Energieeffizienz
Mit einer eigenen Photovoltaikanlage können Unternehmen Strom selbst erzeugen und ihre Energiekosten langfristig beeinflussen. Doch wann lohnt sich die Investition? Erfahren Sie, wie Kosten, Anlagengröße, Eigenverbrauch und Amortisationszeit die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik für Unternehmen bestimmen.

„Eigene Photovoltaik-Anlagen können Unternehmen viele Vorteile bieten. Aber wie groß diese sind und ob sich eine PV-Anlage lohnt, hängt immer vom Einzelfall ab.“ So beurteilt Photovoltaik-Sachverständiger & Dozent Nico Skudelny die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik für Unternehmen. Entscheidend ist der Eigenverbrauch: Je mehr Solarstrom ein Unternehmen selbst nutzt, desto eher rechnet sich die Investition. Batteriespeicher eröffnen neue Möglichkeiten, sind aber nur unter bestimmten Voraussetzungen rentabel. Wir haben uns mit dem Experten darüber unterhalten, wann sich Solarmodule auszahlen und welche Faktoren dabei ausschlaggebend sind. Mit unserer Checkliste erhalten Unternehmen schnell einen ersten Eindruck davon, ob sie von Photovoltaik profitieren.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
Zwei Vorteile sind ausschlaggebend für diese Entwicklung: Mithilfe von Photovoltaik können Unternehmen ihre Stromkosten senken und sich unabhängiger von schwankenden Strompreisen machen. Allerdings profitiert nicht jeder Betrieb gleichermaßen von einer eigenen Solaranlage.
Eine eigene Photovoltaikanlage hilft Unternehmen vor allem, ihre Energiekosten zu senken und sich unabhängiger von der Entwicklung der Strompreise zu machen. Besonders groß sind die Vorteile, wenn der Betrieb einen hohen Anteil des erzeugten Solarstroms selbst verbraucht.
Im Detail sind PV-Anlagen für Unternehmen aus folgenden Gründen interessant:
Jede selbst erzeugte Kilowattstunde Solarstrom ersetzt Strom, der sonst zu höheren Kosten aus dem Netz bezogen werden müsste. Überschüssigen Solarstrom können Unternehmen ins Netz einspeisen und damit zusätzliche Erlöse erzielen. Bei größeren Anlagen erfolgt die Einspeisung je nach Anlagengröße verpflichtend über die Direktvermarktung.
Mit einer eigenen PV-Anlage decken Unternehmen einen Teil ihres Strombedarfs zu langfristig besser planbaren Kosten und reduzieren ihre Abhängigkeit von der Preisentwicklung am Strommarkt.
Unternehmen können ihre CO₂-Emissionen reduzieren und so betriebliche Klimaziele erreichen sowie Nachhaltigkeitsanforderungen von Kunden, Geschäftspartnern oder entlang der Lieferkette erfüllen.
Bislang ungenutzte Dach- und Freiflächen lassen sich zur eigenen Stromerzeugung einsetzen. Wie groß das Potenzial ist, zeigt eine Untersuchung des Fraunhofer IIS aus dem Jahr 2025: Von 120.150 untersuchten gewerblichen Hallen in Deutschland waren zu diesem Zeitpunkt nur rund 19 % mit einer PV-Anlage ausgestattet.
Nico Skudelny betont: „Eigener Solarstrom lässt sich nicht nur für Maschinen, IT oder Gebäudetechnik einsetzen. Unternehmen können damit beispielsweise auch Elektrofahrzeuge und Flurförderzeuge laden oder Wärmepumpen und andere elektrische Anwendungen versorgen.“ So wird der Ausbau der Photovoltaik Teil einer umfassenden Elektrifizierungsstrategie.
Wichtig ist: Wie stark ein Unternehmen von diesen Vorteilen profitiert, hängt von individuellen Voraussetzungen ab.
Für Nico Skudelny sind zwei Faktoren entscheidend dafür, ob sich Solaranlagen in der Industrie oder für andere Unternehmen auszahlen: „Photovoltaik lohnt sich vor allem für energieintensive Unternehmen, die den größten Teil ihres Stroms tagsüber verbrauchen.“ Daneben spielen die verfügbare Dachfläche, der Strompreis, Investitionskosten und die Nutzungsdauer eine wichtige Rolle. Der Stellenwert von Förderungen sinkt dagegen.
Besonders gute Voraussetzungen haben Unternehmen, die zu den Zeiten viel Strom verbrauchen, in denen die PV-Anlage diesen erzeugt.
Als Eigenverbrauch bezeichnet man den Anteil des erzeugten Solarstroms, den das Unternehmen direkt selbst nutzt, statt ihn ins Netz einzuspeisen. Je größer er ausfällt, desto attraktiver ist eine PV-Anlage in der Regel. Der Grund: Für selbst erzeugten Strom fallen keine Strombezugskosten an.
Wichtig ist: Die Einspeisung bzw. Vermarktung überschüssiger Energie bringt meist geringere Erlöse. Deshalb sollte eine Anlage nicht automatisch so groß wie möglich dimensioniert werden, sondern zum Verbrauchsprofil und zu den eigenen wirtschaftlichen Zielen passen.
Große, möglichst unverschattete Dachflächen schaffen gute Voraussetzungen für eine hohe Solarstromproduktion. Ausrichtung und Neigung, Verschattung, Statik und der Zustand des Dachs beeinflussen ebenfalls, welche Leistung sich sinnvoll installieren lässt.
Je teurer der Strom aus dem Netz ist, desto wertvoller wird jede Kilowattstunde, die ein Unternehmen selbst erzeugt und verbraucht.
Den laufenden Einsparungen stehen die Kosten für Anschaffung, Installation, Netzanschluss und gegebenenfalls Finanzierung gegenüber. Gleichzeitig sind PV-Anlagen auf eine lange Betriebsdauer ausgelegt. Unternehmen sollten den Standort langfristig nutzen und das Dach während dieser Zeit nicht grundlegend sanieren müssen.
Förderprogramme oder günstige Kredite können die Finanzierung erleichtern. Die Bedeutung der Einspeisevergütung für die Wirtschaftlichkeit nimmt jedoch ab. Nico Skudelny rät deshalb, diesem Faktor bei der Investitionsentscheidung weniger Gewicht beizumessen.
Ein mittelständischer Produktionsbetrieb installiert auf seinem Hallendach eine PV-Anlage mit 300 kWp Leistung. Bei Investitionskosten von angenommenen 1.100 Euro pro kWp kostet die Anlage rund 330.000 Euro. Finanzierungskosten bleiben in diesem vereinfachten Beispiel unberücksichtigt.
Bei einem Stromertrag von 950 kWh pro kWp erzeugt die Anlage rund 285.000 kWh Solarstrom im Jahr. Weil das Unternehmen einen hohen Stromverbrauch tagsüber hat, kann es 70 % davon selbst nutzen. Für Wartung, die Behebung von Störungen und weitere laufende Aufwände werden jährlich 1,5 % des Investitionsvolumens angesetzt.
Ergebnis: Unter den angenommenen Bedingungen erzielt die PV-Anlage nach Abzug der angesetzten laufenden Kosten von 4.950 Euro einen wirtschaftlichen Vorteil von rund 50.000 Euro pro Jahr. Damit amortisiert sich die Investition rechnerisch nach etwa 6,6 Jahren. Finanzierungskosten bleiben dabei unberücksichtigt.
„Allerdings“, schränkt Nico Skudelny ein, „lassen sich Zahlen schwer verallgemeinern. Die Unterschiede sind sehr groß.“ Umso wichtiger sei es, vor einer Investitionsentscheidung eine individuelle Wirtschaftlichkeitsberechnung auf Basis des tatsächlichen Lastprofils, der verfügbaren Fläche und der konkreten Kosten aufzustellen.

Worauf Unternehmen bei Photovoltaik achten müssen
Erinnert ihr euch noch an die Energiepreisbremse und die Angst vor den steigenden Energiekosten? Habt ihr euch da schon nicht gedacht, könnt ich bloß meinen eigenen Strom herstellen?
In dieser Folge von "Wissen kompakt" dreht sich alles um Photovoltaik für Unternehmen. Wir werfen einen Blick auf die Geschichte und Bedeutung von Photovoltaik als moderne Stromquelle, insbesondere vor dem Hintergrund der Energiepreisbremse 2023. Gemeinsam mit unserem Experten diskutieren wir die vielen Vorteile von Photovoltaikanlagen – von Kostensenkungen über Planungssicherheit bis hin zur Unabhängigkeit von schwankenden Energiepreisen.
Ein Batteriespeicher kann die Wirtschaftlichkeit von gewerblichen Photovoltaikanlagen verbessern, ist aber nicht immer rentabel. Besonders interessant wird er, wenn ein Betrieb damit überschüssigen Solarstrom zu anderen Zeiten selbst nutzen oder teure Lastspitzen reduzieren kann (Peak Shaving). Dabei deckt der Speicher kurzfristige Verbrauchsspitzen ab und reduziert so die maximale Netzbezugsleistung.
Daneben kommen beispielsweise die Nutzung variabler Stromtarife oder – abhängig von Anlage und Vermarktungsmodell – zusätzliche Erlösmodelle infrage.
In jedem Fall ist eine genaue Abwägung notwendig: Verbrauchen Unternehmen den Löwenanteil des erzeugten Stroms schon tagsüber, investieren sie unter Umständen besser in zusätzliche Solarmodule.
Photovoltaik lohnt sich für Gewerbe eher nicht, wenn der Eigenverbrauch gering ist, geeignete Flächen fehlen oder der Standort nur kurzfristig genutzt wird. Weitere Hürden entstehen, wenn ein Unternehmen lediglich Mieter ist. In diesem Fall muss die PV-Nutzung mit dem Eigentümer abgestimmt werden. Allerdings bieten Modelle wie Contracting, Dachpacht oder Direktstromlieferung Alternativen zur eigenen Anlage.
Ob sich eine PV-Anlage wirtschaftlich rechnet, hängt von mehreren Faktoren ab. Je mehr der folgenden Fragen Sie mit Ja beantworten, desto eher lohnt es sich, Ihr Photovoltaik-Potenzial genauer prüfen zu lassen.
Wichtig: Diese Checkliste liefert nur eine erste Einschätzung. Für eine belastbare Wirtschaftlichkeitsberechnung sollten Unternehmen ihre tatsächlichen Verbrauchsdaten und ihr Lastprofil heranziehen sowie verschiedene Anlagengrößen und Nutzungskonzepte vergleichen.
Gerade für energieintensive Unternehmen bleiben PV-Anlagen eine attraktive Möglichkeit, Geld zu sparen und sich in einer Zeit geopolitischer Krisen unabhängiger von schwankenden Strompreisen zu machen. Zwar hat sich nach Jahren des Booms der Ausbau der Photovoltaik in Deutschland zuletzt verlangsamt, aber Speicherlösungen werden immer günstiger und leistungsfähiger.
PV-Langzeitspeicher und Hybridlösungen aus Strom- und Wärmespeichern bieten neue Chancen, die eigene Energieversorgung mithilfe von Solarenergie flexibler und wirtschaftlicher zu gestalten. Allerdings befinden sich Langzeit- und Saisonspeicher noch in einer frühen Entwicklungs- bzw. Erprobungsphase.
Je höher der Eigenverbrauch, desto wirtschaftlicher ist eine PV-Anlage für Unternehmen in der Regel. Eine pauschale Mindestquote gibt es nicht. Besonders gute Voraussetzungen haben Betriebe, die einen großen Teil ihres Stroms während der Sonnenstunden benötigen.
Die Amortisationszeit einer gewerblichen PV-Anlage hängt stark vom Einzelfall ab, liegt aber in den meisten Fällen unter 10 Jahren, manchmal auch deutlich darunter. Entscheidend sind vor allem Investitions- und Betriebskosten, Stromertrag, Eigenverbrauch und Strompreis.
Die optimale Größe richtet sich vor allem nach Stromverbrauch, Lastprofil, verfügbarer Fläche und den wirtschaftlichen Zielen. Mit größeren PV-Anlagen profitieren Betreiber von Fixkostendegressionen: Bestimmte Kosten, etwa für Planung, Netzanschluss oder technische Komponenten, steigen nicht proportional mit der Anlagenleistung. Dadurch sinken häufig die Investitionskosten pro installiertem kWp.
Aber eine möglichst große Anlage ist nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung. Da selbst verbrauchter PV-Strom in der Regel wertvoller ist als eingespeister Strom, sollten Unternehmen verschiedene Anlagengrößen durchrechnen lassen.
Überschüssigen Solarstrom können Unternehmen ins öffentliche Netz einspeisen und damit Erlöse erzielen. Abhängig von der Größe der Anlage erfolgt die Vermarktung über die Einspeisevergütung oder die Direktvermarktung; für größere Anlagen ist die Direktvermarktung verpflichtend. Alternativ kann ein Batteriespeicher dazu beitragen, mehr Solarstrom selbst zu nutzen. Außerdem gibt es auch für größere Anlagen Ausschreibungen. Diese sind aber in der Regel an eine Volleinspeisung des erzeugten Stroms gekoppelt.
Ja, auch auf gemieteten Gewerbeimmobilien ist Photovoltaik grundsätzlich möglich. Mögliche Grundlagen dafür sind Mieterstrommodelle, eine vertraglich geregelte Direktstromlieferung oder Modelle in Verbindung mit einer Dachpacht.
Photovoltaik lohnt sich für Unternehmen besonders, wenn sie einen hohen Strombedarf tagsüber haben und einen großen Teil des erzeugten Solarstroms selbst verbrauchen können. Ein passendes Lastprofil, geeignete Dachflächen, die Investitionskosten und eine langfristige Nutzung des Standorts bestimmen maßgeblich die Wirtschaftlichkeit. Je höher der Eigenverbrauch, desto größer ist in der Regel der finanzielle Vorteil gegenüber dem Strombezug aus dem Netz.
Ein Batteriespeicher ist kein Muss. Er kann sich jedoch lohnen, wenn Unternehmen damit den Eigenverbrauch erhöhen, Lastspitzen reduzieren oder Strom zeitlich flexibler nutzen können.
Unser Experte empfiehlt: Prüfen Sie zunächst Stromverbrauch, Lastprofil und verfügbare Flächen und lassen Sie auf dieser Grundlage verschiedene Anlagengrößen und Betreibermodelle durchrechnen. Eine unabhängige Beratung erleichtert die Entscheidung.

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