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Qualitätsprüfung in Pflegeeinrichtungen – Informationen zum neuen Pflegestandard

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Welche Pflegeeinrichtung ist die richtige für meine Angehörigen? Bei der Beantwortung dieser Frage verließen sich Menschen in Deutschland bisher vor allem auf sich selbst. Im Rahmen einer 2015 von der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) durchgeführten Umfrage gab nur jeder vierte Befragte an, den Ergebnissen der gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsprüfung uneingeschränkt zu vertrauen. Stattdessen setzten die meisten auf eine persönliche Überprüfung.

Dieses mangelnde Vertrauen war ein maßgeblicher Grund für eine umfassende Reform des sogenannten „Pflegestandards“. Ab Oktober 2019 soll das neue Prüfungssystem in Kraft treten – und für mehr Transparenz und Vertrauen sorgen. Dabei bringt es nicht nur Änderungen für Menschen mit, die nach geeigneten Pflegeeinrichtungen suchen, sondern auch für die Beschäftigten in Pflegeeinrichtungen.

Schluss mit wenig aussagekräftigen Noten

Bisher basierte die Pflegeheimbewertung auf der Vergabe von Noten. Um diese zu ermitteln, führte der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) in regelmäßigen Abständen eine Prüfung des betreffenden Pflegeheimes durch. Dabei untersuchte er unterschiedliche Bereiche wie den Umgang mit Demenzkranken oder die Dokumentation von Pflegeleistungen.

Der Haken dabei: Schlechte Noten in einzelnen Bereichen ließen sich durch gute in anderen ausgleichen. So erhielten selbst Einrichtungen, die beim Umgang mit Demenzkranken schlecht abschnitten, eine gute Gesamtnote, wenn die Pflegedokumentation einen positiven Eindruck hinterließ. In der Realität führte diese Art der Pflegedienst-Bewertung zu einer Fülle von Traumnoten, die häufig mehr auf strukturellen Kriterien als auf der Qualität der Pflege basierten. Das ging so weit, dass der Focus etwas überspitzt titelte: „Selbst grottenschlechte Pflegeheime kriegen eine 1“.

Mit dem neuen Pflegestandard soll sich das ändern und die Ergebnisqualität wieder klar in den Mittelpunkt rücken. Zu diesem Zweck wird die Qualitätsprüfung in zwei Teile aufgespalten.

Der erste Teil des neuen Pflegestandards: Interne Qualitätsprüfung mittels Indikatoren

Einen wesentlichen Teil der neuen Qualitätsprüfung übernehmen die Pflegeheime selbst. Sie erheben in Zukunft halbjährlich sogenannte Qualitätsindikatoren und übermitteln diese an eine Datenauswertungsstelle (DAS).

Bei diesen Qualitätsindikatoren handelt es sich um Daten, die in der Regel als Prozentwerte, bezogen auf alle Bewohner der Einrichtung angegeben werden. Bewertet werden zum Beispiel „Erhaltene Mobilität“, „Erhaltene Selbständigkeit bei Alltagsverrichtungen“, „Schwerwiegende Sturzfolgen“ oder „Anwendung von Gurten“. Teilweise werden Aspekte in zwei Indikatoren aufgesplittet. So wird bei „Erhaltene Mobilität“ ein Wert für Bewohner mit keinen oder nur geringen kognitiven Einbußen und einer für Bewohner mit mindestens erheblichen kognitiven Einbußen ermittelt.

Für die Qualitätsbewertung überprüft die DAS das Ergebnis der Einrichtung auf seine Plausibilität und stellt es in Relation zu den Ergebnissen anderer Einrichtung. Die finale Darstellung erfolgt in 5 Abstufungen in Bezug auf den Bundesdurchschnitt, von „weit über dem Durchschnitt“ bis „weit unter dem Durchschnitt“.

Der zweite Teil ̶̶̶̶- externe Prüfung durch den MDK

Neben dieser Erfassung von Qualitätsindikatoren durch die Pflegeeinrichtungen selbst wird es auch weiterhin eine externe Prüfung durch den MDK geben.

Sie besteht aus zwei Bestandteilen:

  • Stichprobe von Bewohnern: Durch Inaugenscheinnahme von und einem persönlichen Gespräch mit neun Bewohnern untersuchen die Prüferinnen und Prüfer die Qualität der Versorgung. Außerdem überprüfen sie bei sechs Bewohnern, ob die Indikatoren, die die Einrichtung übermittelt hat, plausibel sind.
  • Fachgespräch: Die Pflegekräfte vor Ort kommen ebenfalls zu Wort. Mit ihnen besprechen die Qualitätsprüferinnen und -prüfer die Versorgung der neun Bewohner und beraten sie zu Verbesserungen.

Im Gegensatz zu bisher muss der MDK die Qualitätsprüfung nun einen Tag vorher ankündigen, zumindest dann, wenn es sich um eine Regelprüfung handelt. Anlassprüfungen, die auf Hinweisen zu Mängeln basieren, finden weiterhin unangemeldet statt.

Eine Verlängerung von Prüfabständen soll in Zukunft ebenfalls möglich sein. Erzielen Pflegeeinrichtungen besonders gute Prüfungsergebnisse, stattet ihnen der MDK nur noch alle zwei Jahre einen Besuch ab.

Wie Interessierte die Prüfungsergebnisse einsehen können

Was bedeutet nun dieses neue System für Verbraucher, die sich für die Qualität von Pflegeeinrichtungen interessieren? Die Anlaufstelle bleibt die Internetseite der Pflegekassen. Die zur Verfügung gestellten Informationen allerdings sollen umfassender, dynamischer und aussagekräftiger sein. Sie basieren auf drei Säulen:

  • ausgewählte Ergebnisse der MDK-Prüfung
  • Ergebnisse der Indikatoren
  • allgemeine Informationen zum Pflegeheim, zum Beispiel zum Standort und zur Ausrichtung der Zimmer

Interessenten können, so die Idee, nach ihren Wünschen Informationen auswählen und vergleichen.

Der Mensch rückt in den Mittelpunkt

Ein Hauptziel der Reform der Qualitätsprüfung von Pflegeeinrichtungen besteht darin, den Menschen in den Mittelpunkt zu rücken. In erster Linie betrifft das natürlich die Bewohner von Pflegeheimen. Statt einer ordentlichen Pflegedokumentation soll jetzt vor allem zählen, ob es ihnen gut geht bzw. ob sie die bestmögliche Versorgung erhalten.

Zusätzlich erhoffen sich Befürworter der Reform eine Aufwertung der Rolle der Pflegefachkraft. Schließlich können diese jetzt im persönlichen Gespräch mit den Prüfern vor Ort ihrer Meinung Gehör verschaffen. Das gibt ihnen Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge zu vertreten und auf diese Art vielleicht falsche Eindrücke „zurechtzurücken“.

Wichtig für Pflegeeinrichtungen ist es, sich rechtzeitig auf die Veränderungen vorzubereiten. Denn vor allem die Erfassung der Indikatoren bedeutet einen Mehraufwand, der sich nicht von heute auf morgen bewältigen lässt. Wer die Vorteile des neuen Pflegestandards nutzen will, macht sich deshalb am besten früh an die Arbeit.

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Haben Sie Fragen?

Silke Liehr

Silke

TÜV NORD Akademie GmbH & Co. KG
Produktmanagerin Qualitätsmanagement
Am TÜV 1, 30519 Hannover

+49 511 998-62087
Fax: +49 511 998-62075

sliehr@tuev-nord.de

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