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Risikobasiertes Denken ist im Grunde etwas, das wir alle bereits automatisch tun: In vielen klassischen Alltagssituationen wägen wir die Risiken und Chancen bestimmter Handlungen ab. Welche positiven oder negativen Konsequenzen erwarten mich, wenn ich auf eine bestimmte Art und Weise handele? Bezahle ich beispielsweise etwas per Online-Banking ist mir die Gefahr, möglicherweise Opfer von Cyberkriminalität zu werden, durchaus bewusst. Dennoch ist es die unkomplizierteste Art und Weise, um bequem von zu Hause aus zu bezahlen.

Im unternehmerischen Umfeld verhält es sich kaum anders: Wenn Firmen Chancen auf dem Markt nutzen möchten, gehen sie immer auch Risiken ein. Dabei müssen sie entscheiden, welche Risiken sie auf sich nehmen und welche Chancen sie wahrnehmen möchten. Diese Risiken und Chancen werden für Unternehmen zunehmend komplexer und sind deshalb nicht mehr so leicht vorherzusehen. Die Revisionen bekannter Managementsystemnormen (ISO 9001:2015, ISO 14001:2015 oder ISO 50001:2018) reagieren darauf mit dem Ansatz des risikobasierten Denkens. Damit verankern sie die Pflicht, sich kontinuierlich mit möglichen Auswirkungen von Entscheidungen zu beschäftigen.

Risikobasiertes Denken – was heißt das?

Der Ansatz des risikobasierten Denkens fordert von Unternehmen, dass sie sich mit den für sie bestehenden Risiken und Chancen proaktiv auseinandersetzen und diese identifizieren. Statt auf bereits eingetretene Folgen zu reagieren, planen Firmen bereits im Vorfeld gezielt, wie sie mit potenziellen positiven oder negativen Auswirkungen verfahren. Die Betrachtung der Risiken und Chancen kann sich zum Beispiel auf Investitionen, die eigene Infrastruktur, Innovationen, Beteiligungen, Energieversorgungssicherheit oder finanzielle Aspekte beziehen. Eine Identifizierung muss die folgenden vier Punkte berücksichtigen:

  • Beabsichtigte Ziele müssen sichergestellt,
  • erwünschte Auswirkungen (Chancen) verstärkt,
  • unerwünschte Auswirkungen (Risiken) verringert bzw. vermieden und
  • Verbesserungen erreicht werden.

Wurden bestehenden Risiken und Chancen erkannt, muss die Organisation entsprechende Maßnahmen für das weitere Vorgehen planen. Beispielsweise kann ein Unternehmen ein bestimmtes Risiko auf sich nehmen, um dadurch eine Chance zu erreichen. Oftmals stecken aber bereits in der Vermeidung von Risiken unternehmerische Chancen.

Strategisches Vorgehen

Das strategische Vorgehen erfolgt in mehreren Schritten:

1) Identifizierung von Risiken und Chancen des eigenen Unternehmens

2) Analyse und Priorisierung dieser Risiken und Chancen: Welche Risiken sind akzeptabel, welche nicht? Welche Chancen sollten genutzt werden?

3) Planung von Maßnahmen: Wie kann ein Risiko verringert oder ganz verhindert werden? Wie können Chancen realisiert werden?

4) Umsetzung der geplanten Maßnahmen

5) Bewertung der durchgeführten Maßnahmen

6) Lernen aus Erfahrung: z.B. eine kontinuierliche Verbesserung der Umweltleistung oder die Sicherung energiebezogener Leistung

Generell müssen Unternehmen diesen Prozess nicht dokumentieren, jedoch nachweisen, wie und welche Maßnahmen in Bezug auf Risiken und Chancen umgesetzt werden. Dabei gibt es keine festgeschriebene Form. Es ist also gleichrangig, ob Firmen für die Betrachtung der Risiken eine Matrix erstellen oder die jeweiligen Chancen und Risiken in der Dokumentation der Prozesse erläutern.

Risikobasiertes Denken vs. Risikomanagement

Risikobasiertes Denken ist vom Begriff des Risikomanagements abzugrenzen. Geht es beim Risikomanagement um die Bewertung von Risiken, steht beim risikobasierten Denken nur die Identifizierung im Fokus. Neben den nachteiligen Risiken betrachtet der risikobasierte Ansatz aber auch die vorteilhaften Chancen. Hierin besteht ein weiterer Unterschied zum Risikomanagement. Chancen erlauben die Wahrnehmung von Möglichkeiten am Markt oder im Betrieb und sind vor allem für Innovationen und Weiterentwicklungen von großer Bedeutung. In der Praxis wird die Betrachtung der Chancen häufig vernachlässigt. Bei Audits – zumindest in Deutschland – ist auffällig, dass die Risiken in den Vordergrund gestellt werden, anstatt sich zu fragen, was potenziell möglich wäre.

Welche Vorteile ergeben sich durch das risikobasierte Denken?

  • Vorbeugung statt Korrektur: statt auf Ereignisse zu reagieren, ergreifen Unternehmen bereits im Vorfeld proaktive Maßnahmen
  • Unerwünschte Auswirkungen werden verringert oder ganz verhindert
  • Berücksichtigung von Risiken und Chancen bei der strategischen Planung und operativen Umsetzung
  • Erhöhung der Wahrscheinlichkeit, gesetzte Ziele auch zu erreichen
  • Herausbildung einer guten Wissensbasis
  • Verbesserung des Kundenvertrauens und der Kundenzufriedenheit

Unsere Erfahrung zeigt, dass die meisten Firmen mit einer Zertifizierung nach ISO 9001:2015 das risikobasierte Denken verinnerlicht haben und entsprechend anwenden. Die langfristigen Erfolge aus diesem Ansatz werden sich in ein paar Jahren zeigen.

                                                                                                                                                                                                                                    Stand: 16.11.2018

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