MENU

Thomas F. Voigt ist von der IHK Rhein-Neckar öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schädlingsbekämpfung im Gesundheits- und Vorratsschutz. Seit 1985 arbeitet er unter anderem als freier, unabhängiger Berater für Lebensmittelbetriebe sowie als Auditor in den Themenbereichen Schädlinge, Prophylaxe und Bekämpfung. Seine Aufgaben für Lebensmittelbetriebe bestehen primär darin, die Dienstleistung Schädlingsbekämpfung zu kontrollieren und bei Fehlern, entsprechende Korrekturen vorzugeben. Dazu gehört ebenso die Schulung des verantwortlichen Personals in den Lebensmittelbetrieben.

Worauf kommt es beim Schädlingsmanagement wirklich an?

Es geht in der heutigen Zeit primär darum, das unternehmerische Schädlingsmanagement professionell zu steuern. Das heißt, den jeweiligen Dienstleister ziel- und qualitätsorientiert mit konkreten Vorgaben zu managen. Dazu zählt selbstverständlich auch, dass die durchgeführten Maßnahmen nach Abschluss der Arbeiten sowohl fachlich als auch sachlich überprüft werden müssen.

Worauf sollten Firmen bei der Auswahl eines Schädlingsbekämpfers achten?

Die Auswahl eines Dienstleisters, so auch beim Schädlingsbekämpfer, ist immer schwierig. Mit vollmundigen Versprechungen locken viele Anbieter – aber letztlich kann man die Leistung eines Dienstleisters meist erst nach erbrachter Leistung realistisch beurteilen.

Welche Fehler beobachten Sie immer wieder in der Praxis bei den Firmen und was kann man dagegen tun?

Die häufigsten Fehlerursachen liegen sowohl in der Schädlingsprophylaxe als auch in der Schädlingsbekämpfung. Effizient arbeitende Monitoringsysteme zur Prophylaxe werden teilweise völlig falsch und nicht betriebsspezifisch installiert, was ihren Nutzen gegen Null tendieren lässt. Bei der Schädlingsbekämpfung stelle ich häufig fest, dass noch immer veraltete, nicht zeitgemäße Verfahren eingesetzt werden. Um derartige Fehler, Mängel und Versäumnisse rund um die Dienstleistung zu erkennen, sollte man am besten einmal jährlich die Dienstleistung von einem neutralen Sachverständigen überprüfen lassen.

Wie wichtig ist es, dass der Dienstleister für Schädlingsbekämpfung nach den Grundsätzen der integrierten Schädlingsbekämpfung arbeitet? (Integrated Pest Management/ IPM)

Die Grundsätze des IPM sollten heute eigentlich Standard sein. Aber das IPM ist längst nicht mehr State-of-the-Art: Bei der heutigen Gesetzgebung und den heutigen Standards sind betriebsspezifische Lösungen gefragt, die speziell die individuellen Bedürfnisse eines Lebensmittelbetriebs berücksichtigen. Dazu gehört auch, dass in Prophylaxe und Bekämpfung zeitgemäße Verfahren zum Einsatz kommen und nicht „olle“ Kamellen des letzten Jahrhunderts. Aktuelle gesetzliche Vorgaben fordern, dass Mensch und Umwelt durch die Schädlingsbekämpfung nicht gefährdet werden.

Sollten Firmen zum Beispiel auf eine bestimmte Zertifizierung bei der Auswahl des entsprechenden Dienstleisters achten?

Ja, es gibt seit letztem Jahr eine fachspezifische Zertifizierung für Schädlingsbekämpfer, nämlich die Zertifizierung nach DIN EN 16636. Sie ist zwar nicht immer ein Garant für 100% korrekte Arbeit, jedoch dokumentiert eine solche Zertifizierung, dass ein Dienstleister prinzipiell in der Lage ist, korrekt zu arbeiten. Wie sich dies im konkreten Fall vor Ort gestaltet, kann naturgemäß keine einmalige Zertifizierung garantieren.

Welche Rolle spielen präventive Maßnahmen der Schädlingsvermeidung und Schädlingsfrüherkennung?

Maßnahmen zur Schädlingsvermeidung und -früherkennung spielen in der heutigen Zeit eine elementare Rolle. Salopp gesagt: Man wartet heute nicht mehr bis die Kakerlaken von der Decke fallen. Stattdessen ermittelt man in einer Gefahrenanalyse, welche Schädlinge zum Problem werden können, und setzt dann zielgerichtet Maßnahmen zur Schädlingsprophylaxe ein. Der Markt bietet hier reichhaltige Möglichkeiten. Allerdings muss man die Biologie der Schädlinge kennen, um letztendlich den gewünschten Erfolg zu haben. Diese Schädlingsprophylaxe schreiben übrigens auch die aktuellen Gesetze und Standards vor. Aber das ist keine Einmannaufgabe: Lebensmittelbetriebe sind hier genau so gefragt, wie der Schädlingsbekämpfer.

Wohin entwickelt sich der Sektor des Schädlingsmanagements in den kommenden Jahren?

Ja, schwer zu sagen. Aber wünschenswert wäre es, dass zukünftig die Verantwortlichen in den Lebensmittelbetrieben die Zügel aktiver in die Hand nehmen. Wünschen würde ich mir auch, dass Prophylaxe und Prävention weiter an Bedeutung gewinnen und Bekämpfungsmaßnahmen nicht mehr die Regel sind, sondern nurmehr als Ausnahmen ins Spiel kommen.

                                                                                                                                                                                                                                    Stand: 30.01.2019

Zertifizierung

Anrufe aus Österreich und der Schweiz: +49 511 998-61222
Anrufe aus Deutschland (kostenlos):

0800 245-7457

info.tncert@tuev-nord.de

Um Ihnen ein angenehmes Online-Erlebnis zu ermöglichen, setzen wir auf unserer Webseite Cookies ein. Durch die Zustimmung auf tuev-nord.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitergehende Informationen, z.B. wie Sie der Verwendung von Cookies jederzeit widersprechen können, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und Datenschutz-Einstellungen.