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Prävention am Arbeitsplatz – Der Wau-Effekt für die Gesundheit

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Beitrag vom 03.08.2020

Präventionsmaßnahmen sind unumgänglich

Unternehmen in Deutschland und deren Mitarbeitende kennen das zunehmende Problem psychischer Belastungen am Arbeitsplatz, dessen Ursache häufig steigende Leistungserwartungen sind. Im Gesundheitsreport 2019 der DAK Krankenkasse sticht insbesondere die Zahl der Langzeitarbeitsunfähigen (ab 43 Tagen) hervor. Auch der Anstieg der Fehltage aufgrund der durch Stress ausgelösten psychischen Erkrankungen ist deutlich gestiegen (2018: 33,7 Tage; 2019: 35,4 Tage). 

Vor diesem Hintergrund ist das Ergreifen von Präventionsmaßnahmen zur Gesundheitsförderung von Mitarbeitenden für Unternehmen heutzutage unumgänglich. Führungskräfte stehen jedoch vor der Herausforderung, dass die betriebliche Gesundheitsförderung zumeist mit Kosten verbunden ist, sodass die Maßnahmen aufgrund von fehlenden finanziellen Ressourcen für viele Unternehmen nicht realisierbar sind. Kostenlose Präventionsmaßnahmen sind für Unternehmen deshalb besonders interessant. Eine dieser Maßnahmen stellt der Einsatz von Bürohunden am Arbeitsplatz dar.

Der „Bürohund“

Eine offizielle Definition des Begriffes „Bürohund“ gibt es noch nicht. Der Interessenverein Bundesverband Bürohund eV. definiert den Bürohund als einen "durch seinen Menschen mitgeführte(n) Hund, der beabsichtigt unter adäquaten Bedingungen, [...] Teil eines Arbeitsteams im Büro [...] ist".  Der Verein setzt sich seit 2014 aktiv für die Implementierung von Bürohunden in Unternehmen ein: "Wir glauben daran, dass Hunde im Büro gut für Menschen, Unternehmen und Hunde sind“.

Inzwischen werden diese Annahmen durch zahlreiche Studien und wissenschaftlich belegte Fakten gestützt. Insbesondere sind in diesem Kontext wissenschaftliche Studien zu den Auswirkungen der Mensch-Hund-Interaktion in Korrelation mit dem Konstrukt Stress zu nennen. Darüber hinaus haben Bürohunde jedoch auch einen Einfluss auf weitere Faktoren wie zum Beispiel die Arbeitsleistung und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden.

Auswirkungen von Bürohunden im Überblick

Noch sind nicht alle Aspekte der Auswirkungen von Hunden im Büro bekannt. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten jedoch bereits die folgenden Auswirkungen bestätigen:

  • Senkung von Stress durch die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin und Abbau des Stresshormons Cortisol
  • Allgemeine Verbesserung des Arbeitsklimas
  • Positive Effekte auf die Gemeinschaft und die Beziehungen unter Mitarbeitenden
  • Steigerung der Motivation der Mitarbeitenden

Ein weiterer positiver Aspekt für Unternehmer liegt im Bereich des Employer Brandings. Viele Mitarbeitende finden, dass die Zulassung eines Hundes am Arbeitsplatz den Arbeitgeber attraktiver macht.

Ich kann den positiven Effekt nur bestätigen. Mehrere meiner Coaching-Klienten bringen gelegentlich ihren Hund mit. Das entspannt nicht nur die Coachings spürbar, auch meine MitarbeiterInnen freuen sich jedesmal darauf, wenn wir Hundebesuch bekommen.

Dr. Friedrich Soretz, Organisationsberater und Coach

Bedingungen und Grenzen für einen Bürohund

Trotz all dieser positiven Auswirkungen, ist es natürlich keine gute Idee, einfach mit einem Hund im Büro aufzutauchen. Nicht jeder Mensch ist ein Hundeliebhaber – darauf sollte Rücksicht genommen werden, ansonsten besteht das Risiko, dass der Bürohund genau die gegenteiligen Effekte auf die Mitarbeitenden ausübt.

Folgende Rahmenbedingungen sollten für einen Bürohund auf jeden Fall erfüllt sein:

  • Erlaubnis durch die Geschäftsleitung
  • Einverständnis der Kollegen, ggf. Vereinbarung von „Hunderegeln“
  • Keine Allergiker im Team
  • Der Hund muss gut erzogen sein und darf den betrieblichen Ablauf nicht stören

Sollte es nicht möglich sein, diese Rahmenbedingungen zu erfüllen, muss es auf andere Mittel zurückgreifen, um die gewünschten Effekte zu erreichen.

Arbeitgeberattraktivität steigern und Mitarbeitende binden

Ursache für einen hohen Krankenstand kann unter anderem auch eine Folge von mangelnder Mitarbeiterbindung sein. Unabhängig davon, ob ein Bürohund im Unternehmen erlaubt ist, sollten sich Führungskräfte deshalb langfristig mit den Themen Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterbindung beschäftigen.

Es gibt verschiedene Bereiche, in denen Maßnahmen ergriffen werden können:

  • Extrinsische Motivationsfaktoren verbessern (Vergütung, Boni, Einfluss, Anerkennung und Wertschätzung, Arbeitsplatzsicherheit etc.)
  • Arbeitsplatz-Kontext (bspw. Rollendefinitionen schärfen, Ausmaß der Bürokratie senken, Hilfsmittel/-tools zur Arbeitserleichterung etc.)
  • Aufgabenfelder anpassen (bspw. stressauslösende Aufgaben durch Software automatisieren, stressiges Multitasking verhindern etc.)
  • Führungs- und Mitarbeiterverhalten (bspw. offene Kommunikation, Arbeitszeitenregelungen, Pausenzeiten, soziale Kompetenzen, Einsatz der Mitarbeitenden entsprechend ihrer Stärken und Talente etc.)
  • Beziehungen am Arbeitsplatz (bspw. Teamzusammengehörigkeitsgefühl, gelebte/-s Unternehmenswerte/-leitbild etc.)
  • Einrichtung und Gestaltung der Unternehmensräume (bspw. Ergonomie, Ablagesysteme, Bilder/Blumen etc.)
  • Weiterentwicklungsmöglichkeiten und Karrierefaktoren (bspw. Möglichkeiten zur Weiterbildung, Gesundheitsprogramme zur physischen/mentalen Gesundheit, Mentorenprogramme etc.)

Die drei entscheidenden Faktoren für eine Mitarbeiterzufriedenheit sind Fähigkeiten, Wertvorstellungen und Interessen. Für den Erfolg der Maßnahmen ist es deshalb entscheidend, inwiefern sie in das Gesamtkonzept des Unternehmens eingebunden sind.

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