauf eines E-Autos.

 

E-Autos für (fast) alle(s)

Das Elektroauto-Angebot ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Kam lange Zeit nach ein paar Klein- und Kompaktwagen nur noch Tesla, hat sich mittlerweile gerade auch in der Kompakt- und Mittelklasse einiges getan: Ob wendige E-Flitzer für die Stadt wie der Honda e oder der Klassiker Renault Zoe, mit denen man aber auch mal die Großeltern auf dem Land besuchen kann, oder Stromautos für die ganze Familie wie der VW ID.4 oder der Hyundai Ioniq 5, in die auch das Gepäck für den Sommerurlaub passt: Die Modellpalette deckt heute bereits viele Nutzungsbedürfnisse ab. Elektrische Mangelware ist bislang noch der hierzulande beliebte Kombi, doch selbst hier wollen Hersteller wie MG und VW in den nächsten Jahren erste E-Modelle auf den Markt bringen. Und während es sich bei den ersten E-Mobilen oft noch um umgebaute Verbrenner handelte, basieren viele aktuelle Stromautos auf eigenen E-Plattformen. Weil dabei der Mitteltunnel entfällt und der Radstand vergrößert werden kann, bieten sie im Innenraum mehr Platz und Beinfreiheit als gleich lange Verbrenner.

 

Tipp 1: Elektrische Zugpferde

Waren Anhängerkupplungen bei E-Autos bislang die Ausnahme von der Regel, können mittlerweile immer mehr Stromer Lasten an den Haken nehmen. Ein Fahrradgepäckträger lässt sich bereits an den meisten aktuellen E-Autos befestigen. Aber auch die Zahl an Stromfahrzeugen mit nennenswerter Anhängelast wächst: Der BMW iX kann bis zu 2.500 Kilogramm bewegen, der Hyundai Ioniq 5 und der Kia EV6 bis zu 1.600 Kilogramm. Die Allradversionen von VW ID.4 und Škoda Enyaq ziehen bis zu 1.200 Kilogramm. Für die Fliesen aus dem Baumarkt, den neuen Kleiderschrank oder den Grünschnitt langt das allemal. Für den Campingurlaub in Kroatien sind auch die zugkräftigsten Stromer aber momentan nur bedingt geeignet – denn die Reichweite wird durch einen großen und schweren Wohnwagen nahezu halbiert. Das ist bei einem Verbrenner nicht anders, macht sich beim E-Auto allerdings natürlich stärker bemerkbar. Zudem sind viele Ladeparks an den Autobahnen noch nicht auf Gespanne ausgelegt. Kürzere Wohnwagenfahrten wie beispielsweise von Berlin an die Ostsee lassen sich grundsätzlich auch elektrisch bestreiten. Wer etwas Zeit mitbringt und nicht auf der Flucht ist, kann bei längeren Distanzen darüber nachdenken.

 

Tipp 2: Jenseits der Reichweitenangst

„Wie weit komme ich mit welchem Elektroauto? Und komme ich überhaupt ans Ziel?“ Diese Fragen beschäftigt nach wie vor die meisten Kaufinteressenten. Fakt ist: Dank Verbesserungen bei der Batterietechnologie sind die Reichweiten von E-Autos in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die elektrische Speerspitze bildet aktuell der Mercedes EQS mit einer Reichweite von 770 Kilometern nach dem aktuellen WLTP-Prüfzyklus. Aber auch preiswertere E-Autos in der Kompakt- und Mittelklasse kommen heute mit WLTP-Reichweiten jenseits von 400 Kilometern. Orientierung, mit welcher Reichweite man bei gängigen E-Autos im Alltag rechnen kann, gibt etwa der Eco-Test des ADAC. Eine hohe Reichweite spricht dabei nicht zwangsläufig für ein energieeffizientes Fahrzeug, sondern wird vor allem auch durch große Batteriekapazitäten erzielt. Und mit einem größeren Akku steigt der Preis. Wird das eigene Wunschauto mit unterschiedlichen Batteriegrößen angeboten, sollte man vorab überschlagen, welche Strecken man tatsächlich regelmäßig bewältigt: 91 Prozent der Pendlerinnen und Pendler in Deutschland legen täglich maximal 100 Kilometer zurück – selbst kleine und günstige E-Autos wie der Seat Mii electric oder der Renault Zoe bewältigen auch im Winter mehr als die doppelte Distanz.

Tipp 3: Schnellladung macht flexibel

Um mit dem E-Auto gerade bei längeren Fahrten flott wieder unterwegs zu sein, muss der Akku nicht nur viel Energie speichern, sondern sie auch schnell aufnehmen. Vor dem Kauf sollte man daher überlegen, wie oft man sein E-Mobil jenseits der Fahrzeugreichweite einsetzen will. Je öfter, desto wichtiger wird die Leistung der Schnellladefunktion. Dann kann es sich beim Autokauf lohnen, eine optionale höhere Ladeleistung zu bestellen oder gegebenenfalls auf ein anderes Modell auszuweichen. Als langstreckentauglich gilt ein E-Auto nach der Definition des ADAC, wenn es eine realistische Reichweite von mindestens 300 Kilometern bieten und mindestens 200 Kilometer in einer halben Stunde nachladen kann. Letzteres ist nach den Testenden bei verbrauchseffizienten Modellen bereits mit einer Ladeleistung von 100 kW zu erreichen. Und die wird mittlerweile bei immer mehr Modellen zum Standard: Selbst ein Kleinwagen wie der Peugeot e-208 bietet eine Ladeleistung von bis zu 100 kW, bei den größeren VW ID.3 und ID.4 sind aktuell bis zu 125 kW drin. Und war die 800-Volt-Technologie für besonders schnelles Laden bislang Oberklassefahrzeugen wie dem Porsche Taycan vorbehalten, hat sie nun auch in der Mittelklasse Einzug gehalten. Der Hyundai Ioniq 5 und sein Schwestermodell Kia EV6 sollen ihren Akku für rund 500 WLTP-Kilometer in 18 Minuten zu 80 Prozent aufladen können – und tun das auch tatsächlich in der Praxis.

 

Tipp 4: Die Ladeinfrastruktur ist dichter als gedacht

Was nützt die beste Schnellladefähigkeit, wenn man keine Ladesäule finden kann – so die Sorge vieler Menschen. Fakt ist: Beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur ist noch einiges zu tun, aber bereits auch viel passiert. 39.538 öffentliche Ladepunkte für Elektrofahrzeuge zählte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bis März 2021, jeder siebte davon ein Schnelllader. Und die haben nicht nur an den Autobahnen zugenommen: Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner können ihre Akkus zunehmend an Tankstellen oder während des Einkaufs am Baumarkt, Möbelhaus oder Supermarkt wieder auffüllen. Auch abseits der Metropolen ist die Zahl der Stromtankstellen in den vergangenen Jahren gestiegen. Allerdings ist die Ladeinfrastruktur regional noch ungleich verteilt. Unter den Flächenländern bieten Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen aktuell die meisten Ladesäulen auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner; Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und das Saarland haben die wenigsten. Wer also mit einem E-Auto liebäugelt und auf die öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen ist, sollte sich vorab informieren, ob in der Nähe von Wohnung oder Arbeitsplatz genügend Ladesäulen verfügbar sind.

Tipp 5: Laden mit Heimvorteil

Den bequemsten und kostengünstigsten Einstieg in die E-Mobilität bietet natürlich eine Lademöglichkeit zu Hause. Wer auch beim eigenen Arbeitgeber auf einen Ladepunkt zugreifen kann, erhöht zusätzlich die Anschlussverfügbarkeit des E-Autos nach Dienstschluss. War der Einbau einer privaten Wallbox bislang Hausbesitzerinnen und -besitzern vorbehalten, können dank einer Gesetzesänderung auch Wohnungseigentümerinnen und -eigentümer sowie Mieterinnen und Mieter eine eigene Heimladestation in der Tiefgarage auf den Weg bringen.

 

Tipp 6: Bei der heimischen Stromzapfstelle staatliche Förderung nutzen

Der Bund fördert Eigentümerinnen und Eigentümer, Mieterinnen und Mieter sowie Vermieterinnen und Vermieter beim Einbau einer Wallbox pauschal mit 900 Euro. Voraussetzungen sind die Installation durch einen Elektrofachbetrieb, die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien und eine intelligente und steuerbare Wallbox. Eine gute und förderfähige Wallbox ist bereits ab 700 Euro zu haben. Dazu kommen noch die Anschlusskosten und die Verlegung der Zuleitung vom zentralen Sicherungskasten bis zum Ladepunkt durch den Fachbetrieb. Dieser klärt auch zusammen mit dem Stromanbieter und Netzbetreiber die maximale Anschlussleistung. Einen Wartungsvertrag des Ladepunktes sollte man mit der Elektroinstallateurin oder dem Elektroinstallateur gleich mit abschließen, sofern sie oder er diese kurze halbjährliche Prüfung auch ohne Anfahrtskosten anbieten kann.

 

Tipp 7: Keine Angst vorm Kaufpreis

Elektroautos sind nur etwas für Idealistinnen und Idealisten mit dickem Portemonnaie? Das gilt heute nicht mehr. Zwar liegt der Anschaffungspreis eines Elektroautos immer noch über dem eines vergleichbaren Verbrenners. Aber durch den 2020 erhöhten Umweltbonus von bis zu 9.000 Euro wird der Abstand bereits deutlich verkürzt. Die volle Fördersumme bekommen Stromautos und Brennstoffzellenfahrzeuge mit einem Nettolistenpreis bis 40.000 Euro. Für E-Autos mit einem Nettolistenpreis bis 65.0000 Euro steuern Bund und Hersteller 7.500 Euro bei. Auch elektrische Leasingfahrzeuge werden gefördert: Ab einer Laufzeit von 23 Monaten gibt es die volle Summe, bei kürzeren Vertragslaufzeiten wird die Förderung entsprechend angepasst. Elektroautos profitieren außerdem von Steuerfreiheit, niedrigen Energiekosten und geringen Unterhalts- und Wartungskosten. Dadurch sind einige E-Fahrzeuge heute bereits günstiger als vergleichbare Verbrennermodelle, andere liegen gleichauf oder sind unwesentlich teurer. Und je stärker künftig die Spritkosten durch die CO2-Bepreisung steigen, desto stärker kann das E-Auto seinen Energiekostenvorteil ausspielen – gerade für Zuhauseladerinnen und Zuhauselader.