Informationssicherheit
Relevante Rollen und Aufgaben der Informationssicherheit für Ihr Unternehmen.

Laut einer Bitkom-Studie vom September 2025 verursachten analoge und digitale Angriffe Schäden von 289 Milliarden Euro in der deutschen Wirtschaft. Davon entfielen 202,4 Milliarden Euro auf Cyberangriffe. Eine resiliente Informationssicherheit ist daher zentral für die Geschäfts- und Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Eine der Voraussetzungen dafür ist eine klare Rollen- und Aufgabenverteilung.
Die IT-Sicherheit ist ein Teil der Informationssicherheit. Während es bei der IT-Sicherheit um den Schutz von Informationen mithilfe von Informationstechnologie (IT) – also um die technischen Aspekte – geht, ist die Informationssicherheit deutlich weiter gefasst. Hier sind unter anderem auch räumliche, personelle, organisatorische und andere Aspekte relevant. Dieses erweiterte Verständnis spiegelt sich auch in den verschiedenen Rollen, Aufgaben und Funktionen im Bereich der Informationssicherheit wider.
Informationen sind für jedes Unternehmen wertvolle Güter und müssen daher geschützt werden. Denn laut Christoph Thiel, Professor für Informationssicherheit an der FH Bielefeld, können Unternehmen, die ihre Daten nicht ausreichend schützen, langfristig nicht wettbewerbsfähig bleiben. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Personaldaten, das Know-how der Mitarbeitenden oder eine geheime Rezeptur handelt. Wie beim Schutz personenbezogener Daten ist auch bei allen anderen Informationen ein sicherer und verantwortungsvoller Umgang erforderlich.
Damit ist nicht gemeint, dass ein Unternehmen ein bestimmtes Tool oder eine bestimmte Methode nutzen muss. Entscheidend ist vielmehr, dass ein Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) eingeführt wird. Dieses umfasst alle Prozesse, Regeln und Maßnahmen, die zum Schutz von Informationen erforderlich sind. Das Unternehmen muss dabei den Überblick über seine Informationssicherheit behalten und die Umsetzung der festgelegten Maßnahmen sicherstellen können.
Informationssicherheit ist die Aufgabe aller Beschäftigten. Die Verantwortung reicht von der Unternehmens- oder Behördenleitung, die die strategischen Rahmenbedingungen festlegt, bis zu den Mitarbeitenden, die die entsprechenden Vorgaben im Arbeitsalltag umsetzen. Nach Auffassung des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) sollen alle Beteiligten „auf den Sicherheitsprozess hinwirken und bei diesem mitwirken.“
Darüber hinaus gibt es verschiedene Rollen im Bereich Informationssicherheit. Zwar sind diese mit Ausnahme kritischer Infrastrukturen meist weder normiert noch gesetzlich vorgeschrieben. Dennoch kommt kaum ein Unternehmen ohne entsprechende Verantwortlichkeiten aus. „In dem Moment, in dem Informationen für Unternehmen wichtig sind, braucht man jemanden, der zumindest eine dieser Rollen übernimmt“, sagt Prof. Christoph Thiel.
Bei der Informationssicherheit gibt es folglich nicht eine einzige Person, die für das gesamte Unternehmen verantwortlich ist – in der Informationssicherheit müssen alle im Unternehmen mitarbeiten!
Neben diesen Rollen, die die grundlegenden Anforderungen der Informationssicherheit erfüllen, können abhängig von Größe, Struktur und Risikoprofil eines Unternehmens weitere Funktionen sinnvoll sein. Dazu zählen beispielsweise Risikomanger, Notfallbeauftragte beziehungsweise Business-Continuity-Manager sowie lokale Sicherheitsmanager an verschiedenen Standorten.
Um im Unternehmen Aufgaben im Bereich der Informationssicherheit zu übernehmen, sind bestimmte Soft Skills hilfreich. Verschiedene Fortbildungen helfen dabei, sich die erforderlichen Kenntnisse für die Aufgaben und Rollen in der Informationssicherheit anzueignen.
Die Person sollte:
Durch verschiedene Fortbildungen, Praxiserfahrung und die genannten Soft Skills kann man die Aufgaben des Informationssicherheitsbeauftragten im Unternehmen übernehmen.
In vielen Rollenbereichen gibt es zahlreiche Aufgabenüberschneidungen, sodass es sinnvoll erscheinen kann, mehrere Funktionen in einer Person zu bündeln. Das sei nicht grundsätzlich falsch – es hänge aber stark von der Unternehmensgröße und -struktur ab. „In einem kleinen Unternehmen mit 20 Mitarbeitenden ist es vollkommen legitim und oft notwendig, dass eine Person gleichzeitig als CISO, ISO und Business Continuity Beauftragter agiert. Ab einer gewissen Unternehmensgröße – etwa ab 250 Mitarbeitenden oder sobald das Unternehmen in mehrere Standorte oder komplexe Organisationsbereiche aufgeteilt ist – wird die Rollentrennung sinnvoller und notwendiger“, gibt Prof. Christoph Thiel zu verstehen.
Das eigentliche Risiko liege in der entstehenden Überlastung: Wer zu viele Hüte trage, könne keine Rolle wirklich mit der erforderlichen Tiefe ausfüllen. Kritisch sei es vor allem, wenn Kontrollfunktionen und operative Funktionen in einer Hand lägen, z. B. wenn ein und dieselbe Person sowohl für die Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen als auch für deren Auditierung zuständig sei. An dieser Stelle bestehe ein strukturelles Potenzial für Interessenkonflikte.
„Als Faustregel gilt: Kleinere Unternehmen (bis etwa 50 Mitarbeitenden) können mehrere Rollen bündeln, sollten aber die Verantwortlichkeiten klar dokumentieren. Mittlere Unternehmen (zwischen 50 und 250 Mitarbeitenden) sollten zumindest ISO und CISO als Funktionen voneinander trennen, auch wenn es dieselbe Person bleibt. Große Unternehmen und KRITIs benötigen klar getrennte Rollen mit eigenen Stellenprofilen und ausreichend Ressourcen“, ergänzt der Experte.
Neben einer effizienten Rollen- und Ressourcenverteilung spielt auch das Verhalten bei Hackerangriffen selbst eine große Rolle. Wie lässt sich aber Panik im Ernstfall vermeiden oder bewältigen? „Panik entsteht, wenn Menschen in einer Krise nicht wissen, was sie tun sollen“, warnt Prof. Christoph Thiel. „Ein gut ausgearbeiteter und regelmäßig geübter Incident-Response-Plan gibt allen Beteiligten klare Handlungsanweisungen für den Ernstfall. Wer weiß, was zu tun ist, handelt. Wer es nicht weiß, gerät in Panik.“
Konkret bedeute das: Unternehmen sollten im Vorfeld definieren, wer bei einem Sicherheitsvorfall welche Aufgaben übernimmt – von Security-Manager:innen über die Kommunikationsverantwortlichen bis hin zur Geschäftsführung. Diese Zuständigkeiten müssten bekannt sein, bevor ein Angriff stattfinde. Hinzu kämen regelmäßige Übungen, etwa sogenannte Tabletop-Exercises oder sogar simulierte Angriffe (Red-Team-Übungen), damit Teams unter Druck handlungsfähig blieben.
Der Experte nennt noch einmal drei Maßnahmen, die im Ernstfall helfen können. „1. Ruhe bewahren durch eine klare Führung. 2. Konsequente Kommunikation – intern wie extern –, um Gerüchte und Fehlinformationen zu vermeiden. 3. Das Einhalten des Incident-Response-Plans, auch wenn der Druck groß ist, spontan zu handeln.“
Die TÜV NORD Akademie bietet ein breites Spektrum an Weiterbildungen, die auf die oben beschriebenen Rollen vorbereiten. Die Angebote richten sich sowohl an Einsteiger als auch an erfahrene Fachkräfte, die ihr Wissen vertiefen oder zertifizieren möchten.
Alle Schulungen können als offene Seminare oder als Inhouse-Training gebucht werden. Die TÜV NORD Akademie ist dabei als anerkannte Bildungseinrichtung für viele Förderprogramme qualifiziert, was die Finanzierung der Weiterbildung erleichtern kann.

Bereit für den nächsten Karriereschritt? Wir bieten Ihnen praxisnahes Wissen und wertvolle Impulse!

Berufliche Weiterbildung hat viele Gesichter und trägt maßgeblich zum Erfolg der Mitarbeitenden sowie des ganzen Unternehmens bei. In unserem Blog "Wissen kompakt" lesen Sie Fachbeiträge zu aktuellen Fragestellungen, die jetzt und in der Zukunft Ihre Arbeitswelt bestimmen.
Unser Blog richtet sich an Fach- und Führungskräfte jeden Alters und jeder Unternehmensgröße, an berufliche Einsteiger genauso wie an erfahrene Arbeitskräfte.
Unser Podcast ist die Antwort auf den Wunsch, unsere Inhalte in einem modernen Format zugänglich zu machen, das bequem nebenbei konsumiert werden kann.
