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Nachhaltigkeitsstrategie für Unternehmen

Nachhaltigkeitsstrategie für Unternehmen

Beitrag vom 16.03.2022

Zur Themenwelt Nachhaltig wirtschaften

Wie Unternehmen eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln und umsetzen

Klimawandel, Artensterben, ein wachsendes Bewusstsein für Menschenrechte und Gleichberechtigung, steigende Energiepreise: Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen gewinnt das Thema Nachhaltigkeit an Bedeutung in der Wirtschaft. 

Große Konzerne in Deutschland haben es schon länger auf dem Schirm. Denn neue gesetzliche Anforderungen richten sich oft zunächst an größere Unternehmen. Aber auch der Mittelstand ist zunehmend betroffen. Dabei ist aller Anfang schwer. Das beginnt bei der Frage, was Nachhaltigkeit im Unternehmenskontext bedeutet.  

Wir haben uns mit Janna Eilers, Projektleiterin bei der uniconsult GmbH, darüber unterhalten, wie sich Nachhaltigkeit im Unternehmen umsetzen lässt, welche Fehlerquellen dabei lauern und wie ein Nachhaltigkeitsmanagement helfen kann.  

Warum eine Nachhaltigkeitsstrategie für Unternehmen immer wichtiger wird

Es gibt viele gute Gründe, warum immer mehr Unternehmen eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen wollen: 

  • Präsenz des Themas: Ob in der politischen Debatte oder in den Medien, das Thema Nachhaltigkeit ist omnipräsent. Das schlägt sich in den Erwartungen an Unternehmen nieder. Nachhaltiges Wirtschaften wird immer wichtiger für das eigene Image, und dieses ist ein wichtiger Erfolgsfaktor.  
  • Rechtliche Anforderungen: In der jüngsten Zeit wurden verschiedene Gesetze verabschiedet oder entworfen, die eines gemeinsam haben: Sie verpflichten Unternehmen, sich um das Thema Nachhaltigkeit zu kümmern.  Dazu gehört der Entwurf zur Reform der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive). Er weitet die Pflichten zur Nachhaltigkeitsberichterstattung deutlich aus. Das neue deutsche Lieferkettengesetz gilt zwar nur für Unternehmen ab einer bestimmten Größe, doch Entwürfe für ein europäisches Lieferkettengesetz deuten an, dass bald auch kleinere Betriebe in die Pflicht genommen werden. Bereits heute reichen Konzerne die an sie gestellten Anforderungen an Zulieferer weiter.  Zudem macht die EU-Taxonomieverordnung insbesondere kapitalmarktorientierten Unternehmen Vorgaben mit dem Ziel, Finanzströme in nachhaltigere Aktivitäten umzulenken.  
  • Wachsende Bedeutung von Compliance: Parallel zu rechtlichen Entwicklungen und gesellschaftlichen Diskursen steigt das Risikobewusstsein in Unternehmen. „Niemand will gegen geltende Gesetze verstoßen und ein negatives Image riskieren“, meint Janna Eilers. 
  • Stellenwert bei der Arbeitssuche: Vor allem junge Fachkräfte achten bei der Jobsuche darauf, wie Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit aufgestellt sind.  
  • Werteorientierung: In vielen familiengeführten Unternehmen beispielsweise existiert ein persönliches Interesse an Nachhaltigkeit. Gerade hier achtet man oft schon lange auf eine werteorientierte Mitarbeiterführung und langfristige Prozesse.  

Alle diese Gründe führen dazu, dass sich Nachhaltigkeit in manchen Branchen zu einer Voraussetzung entwickelt, um wettbewerbsfähig zu bleiben.  

Mehr als CO2 einsparen: Was bedeutet Nachhaltigkeit für Unternehmen?

Ein Irrtum ist laut Janna Eilers weit verbreitet. „Viele Unternehmen verwechseln Nachhaltigkeit mit Klimaschutz.“ Schließlich sei Letzterer besonders prominent in Debatten. Außerdem sei er oft direkt gekoppelt mit finanziellen Aspekten, Stichwort CO2-Bepreisung. 

Allerdings ist das Einsparen von CO2 nur einer von vielen Bestandteilen von Nachhaltigkeit.  

Eine nachhaltige Unternehmensstrategie richtet sich an den drei Säulen der Nachhaltigkeit aus: 

Ökologie

Soziales

Ökonomie

Damit kann sie so unterschiedliche Bereiche umfassen wie 

  • Nutzung erneuerbarer Energien, 
  • energieeffiziente Produktionsprozesse, 
  • soziale Gerechtigkeit, 
  • Gesundheitsförderung, 
  • Chancengleichheit, 
  • Menschenrechte, 
  • Diversity, 
  • Abfallmanagement,
  • Ressourcenschonung, 
  • Governance, 
  • usw. 

Nachhaltigkeit ist also ein weites Feld. Das macht es wichtig, Handlungsfelder klar zu definieren und einzugrenzen.  

Eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln – Maßnahmen und Orientierungshilfen

Der erste Schritt, um mehr Nachhaltigkeit in Unternehmen zu integrieren und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, besteht laut Janna Eilers in einer Wesentlichkeitsanalyse.  

Zentrale Fragen dabei sind: 

  • Wo wirken sich die eigenen Geschäftstätigkeiten auf soziale Belange, Umweltbelange und gesellschaftliche Belange aus? 
  • Wo kann ich Einfluss nehmen? 
  • Was ist für meine Stakeholder relevant? 

Die Antworten lassen sich mithilfe von Analysen, Umfragen, Interviews oder Workshops in Zusammenarbeit mit den eigenen Stakeholdern ermitteln. Dazu gehören Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Gesellschafterinnen und Gesellschafter, aber auch Zulieferer oder Investorinnen und Investoren.  

Anhand der Ergebnisse können Unternehmen Handlungsfelder definieren und priorisieren. Dabei ist es wichtig, Vorhandenes zu berücksichtigen und darauf aufzubauen. Wenn Unternehmen ein Umweltmanagementsystem besitzen, decken sie beispielsweise den Themenbereich Umwelt ab.  

Außerdem empfiehlt Janna Eilers folgende Orientierungshilfen für die Verankerung einer Nachhaltigkeitsstrategie in Unternehmen:  

Ein Nachhaltigkeitsmanagement sorgt für einen festen Rahmen

Um die eigene Nachhaltigkeitsstrategie in einer Organisation zu verankern, bietet sich ein Nachhaltigkeitsmanagement nach dem PDCA-Zyklus an. Dieses lässt sich zwar aktuell nicht zertifizieren, sorgt aber für klare Prozesse und eindeutig definierte Kennzahlen.  

Orientieren können sich Unternehmen dabei an der ISO 26000. Außerdem rät Janna Eilers, vorhandene Standards wie die ISO 14001 oder eMAS zu nutzen. Mit integrierten statt parallel existierenden Managementsystemen profitieren Betriebe von Synergien.  

Know-how hilft, Nachhaltigkeit in Unternehmen zu verankern

Für Janna Eilers steht fest: „Viele Unternehmen im Mittelstand haben die Bedeutung von Nachhaltigkeit erkannt und wollen in dem Bereich aktiv werden.“ Allerdings haben sie mit Herausforderungen zu kämpfen, zum Beispiel bei der Identifikation von Handlungsfeldern oder der Verankerung von Nachhaltigkeit in den Unternehmenszielen – vor allem, wenn sie am Anfang stehen. 

Hilfreich bei der Bewältigung dieser Herausforderungen ist neben Ressourcen fundiertes Know-how. Auch über dieses verfügen Konzerne oft schon länger. Mittlere und kleinere Unternehmen können es erwerben und so ihre Nachhaltigkeitsstrategie optimieren. Denn eines ist sicher: Der Trend zur Nachhaltigkeit wird sich fortsetzen.  

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