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Welche Vorteile bietet das vernetzte Fahren?

Schon heute sammelt jedes Auto über die Bordelektronik jede Menge Daten. Was wäre, wenn jeder Verkehrsteilnehmer diese Daten mit anderen teilt, indem relevante Informationen per WLAN an andere Autos im Umfeld weitergegeben werden und welche Vorteile ergeben sich daraus?

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Car-2-Car-Communication – so funktioniert’s

Bei der Car-2-Car-Communication werden zwischen fahrenden Fahrzeugen standardisierte Nachrichten und Informationen ausgetauscht, wie beispielsweise Fahren im Schritttempo, plötzliches Bremsen oder stehender Verkehr. Die von einem Fahrzeug gesendeten Funktelegramme enthalten die vom GPS-System ermittelte Fahrzeugposition sowie die Zeit- und Geschwindigkeitsangabe. Bleibt beispielsweise ein Fahrzeug liegen, sendet es mit den Daten aus dem Navigationssystem den Hinweis auf seinen Standort. So wird jedes Ereignis codiert per WLAN übertragen. Außerdem wird der Bereich festgelegt, in dem andere Fahrzeuge gewarnt werden.

Die Fahrzeuge, die die Funktelegramme empfangen, arbeiten als Repeater und verbreiten die Nachricht weiter, wodurch der Informationsraum größer wird. Wie weit die Nachricht verbreitet wird, hängt von dem Bereich ab, der für das Ereignis relevant ist. Bei einer kurzen Bremsung ist die Relevanzzone natürlich wesentlich kleiner als bei einem Hinweis auf einen Unfall oder Stau.

Sicherheitsrelevante Anwendungen

Zu den sicherheitsrelevanten Anwendungen mit einer großen Reichwiete gehören z.B. auch rechtzeitige Informationen über Straßen- und Verkehrsverhältnisse wie Glatteis, Aquaplaning sowie Unfälle und liegengebliebene Fahrzeuge. Weitere, den Verkehrsfluss betreffende Informationen, sind Hinweise über Ampelphasen, Stop-and-Go-Fahrten oder ständiges Anfahren und Anhalten an Baustellen.

Anhand dieser Informationen kann jeder Verkehrsteilnehmer sein Fahrverhalten anpassen und muss dadurch viel weniger abbremsen. Fahren wird dadurch wesentlich effizienter. Der Straßenverkehr wird aber natürlich auch sicherer, da gefährliche Situationen wie Auffahrunfälle durch abruptes Abbremsen oder Stau schon im Vorfeld entschärft werden könnten.

V2X Kommunikation – Auch stationäre Verkehrsteilnehmer reden bald mit

Die nächste Stufe ist ebenfalls schon in der Planung: „Vehicle-2-X“ heißt diese erweiterte Kommunikation, die auch stationäre Verkehrsteilnehmer einschließt. Mit V2X sind alle Techniken zusammengefasst bei denen das Fahrzeug mit einer anderen Einheit wie z.B. einem anderen Fahrzeug, Intelligent Roadside Stations (IRS) oder Funkbaken kommuniziert und so Informationen über den Straßenzustand, Staus, Unfälle, Personen auf der Fahrbahn und andere mögliche Beeinträchtigungen erhält.

Immer Grüne Welle – wenn Ampeln das Tempo vorgeben

Es gibt bereits Versuche von Autoherstellern, Verkehrsampeln als Informations-Schnittstelle zu nutzen: Nähert sich ein Fahrer einer Ampel, erhält er schon 600 Meter vor der Ampel Auskunft darüber, ob ihn bei gleich bleibendem Tempo „rot“ oder „grün“ erwartet. In Kooperation mit der Datenauswertung im Fahrzeug wird darüber hinaus berechnet, mit welchem Tempo gefahren werden muss, um eine „Grüne Welle“ zu haben. Diese Information landet dann innerhalb von Millisekunden auf dem Display im Auto.

Auch Baustellenanhänger, die vor Tagesbaustellen aufgestellt werden, könnten eine sogenannte Road Side Unit (RSU) bestehend aus Rechner und Funkgerät erhalten und so Fahrer rechtzeitig warnen.

Parken und bezahlen – weitere Anwendungsmöglichkeiten von V2X

Natürlich sind neben sicherheitsrelevanten Aspekten auch Anwendungen denkbar die den Komfort betreffen. Die Parkplatzsuche wäre eine solche Anwendung. So könnten in Zukunft Parkhäuser die Zahl freier Stellplätze per WLAN an vernetzte Fahrzeuge weitermelden. Auch beim Waschen, Tanken oder auch beim Drive-in könnte sich das Auto selbstständig anmelden, identifizieren und sogar auch automatisch per Kreditkarte bezahlen. Als weiterer Schritt ist auch eine Verankerung in Mobilitätsdienstleistungen wie Car-Sharing, Mitfahr-Zentralen oder öffentlicher Nahverkehr denkbar.

Autonomes Fahren – Zukunftsmusik oder bald schon Realität?

Mit Car-2-Car-Communications kommen wir dem autonomen Fahren ein großes Stück näher. Zehn Prozent des rollenden Bestands, so schätzen Experten, müssen angeschlossen sein, damit das System flächendeckend funktioniert. Wann das erste Auto mit C2C-Communication auf den Markt kommt, ist aktuell noch nicht bekannt. Derzeit würde die Aufrüstung wohl noch eine fünfstellige Summe kosten – in Serie produziert dürften die Kosten jedoch deutlich niedriger ausfallen.

Vom Fahr-Assistenzsystem zum autonomen Fahren

Die Kombination vieler bereits weitgehend verfügbarer Assistenten von Abstandsradar, Spurhalteassistent, Totwinkelwarner und Tempomat sowie Parkassistent kommt dem autonomen Auto schon sehr nahe.


Derzeit testet Automobil-Zulieferer Continental 
bereits einen Notlenk-Assistent. Taucht ein Hindernis auf, wird es von der Kamera aufgenommen und vom Rechner identifiziert. Eine Warnung erscheint auf dem Display und ein akustisches Warnsignal ertönt. Reagiert der Fahrer nicht, berechnet das System blitzschnell die Ausweichbewegung, lenkt ein und bremst zugleich über ESP sanft ab.

Letzten Endes stellt die Car-2-X-Communication jedoch nur einen Übergang dar: Das Auto lernt mit Hilfe von immer mehr Computern und Assistenten nicht nur selbst denken, sondern auch selbst fahren. Die steigende Anzahl solcher Systeme und ihre zunehmende Anbindung an das Internet machen aus ihnen mehr als die Summe ihrer Teile: ESP-Sensoren melden künftig vereiste Straßenabschnitte, Kameras sammeln Daten zu Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Nebel, Falschfahrer-Warnungen in quasi Echtzeit lassen sich auf einfache Weise umsetzen.

Weniger Unfälle durch vernetzte Mobilität

Wenn 2025 bereits ein Großteil der Autos vernetzt sind, hätte das erhebliche Auswirkungen, auf die Sicherheit im Straßenverkehr: Nach Modellrechnungen von Bosch und Prognos für Deutschland, die USA und China könnten in allen drei Ländern dann 260.000 Unfälle mit Verletzten jährlich allein dadurch verhindert werden, dass viele Fahrzeuge mit dem Internet verbunden sind und bestimmte Sicherheitssysteme an Bord haben. Allein in Deutschland würden demnach 30.000 Unfälle mit Personenschaden weniger passieren, wodurch es 37.000 weniger Verletzte gäbe. Außerdem würden hierzulande bis zu 450 Millionen Euro weniger Sach- und Schadenskosten durch vernetzte Assistenzsysteme anfallen.

Weniger Kraftstoffverbrauch und Emissionen

Darüber hinaus hätte die vernetzte Mobilität auch Einfluss auf Kraftstoffverbrauch und Emissionen: Knapp 400.000 Tonnen CO2 werden nach der Hochrechnung dank vernetzter Funktionen eingespart – so viel, wie der Nationalpark Schwarzwald in drei Jahren speichern kann. Aktives Parkraum-Management könnte den Parkplatz-Suchverkehr um bis zu 380 Millionen Kilometer vermindern.

Da jeder Stopp einen höheren Benzinverbrauch verursacht, könnten laut Berechnungen von Audi durch die Vermeidung von Stopps und Staus vor Ampeln, Unfallorten und Baustellen jährlich 12 Milliarden Liter Kraftstoff in Deutschland eingespart werden.