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Stress am Arbeitsplatz – warum er so gefährlich ist und wie Sie erfolgreich vorbeugen

Stress am Arbeitsplatz – warum er so gefährlich ist und wie Sie erfolgreich vorbeugen

Beitrag vom 04.07.2022

Zur Themenwelt Arbeits- und Gesundheitsschutz

Wie Stress am Arbeitsplatz entsteht und was sich dagegen tun lässt

Fühlen Sie sich in letzter Zeit oft gestresst? Damit sind Sie nicht allein. Die Ende 2021 veröffentlichte Stressstudie "Entspann dich, Deutschland!" der Techniker Krankenkasse (TK) kommt zu dem Ergebnis, dass der subjektiv empfundene Stress bei Menschen in Deutschland stark zugenommen hat. Gleich geblieben ist der Stressfaktor Nummer eins: der Bereich Beruf, Schule und Studium.

Tatsächlich begünstigen viele Eigenschaften des modernen Arbeitslebens Stress im Job. Hinzu kommen belastende Ereignisse wie die Coronapandemie oder der Krieg in der Ukraine. Als Konsequenz leiden immer mehr Menschen unter chronischem Stress und Folgeerkrankungen.

Die gute Nachricht ist: Auch wenn sich manche äußeren Umstände nicht ändern lassen, können wir in den meisten Fällen zu viel Stress am Arbeitsplatz vorbeugen und schwerwiegende Konsequenzen verhindern.

Wir haben uns mit MEDITÜV-Psychologin Tiana-Christin Schuck darüber unterhalten, wie Stress am Arbeitsplatz entsteht, warum er so gefährlich ist und was jeder Einzelne dagegen tun kann.

Exkurs: Was ist Stress?

Stress ist eine Reaktion auf eine herausfordernde Situation und ein normaler Bestandteil unseres Lebens. Der Köper stellt so viel Energie wie möglich für „Kampf oder Flucht“ zur Verfügung. Die Blutgefäße weiten sich, Atmung und Puls beschleunigen sich, der Blutzuckerspiegel steigt. In früheren Zeiten der Menschheitsgeschichte rettete dieser Automatismus manches Leben.

Kurzzeitig kann uns diese Reaktion auch heute noch leistungsfähiger machen. Deshalb und weil Stress auch in Glücksmomenten auftritt, unterscheiden viele Wissenschaftler zwischen zwei Formen von Stress:

 

Eustress (positiver Stress)

Eustress (positiver Stress) hilft uns zum Beispiel, sportliche Herausforderungen oder eine erfüllende Arbeit zu bewältigen, und wird zum Beispiel bei der eigenen Hochzeit empfunden.

Disstress (negativer Stress)

Disstress (negativer Stress) fühlt sich unangenehm an. Er wirkt sich negativ auf die Leistung aus und äußert sich zum Beispiel in Magenschmerzen, Verspannungen sowie Schlafstörungen.

Allerdings sind die Grenzen zwischen positivem und negativem Stress fließend. Außerdem wirkt sich lang andauernder Stress immer negativ aus, auch wenn er zunächst positiv empfunden wird. Denn unser Körper braucht Phasen, in denen er herunterfahren kann.

Wichtig: Letztendlich entscheidet nicht ein Ereignis, sondern unsere Bewertung darüber, wie wir Stress erleben. Darum können wir auch in herausfordernden Zeiten zu Gelassenheit finden.

Warum Arbeitsstress oft unterschätzt wird

Für manche Menschen gehört das Gestresstsein im Berufsalltag zum guten Ton. Dabei wird unterschätzt, dass chronischer Stress krank macht.

Langfristig drohen zum Beispiel

  • Magen-Darm-Erkrankungen,
  • Hautausschläge,
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • Diabetes und
  • Depressionen.

Stress am Arbeitsplatz beeinflusst auch die Leistungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Während kurzzeitiger positiver Stress zu Höchstleistungen animieren kann, führt chronischer Stress zu dem berühmten Brett vor dem Kopf. Betroffene können sich schlechter konzentrieren und sind vergesslicher. Entwickelt sich Stress zu einer psychischen oder körperlichen Erkrankung, drohen lange Ausfälle oder sogar Arbeitsunfähigkeit.

Tipp: Zu verbreiteten Anzeichen für zu viel Stress gehören Nervosität, Schlafstörungen, Zähneknirschen und eine erhöhte Reizbarkeit. Stellen Sie solche Symptome bei sich fest, reagieren Sie frühzeitig, um die Spirale zu durchbrechen und ernsthafte Folgeerkrankungen zu vermeiden.

So entsteht Stress am Arbeitsplatz

In Zusammenhang mit der Entstehung von Stress führt Tiana-Christin Schuck gerne das Bild vom „Stressfass“ an:

  1. So groß, wie das Stressfass ist, ist unsere Fähigkeit, Stress auszuhalten.
  2. Abhängig von äußeren und inneren Umständen füllt sich das Fass mit Stressfaktoren, ob beruflicher oder privater Natur.
  3. Je voller das Fass ist, desto mehr steigt das Risiko für gesundheitliche Folgen und umgekehrt.

Derzeit sei das Stressfass vieler Menschen bereits durch äußere Umstände wie die Coronapandemie oder die Ukraine-Krise gut gefüllt, so Tian-Christin Schuck. „Ich glaube, dass das eine Ursache dafür ist, dass es aktuell mehr Aggressionen gibt.“

Klar ist: Wenn das eigene Stressfass gut gefüllt ist, ist wenig Platz für Arbeitsstress. Dann reichen vermeintliche Kleinigkeiten wie ein Konflikt mit Kolleginnen und Kollegen, um es zum Überlaufen zu bringen.

Aber auch Eigenheiten der modernen Arbeitswelt führen dazu, dass sich Stressfässer schnell füllen. Tiana-Christin Schuck hält vor allem die Schnelligkeit, in der sich Dinge heute verändern, für entscheidend. „Etwas anders zu machen, ist immer Stress. Früher aber konnte man Dinge öfter in Ruhe ausprobieren oder auf sich zukommen lassen. Heute verhält es sich übertrieben gesagt so: Wer zwei Tage raus ist, ist drei Tage im Rückstand. Durch die Digitalisierung, ständige Change-Prozesse und die schnellen Veränderungen der Arbeitswelt während Corona hat das Gefühl zugenommen, dass heute nicht mehr gilt, was gestern noch maßgeblich war. Das tangiert unser Bedürfnis nach Sicherheit.“

Der Haken: Die Veränderungsgeschwindigkeit der modernen Arbeitswelt lässt sich nicht beeinflussen. Aber es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, sich anzupassen und einen gesunden Umgang mit Stress am Arbeitsplatz einzuüben.

Stress in mehreren Schritten erfolgreich vorbeugen und bekämpfen

Tiana-Christin Schuck empfiehlt, sich für einen erfolgreichen Umgang mit Stress an dem berühmten Gelassenheitsgebet des US-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr zu orientieren:

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
 den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
 und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Ausgehend davon können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die folgenden Schritte durchführen, um Stress im Job in den Griff zu bekommen.

1. Überblick erhalten und loslassen

2. Veränderungen durchführen

3. Eine eigene Vision formulieren

1. Überblick erhalten und loslassen

Um einen ersten Überblick zu bekommen, welche Dinge sich ändern lassen und welche nicht, eignet sich laut Tiana-Christin Schuck folgende einfache Übung.

  1. Zeichnen Sie einen Kreis auf ein Blatt Papier.
  2. Halten Sie in der Mitte die Dinge fest, die Sie ändern können.
  3. Darum herum notieren Sie alles, was Sie nicht ändern können und deshalb besser loslassen.

Wichtig sei es, Emotionen nicht zu verdrängen. Trauern Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer „alten Verhältnissen“ hinterher, sollten sie diese Trauer zulassen. Auf diese Art gelinge das Loslassen besser.

Tipp: Um ein Ablassventil am eigenen Stressfass zu öffnen, eignet sich Bewegung besonders gut. Keine Zeit für regelmäßiges Training? Schon ein Spaziergang um den Block macht einen Unterschied. Auch Entspannungsübungen und Meditation helfen, loszulassen und trotz vieler Aufgaben Gelassenheit zu finden.

2. Gezielte Veränderungen durchführen

Als ein häufiges Thema in Zusammenhang mit Arbeitsstress führt Tiana-Christin Schuck das Zeitmanagement an.

Auch hier gelte: Äußere Umstände lassen sich nicht immer ändern, wohl aber der Umgang damit. Zum Beispiel könnten Personen mithilfe der Eisenhower-Methode Aufgaben priorisieren und vielleicht sogar delegieren.

3. Eine Vision formulieren

Schließlich rät Tiana-Christin Schuck dazu, einen halben Schritt zurückzumachen und eine eigene Vision zu formulieren. Diese bestehe möglicherweise nicht darin, jeden Tag mit allen Aufgaben fertig zu werden, sondern darin, abends gesund zu sein, das Wochenende zu genießen und das Gefühl zu haben, das Leben nach eigenem Ermessen zu gestalten.

Ohnehin sei es ratsam, das eigene Leben „auf mehreren Säulen zu errichten“. Sei die einzige Säule der Job, könnten Probleme am Arbeitsplatz das gesamte Fundament ins Wanken bringen.

Ein (Arbeits-)Leben ohne Stress ist unmöglich

Wir haben es schon angesprochen: Stress gehört zum Leben. Auch wenn es manchmal wünschenswert erscheint, lässt er sich nicht vollkommen daraus verbannen.

Umso wichtiger ist es, einen gesunden Umgang damit zu entwickeln, auch im Job. Die Erkenntnis, was sich ändern lässt und was nicht, ist dabei ein entscheidender Schritt. Wer dann noch die richtigen Dinge loslässt und verändert, auf (sportlichen) Ausgleich achtet und sein Leben auf mehrere Säulen baut, hat gute Chancen, die Herausforderungen des modernen Arbeitslebens erfolgreich zu bewältigen.

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