Unternehmensführung
Vorsorge ist besser als Nachsorge – lesen Sie, warum ein Risikomanagement auch für kleine Unternehmen sinnvoll ist.

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Die Zeiten, in denen Verantwortliche auf das Thema Risikomanagement vor allem mit Desinteresse reagierten, sind vorbei. Dr. Gerhard Gietl, Geschäftsführer von VIA Management Consulting, erinnert sich gut an diese Ära der Sorglosigkeit. Doch die Weltlage hat sich drastisch verändert:
In diesem Artikel erfahren Sie, warum ein Risikomanagement für Unternehmen jeder Größe wichtig ist, welche Vorteile ein zertifiziertes Risikomanagementsystem hat und warum es oft sinnvoll ist, eine Risikomanagementstrategie einfach zu halten.
Grundsätzlich ist es für alle Unternehmen sinnvoll, Risiken systematisch zu identifizieren und zu analysieren sowie – je nach Ergebnis der Analyse – geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Immer öfter ist es sogar Pflicht.
| Gesetz | Zielgruppe | Kernanforderung |
| KonTraG | Mittelgroße/Große Kapitalgesellschaften | Früherkennungssystem Kommunikationsstruktur |
| StaRUG | Alle Unternehmensformen | Pflicht bei drohender Zahlungsunfähigkeit in den nächsten 24 Monaten |
Herausgreifen lassen sich in diesem Zusammenhang zwei zentrale Gesetze:
Seit 2008 gibt es einen weltweit gültigen Standard im Bereich Risikomanagement: die DIN ISO 31000. Dabei handelt es sich um eine allgemein gehaltene Norm, die Leitlinien für den Aufbau eines Risikomanagementsystems bereitstellt. Zertifizieren lassen können sich Unternehmen nach der österreichischen Norm ÖNORM D 4901, die sich inhaltlich stark auf die ISO 31000 bezieht.
Lange konzentrierte sich das Thema Risikomanagement auf finanzielle Risiken. Inzwischen verlangen, betont Dr. Gietl, immer mehr gesetzliche Regulierungen ein Risikomanagement für andere Themenfelder. Ein Beispiel dafür ist das Lieferkettengesetz, das Anfang 2023 in Kraft trat. Es verpflichtet Unternehmen ab einer bestimmten Größe, menschenrechtliche und umweltbezogene Risiken in ihren Lieferketten zu analysieren und ausgehend davon geeignete Maßnahmen zu ergreifen.
Die europäische Verordnung Corporate Sustainability Reporting Directive verlangt seit 2024 ein Risikomanagementsystem im Nachhaltigkeitsbereich und im Bereich Governance. Zwar sind diese gesetzlichen Regelungen derzeit stark im politischen Diskurs und in Überarbeitung. So zeigen aber diese Beispiele, dass der Gesetzgeber zukünftig immer mehr auch im nicht finanziellen Bereich Risikomanagementsysteme fordert.
Da die digitale Infrastruktur mittlerweile das Rückgrat fast jedes Unternehmens bildet, rücken dabei verstärkt IT-spezifische Gefahren in den Fokus. Um diese komplexen Szenarien sicher zu bewerten, bietet eine gezielte Weiterbildung im IT-Risikomanagement die notwendige methodische Grundlage.
Gut zu wissen: Risikomanagement ist nicht dasselbe wie Business Continuity Management (BCM). Während Ersteres das zentrale Ziel verfolgt, Risiken vorzubeugen, sorgt Zweiteres dafür, den Schadensausmaß in einer Notfallsituation zu minimieren und wichtige Geschäftsprozesse weiterlaufen lassen oder schnell wieder aufnehmen können. Zusammengefasst dient ein Risikomanagement dazu, Notfälle zu verhindern, und ein Business Continuity Management dazu, Schäden zu minimieren, wenn ein Notfall eingetreten ist.
Das Bewusstsein dafür, dass ein Risikomanagement wichtig ist, wächst. Ein zertifiziertes Risikomanagementsystem aber, so Dr. Gietl, sei immer noch die Ausnahme. „Der Mehrwert der Zertifizierung wird oft nicht gesehen.“
Verantwortlich dafür seien mehrere Gründe. Dazu gehöre, dass das Wort „Risikomanagement“ für viele einen negativen Beigeschmack habe – zu Unrecht. „Nur weil ich Risikomanagement betreibe, heißt das nicht, dass ich viele Risiken habe.“ Der Ansporn, das Vorhandensein eines Risikomanagements nach außen zu zeigen, sei geringer als bei anderen Managementsystemen. Weil sich Firmen für die Implementierung in der Regel ohnehin einen Berater oder eine Beraterin holen, greife auch das Argument der Betriebsblindheit nicht.
Dr. Gietl empfiehlt aus zwei Gründen trotzdem eine Zertifizierung:
Dr. Gietl beobachtet häufig, dass der Aufwand für die Einführung eines Risikomanagements überschätzt werde. „Risiken identifizieren, analysieren und bewerten müssen Unternehmen ja ohnehin, zum Beispiel im Qualitätsmanagement. Der Aufwand dafür, das systemisch zu fassen, ist oft nicht mehr groß.“
Auch hätten Unternehmen viele Freiheiten bei der Auswahl von Methoden beziehungsweise Instrumenten im Risikomanagement.
Entscheidend sei, folgende Schritte in einem Risikomanagementprozess zu beachten:
Kontext festlegen:
Unternehmen müssen zuerst die Rahmenbedingungen definieren, z. B. in welchen Märkten sie tätig sind.
Risiken identifizieren:
Danach werden mögliche Risiken identifiziert, oft mit Methoden wie der Fehlermöglichkeits- und -einflussanalyse (FMEA).
Risiken analysieren und bewerten:
Die gefundenen Risiken werden untersucht und z.B. nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe bewertet, um ihre Bedeutung zu bestimmen.
Maßnahmen festlegen:
Auf Basis der Bewertung wird entschieden, wie mit Risiken umgegangen wird (z. B. vermeiden, absichern, akzeptieren oder nichts tun).
Kontrollieren:
Risiken müssen regelmäßig überwacht werden, um Veränderungen früh zu erkennen und Maßnahmen zu überprüfen.
Letzten Endes, so Dr. Gietl, gehe es bei einem Risikomanagement immer um eines: auf Basis von Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe eine Entscheidung über Maßnahmen zu treffen. „Dieses Ziel haben viele aus den Augen verloren. In großen Unternehmen wird ein Risikomanagement oft zu komplex aufgebaut.“
Ein anderer häufiger Fehler bestehe darin, dass Führungskräfte vergessen, dass sie die Risikoeigner seien.
Normativ werden aber drei Rollen im Risikomanagement beschrieben:
Alle drei Rollen genau zu definieren, sei entscheidend für den Erfolg eines Risikomanagementsystems bzw. eines Risikomanagementplans, betont Dr. Gietl.
Schließlich komme es in vielen Unternehmen zu einer „Weiterschieberitis“. Das liege daran, dass es im Risikomanagement um präventive Maßnahmen gehe und diese im Tagesgeschäft schnell in den Hintergrund gerieten. Im schlimmsten Fall werde ein Risikomanagement dann zu etwas, wovon man zwar spreche, das aber nicht stattfinde.
Natürlich war es schon immer sinnvoll für Akteure in der Wirtschaft, vorausschauend zu denken und schwerwiegenden Risiken präventiv zu begegnen. Trotzdem war ein systematisches Risikomanagement lange Mangelware in deutschen Unternehmen. Dort, wo es vorhanden war, konzentrierte es sich auf wenige ausgewählte Risiken, allen voran solchen, die zu einer Insolvenz führen könnten.
Dies hat sich in der jüngsten Vergangenheit geändert. Krisen wie der Ukraine-Krieg und die Corona-Pandemie sowie neue Gesetze haben dazu geführt, dass der Stellenwert des Risikomanagements gestiegen ist – auch bei externen Stakeholdern wie Kunden und Geschäftspartnern. Damit wird es für Unternehmen immer wichtiger, systematisch Risiken zu identifizieren, zu analysieren und zu bewerten.
Die gute Nachricht ist: Ein Risikomanagement lässt sich oft einfach in bestehende Prozesse integrieren und erfordert nicht unbedingt viel Aufwand. Solange Verantwortliche einige grundlegende Dinge im Kopf behalten, profitieren alle Beteiligten davon.
Risikomanagement hilft Unternehmen, Risiken früh zu erkennen, Schäden zu vermeiden und in Krisen handlungsfähig zu bleiben.
Ja, sie dient dazu, einen kritischen Fehlermodus aufzuspüren und dessen Auswirkungen auf das System zu bewerten, um so das Schadensausmaß und die Eintrittswahrscheinlichkeit zu bestimmen.
Rein fachlich gesehen: Die SWOT-Analyse (Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats) ist primär ein strategisches Planungsinstrument. Sie enthält aber mit den beiden Elementen „Weakness““ (Schwächen) und „Threats“ (Gefahren/Bedrohungen) eine Liste möglicher intern oder extern fokussierter Gefahrenquellen und kann damit als Werkzeug zur Darstellung einzelner Risiken gesehen werden. Sie gilt als qualitative Methode zur Risikoidentifikation, aber nicht als vollumfängliche, quantitative Risikoanalyse-Methode wie etwa die FMEA im operativen oder eine Monte-Carlo-Situation im strategischen Bereich.

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