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Prozesse der Digitalisierung – Unternehmen gezielt weiterentwickeln

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Beitrag vom 09.08.2019

Digitalisierung ist kein Selbstzweck

Digitalisierung ist in deutschen Unternehmen zur Selbstverständlichkeit geworden. Allerdings bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass sich die gewünschte Wirkung einstellt. So gaben in einer internationalen Umfrage 56 Prozent der befragten deutschen Führungskräfte an, dass sie ihre bisherigen Initiativen zur digitalen Transformation als Zeitverschwendung erachten.

Ein häufiger Grund für solche Enttäuschungen ist, dass Firmen das Thema Digitalisierung in Unternehmen mehr oder weniger planlos angehen – frei nach dem Motto: „Hauptsache mehr IT“. Dabei wird übersehen, dass digitale Transformation kein Selbstzweck ist.

Nicht einfach machen, was alle machen

Dr. Götz Volkenandt und Dirk Niederhaus, Experten für Strategie, Unternehmensentwicklung und künstliche Intelligenz, beobachten, dass deutsche Unternehmen die Digitalisierung noch viel zu wenig zur Weiterentwicklung des Unternehmens nutzen.

Zwar hätten viele „ihre Hausaufgaben gemacht“ und ERP-Systeme eingeführt oder Online-Shops eingerichtet. Zu selten werde jedoch die Frage „Was bringt denn tatsächlich einen Nutzen?“ gestellt. Stattdessen, so Volkenandt und Niederhaus, richteten sich viele Unternehmen nach dem Angebot von IT-Dienstleistern und Softwareanbietern. Die Folge: Sie machen das, was alle machen, und nicht das, was für ihr Unternehmen am besten wäre.

Strategie vs. „Digitalisierungsstrategie“

Fehlt den betreffenden Unternehmen also eine Digitalisierungsstrategie? Wenn man nach Volkenandt geht, führt dieser Begriff in die Irre. Denn Digitalisierung sei immer nur Mittel zum Zweck. Anders ausgedrückt: Mit Mitteln der Digitalisierung werde eine Strategie umgesetzt und nicht umgekehrt.

Eine Strategie ist für ihn trotzdem entscheidend, und zwar auf allen Ebenen eines Unternehmens. „Eine Führungskraft kann für den eigenen Verantwortungsbereich immer eine Strategie entwickeln und sollte nicht auf die nächsthöhere Ebene warten,“ so Volkenandt. Dann könne man in der Maßnahmenplanung diejenigen Maßnahmen identifizieren, die etwas mit Digitalisierung zu tun haben. „Schon hat man für jeden einzelnen Verantwortungsbereich einen „Digitalisierungsplan“.

Dabei eröffnen digitale Technologien und Prozesse unterschiedliche Möglichkeiten: Unternehmen können bestehende Prozesse optimieren oder völlig neue Geschäftsmodelle erarbeiten. Voraussetzung ist in beiden Fällen, dass Führungskräfte bestehende Geschäftsmodelle verstehen. Auf dieser Basis können sie auch entscheiden, wie viel Digitalisierung im Unternehmen wo Sinn macht. Schließlich kann es beispielsweise im Verkauf vorteilhaft sein, bewusst auf Automatisierung und die Digitalisierung von Prozessen zu verzichten und stattdessen auf menschlichen Kontakt zu setzen.

Industrie 4.0 – Technologien mit Zukunft

Was digitale Technologien betrifft, steht Unternehmen eine große Bandbreite zur Auswahl, angefangen bei der Cloud bis hin zu KI. Letzterer sprechen Volkenandt und Niederhaus einen besonderen Stellenwert für die Digitalisierung von Unternehmen zu, auch weil derzeit eine Rekordanzahl an Entwicklern weltweit an der Weiterentwicklung auf diesem Gebiet arbeitet. „Aus unserer Sicht gibt es kaum Unternehmen, die es sich leisten sollten, auf den KI-Einsatz zu verzichten.“

Leider hinken deutsche Firmen in Sachen KI hinterher. Das fängt beim Einsatz von Chatbots zur Kundenkommunikation an. „Viele Dienstleister, auch Banken und Versicherungen, sind bestenfalls in der Zeit zwischen 8:00 Uhr und 20:00 Uhr erreichbar“, stellt Niederhaus fest. „Doch viele Kunden wünschen sich eine Erreichbarkeit darüber hinaus. Gute Chatbots können diese Lücke heute bereits füllen.“ Dabei müssen Führungskräfte kein Informatikstudium absolviert haben, um sich mit dem Thema KI auseinanderzusetzen. Entscheidend ist, dass sie sich damit auseinandersetzen und ihre Mitarbeiter dabei mit einbeziehen.

Das gemeinsame Gewinnen steht im Vordergrund – wie Unternehmen Mitarbeiter mitnehmen

Die Digitalisierung von Prozessen in Unternehmen ist nur dann erfolgreich, wenn es gelingt, möglichst viele Mitarbeiter „mitzunehmen.“ Für Volkenandt und Niederhaus bedeutet das auch, die Belegschaft bereits in frühen Phasen der Strategieentwicklung einzubeziehen. Schließlich finde Innovation auf allen Ebenen statt.

Das „gemeinsame Gewinnen“ sollte dabei immer im Vordergrund stehen: „Die Eigentümer des Unternehmens sollen etwas von der Digitalisierung haben, die Kunden, die Belegschaft und die Gesellschaft insgesamt. Nur so lässt sich eine ‘Bewegung’ in einem Unternehmen starten, bei der wirklich die Mehrheit mitmachten möchte. ‘Mitnehmen’ heißt für uns daher immer auch ‘Beteiligen’.“

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