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Nachhaltigkeit in Unternehmen

Nachhaltigkeit in Unternehmen

Zur Themenwelt Umweltschutz

Beitrag vom 09.04.2021

Klima- und Umweltschutz gewinnen an Bedeutung

Nachhaltigkeit in Unternehmen ist ein Streitthema. Das zeigen die jüngsten Diskussionen über das geplante Lieferkettengesetz. Während die einen vor übermäßigen Belastungen für von Corona gebeutelte Betriebe warnen, bezeichnen andere den Gesetzentwurf als „ausgehöhlten Papiertiger“.

Dabei sind sich in einem Punkt alle einig: Themen wie Klima- und Umweltschutz oder Arbeitnehmerrechte gewinnen stark an Bedeutung innerhalb der Wirtschaft.

Klimaschutzgesetzgebung und CSR-Richtlinie treiben die Entwicklung voran

Einen besonders hohen Stellenwert hat Nachhaltigkeit in Unternehmen für die energieintensive Industrie. Schließlich wird Energie aus fossilen Quellen durch die Klimaschutz-Gesetzgebung immer teurer. Felicitas Sager, Unternehmensberaterin für ISO-Managementsystemnormen und Schwerpunkt Nachhaltigkeit/CSR, beobachtet deshalb: „Viele Unternehmen haben bereits begonnen, sich Klimaschutzziele zu setzen oder sogar eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie zu entwerfen, weil sie verstanden haben, dass sie nur mit Ressourceneffizienz nachhaltig wirtschaftlich erfolgreich sein können.“

In der Automobilindustrie zeigen sich die Auswirkungen des CSR-Richtlinien-Umsetzungsgesetzes stark. Dieses verpflichtet kapitalmarktorientierte Gesellschaften ab einer bestimmten Größe und einem bestimmten Umsatz, über nichtfinanzielle Themen wie Umwelt und Arbeitnehmerrechte Bericht zu erstatten.

Weil sie die gesamte Lieferkette betrachten müssen, verlangen große Hersteller von ihren Zulieferern, ebenfalls Daten zu liefern. Oft machen sie sogar ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem zur Voraussetzung für eine Zusammenarbeit.



„Es sind viel mehr Unternehmen von diesem Gesetz betroffen, als es im ersten Moment scheint,“ stellt Dirk Gremmel, Geschäftsführer der uniconsult GmbH, Umweltgutachter, Zertifizierer, AwSV Sachverständiger und Referent bei der TÜV Nord Akademie, fest.

Nachhaltigkeit als zentraler Wettbewerbsfaktor

Die Konsumentennähe sei dagegen ein entscheidender Grund, warum sich die Kosmetikindustrie zu einem Vorreiter in Sachen Thema Nachhaltigkeit entwickelt habe. Dabei sei die Angst vor Imageverlust ein wichtiger Treiber, ähnlich wie in der Lebensmittel- oder in der Textilindustrie.

Diese Angst ist durchaus berechtigt. Denn Kunden legen nicht nur zunehmend Wert darauf, dass Firmen Energie sparen, umweltschonende Verpackungsmaterialien verwenden und auf Arbeitnehmerrechte achten. Sie hinterfragen Behauptungen auch mehr als früher. Unterstützt werden sie dabei von zahlreichen NGOs, die prüfen, ob sich hinter der schönen Fassade in Nachhaltigkeitsberichten eine düstere Realität verbirgt, und Smartphones, die es leicht machen, Bilder von Missständen schnell mal im Internet zu verbreiten.

Manchmal werden Konsumenten sogar erfinderisch, um Angaben in CSR-Reports oder Marketingbroschüren selbst zu überprüfen. Als Beispiel führt Dirk Gremmel einen Drohnenbesitzer an, der sein Fluggerät samt Wärmebildkamera zum benachbarten Betriebsgelände aussandte. Auf diese Art deckte er auf, dass es mit der angeblichen Nachhaltigkeit des Unternehmens in Wirklichkeit nicht weit her war.  

Wer den mit solchen Szenarien verbundenen Imageverlust vermeiden will, sollte unbedingt darauf achten, dass Sein und Schein nicht auseinanderklaffen.

CSR-Reports brauchen Substanz

Wenn der Inhalt stimmt, eröffnen CSR-Reports Möglichkeiten, sich das Vertrauen von Kunden, Stakeholdern und Investoren zu sichern und Prozesse transparent zu machen. Das gilt auch für kleinere Firmen. Allerdings warnt Felicitas Sager vor inhaltsleeren Hochglanzbroschüren: „Gutes tun und darüber reden, ist absolut legitim, aber es sollte Substanz haben. Viele Unternehmen erstellen immer noch schöne Marketingbroschüren, aber es ist wenig dahinter.“

Stattdessen rät sie,

  • nicht nur auf schöne Bilder Wert zu legen, sondern sich kritisch mit relevanten Daten auseinanderzusetzen und Transparenz zu schaffen.
  • darauf zu achten, dass der Bericht nachvollziehbar ist und die wesentlichen Aspekte vollständig behandelt.
  • regelmäßig Berichte über Nachhaltigkeit im Unternehmen zu veröffentlichen, um Vergleichbarkeit zu ermöglichen. Schließlich besteht ein Ziel von CSR-Reports darin, Verbesserungen zu dokumentieren. 
  • Nachhaltigkeitsberichte so zu formulieren, dass sie auch eine Person, die sich mit dem Bereich noch nicht lange auseinandergesetzt hat, versteht. Eine einfache Sprache und anschauliche Grafiken erleichtern das Verständnis.

In jedem Fall, betonen Dirk Gremmel und Felicitas Sager, sollte der CSR-Report nicht an erster Stelle stehen. Wichtiger sei es, eine Nachhaltigkeitsstrategie zu formulieren, und daraus konkrete Ziele und Maßnahmen abzuleiten.

Als ersten Schritt empfehlen die beiden eine Wesentlichkeitsanalyse. Dafür biete sich zum Beispiel eine SWOT-Analyse an, mit deren Hilfe die Auswirkungen des Unternehmens auf unterschiedliche Dimensionen der Nachhaltigkeit (Ökologie, Ökonomie und Soziales) bewertet werden. Entscheidend dabei sei, die Erwartungen unterschiedlicher Stakeholder zu berücksichtigen.

Nachhaltigkeit in Unternehmen ist keine Eintagsfliege

Festhalten lässt sich trotz aller Unterschiede: Nachhaltigkeit in Unternehmen ist kein vorübergehender Trend. Im Gegenteil: Angesichts von Klimawandel, Artensterben und Rohstoffknappheit wird das Thema weiter an Bedeutung gewinnen.

Für Felicitas Sager steht entsprechend fest: „In zwei, drei Jahren kommt niemand mehr um das Thema herum. Es wird alle Unternehmen betreffen, ob klein oder groß, in jeder Branche. Nachhaltigkeit betrifft uns alle.“

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