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Personalentwicklung

Wissenstransfer in Unternehmen

Lesen Sie, wie Unternehmen in Zeiten des demografischen Wandels wertvolles Wissen sichern und geeignete Strukturen dafür schaffen.

Geschäftsmann präsentiert vor Kollegen Diagramme auf einem großen Bildschirm im Konferenzraum.

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06. Mai 2026

Was ist Wissenstransfer? – eine Definition

Unter Wissenstransfer versteht man die organisierte Wissensvermittlung von Fachwissen, praktischen Erfahrungen und individuellen Fähigkeiten zwischen Personen oder Teams. Während informeller Austausch oft zufällig geschieht, stellt der systematische Wissenstransfer sicher, dass erfolgskritisches Know-how gezielt von Expert:innen auf Nachfolger:innen übertragen wird. Dies schützt Unternehmen vor Kompetenzverlusten – insbesondere beim Generationenwechsel – und sichert die langfristige Produktivität durch eine effiziente Wissensnutzung.

Wissenstransfer in Unternehmen – so bleibt wertvolles Wissen erhalten

In Zeiten des Generationenwechsels gehen zahlreiche altgediente Mitarbeiter:innen in den Ruhestand. Weil sie ihre Erfahrung und ihr Wissen mitnehmen, tut sich für Vorgesetzte und Kolleg:innen oft ein Riesenloch auf.

Allerdings haben Unternehmen einen großen Vorteil gegenüber Fußballvereinen: Sie können das Wissen ihrer Stars rechtzeitig sichern und dafür sorgen, dass es in der Mannschaft bleibt.

In diesem Artikel befassen wir uns mit dem Thema Wissenstransfer als wichtigen Bestandteil einer Wissenskultur in Unternehmen. Wir erklären, wie Firmen wertvolles Wissen transferieren, welche Methoden es für die Weitergabe von Wissen gibt und wie Unternehmen durch systematisches Wissensmanagement geeignete Strukturen dafür schaffen.

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Warum ist ein funktionierender Wissenstransfer entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit?

„Wissenstransfer war schon immer ein wichtiges Thema“, betont Thomas Lehner, VIA Consulting Group. Allerdings merke er in jüngerer Zeit, nicht zuletzt durch die wachsende Teilnehmendenzahl in seinen Seminaren „Wissensmanagement in der Praxis“, ein steigendes Interesse, die Wissenssicherung nicht dem Zufall zu überlassen.  

Einen Grund dafür sieht Lehner in der zunehmenden Schnelllebigkeit der digitalen, modernen Welt. Wissen ist heute deutlich schneller veraltet als noch vor einem oder zwei Jahrzehnten. Hinzu kommt der schon angesprochene Generationenwechsel. Er sorgt dafür, dass viele altgediente Mitarbeiter:innen Unternehmen verlassen.  

Dabei ist es auf mehreren Ebenen wichtig für Unternehmen, Wissen erfolgreich zu transferieren und zu sichern.  

  • Wertvolles Wissen bleibt im Unternehmen: Manchmal ist dies entscheidend, um Wettbewerbsvorteile zu erhalten
  • Einfachere Einarbeitung: Neue Mitarbeiter:innen finden sich schneller in vorhandene Strukturen ein. Ein gelungener Lerntransfer sorgt dafür, dass theoretisches Onboarding-Wissen direkt in praktisches Handeln umschlägt
  • Synergieeffekte: Die Kenntnisse und Erfahrungen verschiedener Personen ergänzen sich, wenn Generationen voneinander lernen
  • Resilienz: Unternehmen können leichter mit der hohen Veränderungsgeschwindigkeit der modernen Arbeitswelt umgehen

Letztendlich sind Wissenstransfers ein wichtiger Bestandteil einer Wissenskultur in Unternehmen. Diese zeichnet sich durch den lebendigen Austausch von Kenntnissen und der Vermittlung von Fähigkeiten zwischen Mitarbeitenden aus. Idealerweise entsteht eine Schwarmintelligenz, die für mehr Effizienz sorgt und immer wichtiger für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen wird.

Wissenslandkarte der TÜV NORD Akademie mit 18 Wissens- und Erfahrungsgebieten

Wie Unternehmen Wissenstransfers einrichten – die wichtigsten Stufen

Erfolgreiche Wissenstransfers basieren auf mehreren Stufen. Thomas Lehner empfiehlt folgende Herangehensweise:

1. Wissensträger:innen identifizieren: Wer besitzt kritisches Know-how? Eine Nominierung durch Kolleg:innen steigert oft die Motivation zur Weitergabe.

2. Wissensbereiche identifizieren: Wissenslandkarten helfen dabei, wichtige Wissenselemente zu lokalisieren. Wo droht Wissen abzuwandern?

3. Wissenstransfers durchführen: Hierbei wird eine strukturierte Wissenssammlung angelegt, damit Informationen auch langfristig abrufbar bleiben. Methoden & Tools helfen dabei.

Wissenstransfer-Methoden im Vergleich

Wissenstransfers lassen sich grundsätzlich danach unterscheiden, ob sie im realen Aufeinandertreffen von Wissensträger:in und Wissensnehmer:in stattfinden (personifizierter Wissenstransfer) oder mittels dokumentierten Wissens (kodifizierter Wissenstransfer).

Für Thomas Lehner bringt Ersteres auch im digitalen Zeitalter Vorteile mit. „Wenn es komplexer wird und um viel Erfahrungswissen geht, ist es besser, eine:n Ansprechpartner:in zu haben. Sonst muss man sehr viel aufschreiben und dann ist das Wissen für Neue schwer nachvollziehbar. Manche Fragen ergeben sich auch erst im Gespräch. “ Schwierig werde es nur, wenn die Chemie zwischen Wissensträger:in und Wissensnehmer:in nicht passe.

Bewährte und vielversprechende innovative Methoden für Wissenstransfers sind zum Beispiel folgende:

  • Shadowing: Erfahrene Mitarbeiter:innen schauen neuen über die Schulter oder umgekehrt und tauschen sich zu den dabei gewonnenen Erkenntnissen aus.
  • Interviews: Strukturierte Interviews zwischen Wissensträger:innen und Wissensnehmer:innen sind eine verbreitete Methode für einen systematischen Wissenstransfer. Häufig werden die Gespräche moderiert und mit Hilfe von Checklisten unterstützt. Wichtig ist eine begleitende Kommunikation.
  • Mitarbeitendenworkshops: Moderierte Workshops eignen sich sehr gut, um in die Tiefe zu gehen und mehreren Personen Wissen zu vermitteln. Hier ergibt sich auch die Gelegenheit, mitzuschreiben und Fragen zu stellen und relevantes Wissen zu dokumentieren.
  • Patenprogramme & Lerntandem: Besonders effektiv ist es, erfahrene Kräfte mit Neulingen in einem Lerntandem zusammenzubringen. Solche Patenprogramme fördern nicht nur den fachlichen, sondern auch den kulturellen Austausch im Betrieb.
  • Historienworkshops: Eine Sonderform von Workshops stellen Historienworkshops dar. Thomas Lehner hat einen solchen bei einem großen Medizinproduktehersteller begleitet. Dabei erinnerten sich erfahrene Mitarbeiter:innen im Beisein jüngerer Kolleg:innen an wichtige Entscheidungsprozesse in der Produktentwicklung. Im Mittelpunkt stand die Frage nach dem „Warum“ („Know why“).
  • Videodatenbanken: Trotz aller Vorteile des persönlichen Austausches eröffnen moderne Medien neue Möglichkeiten Wissen zu vermitteln. Videos haben gegenüber Texten den Vorteil, dass sie mehrere Sinne ansprechen. Außerdem sind jüngere Arbeitnehmende gut vertraut mit dem Lernen durch Videos. Unternehmen können mit ihrer Hilfe Arbeitsprozesse abbilden und erfahrene Mitarbeiter:innen interviewen. Nutzen Sie also solche Kollaborationsplattformen.
  • Einsatz von Künstlicher Intelligenz: Um wichtiges von weniger wichtigem Wissen zu unterscheiden und bei umfassenden Wissensgebieten relevante Kernthemen zu transferieren, kann auch auf KI-Tools zurückgegriffen werden. Allerdings ist ein kritischer Blick auf die Qualität der Ergebnisse unabdingbar.

Einen Rahmen für Wissenstransfer schaffen: Strukturen und Verantwortlichkeiten

Wissenstransfers sind nur erfolgreich, wenn die dafür erforderlichen Strukturen existieren.

Thomas Lehner beobachtet, dass der Impuls solche Strukturen zu schaffen, oft aus dem Qualitätsmanagement kommt. Das liege auch daran, dass die ISO 9001 Anforderungen an den Umgang mit Wissen („Wissen der Organisation“) enthalte. Dies verlangt unter anderem, dass Unternehmen notwendiges Wissen für die Durchführung interner Prozesse und die Konformität von Produkten sowie Dienstleistungen bestimmen und aufrechterhalten müssen.

In anderen Fällen erkennen Verantwortliche im Personalbereich, dass wertvolles Wissen verloren zu gehen droht und stoßen deshalb Maßnahmen an.

„Manche Unternehmen setzen mittlerweile auch eigene Wissensmanager:innen ein oder leisten sich sogar eigene Abteilungen, die für die Weiterentwicklung eines systematischen Wissensmanagements zuständig sind. Das ist zum Beispiel in schnelllebigen Branchen der Fall oder wenn Wissen wirklich als Differenzierungsmerkmal zu Wettbewerbern angesehen wird.“ Externe Fachleute hinzuzuziehen, könne ein Vorteil sein. Denn diese wissen oft, wie sich Hürden abbauen lassen.

So oder so sei es entscheidend, betont Thomas Lehner, dass die Geschäftsführung hinter dem Thema stehe. „Manche sehen Wissenstransfers leider immer noch als verzichtbaren Luxus an.“

Wissen zu erhalten, sichert die eigene Existenz

Wissen war schon immer eine wertvolle Ressource von Unternehmen. Doch der demografische Wandel und eine immer höhere Veränderungsgeschwindigkeit machen es heute wichtiger denn je, einzelne Wissenselemente systematisch zu sichern.

Durch erfolgreiche Wissenstransfers verhindern Unternehmen, dass der Weggang altgedienter Fachkräfte ihre Leistung beeinträchtigt und der Wissensverlust das Qualitätsniveau oder gar die eigene Existenz bedroht. 

Dabei gilt auch hier: Übung macht den Meister. Werden Wissenstransfers in die täglichen Abläufe integriert, sind sie irgendwann ein fester Bestandteil der eigenen Wissenskultur und eine Selbstverständlichkeit. Dann verlässt kein:e wichtige:r Wissensträger:in mehr das Unternehmen, ohne dass das Wissen an andere übertragen wird.

FAQ: Häufige Fragen zum Thema Wissenstransfer

Ein erfolgreicher Transfer erfolgt in einem dreistufigen Prozess:

  • Identifikation: Ermittlung der relevanten Wissensträger:innen im Team
  • Strukturierung: Lokalisierung kritischer Wissensbereiche (z. B. via Wissenslandkarten)
  • Durchführung: Auswahl und Anwendung passender Methoden, um das Wissen aktiv weiterzugeben und in einer Wissenssammlung langfristig zu sichern

Es wird zwischen personifizierten (persönlichen) und kodifizierten (dokumentierten) Methoden unterschieden.

  • Personenzentriert: Shadowing, strukturierte Interviews, Patenprogramme und Lerntandems
  • Gruppenzentriert: Moderierte Mitarbeitenden- oder Historienworkshops
  • Technologiegestützt: Videodatenbanken, Kollaborationsplattformen und der Einsatz von KI-Tools

  • Generationenwechsel: Eine Führungskraft geht in Rente und gibt ihr „Know-how“ in einem Historienworkshop an junge Talente weiter
  • Onboarding: Neue Mitarbeitende begleiten erfahrene Kolleg:innen, um implizites Prozesswissen direkt im Arbeitsalltag zu lernen
  • Digitalisierung: Ein:e Expert:in erstellt ein Video-Tutorial für eine komplexe Maschine, das in einer zentralen Videodatenbank für alle abrufbar ist
  • Job-Rotation: Mitarbeitende lernen neue Bereiche kennen und bringen frische Perspektiven mit
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Generiertes Bild neuronaler Netze als Symbol für die Wissensvermittlung im Blog "Wissen kompakt" des TÜV NORD.
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Natalie Pätzel trägt einen Blumen-Schal und ein graues Sakko, mit einem Lächeln im Gesicht.

Natalie Pätzel

TÜV NORD Akademie GmbH & Co. KG
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