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Der neue Standard DIN ISO 45001 bringt viele Veränderungen mit sich. Wie wirken sich diese ganz konkret auf den Arbeitsalltag aus? Diese und weitere Fragen stellten wir einem frisch zertifizierten Unternehmen: Der Vertriebs- und Servicegesellschaft des Sensorherstellers SICK. Boris Woelffel leitet den Bereich Managementsysteme bei der SICK Vertriebs-GmbH und hat die Umstellung von BS OHSAS 18001 und SCC auf DIN ISO 45001 durchgeführt.

Herr Woelffel, wie bewerten Sie die neue Norm DIN ISO 45001 im Vergleich zur Vorgängernorm BS OHSAS 18001?

Aus unserer Sicht ist die neue Norm viel praxisnäher. Durch die High Level Structure werden die Abläufe und Inhalte anschaulich dargestellt. Das macht das Verständnis für die Norm und ihre Kapitel leichter. Gut gefällt mir auch der Blick auf die neuen Managementschwerpunkte: auf interessierte Parteien, Chancen und Risiken sowie ausgelagerte Prozesse. Endlich gibt es eine international anerkannte und moderne Norm, die das Wirrwarr aus SCC, ASCA, OHRIS, AMS nach BG Grundsatz und OHSAS auflöst und zu EINEM zertifizierbaren Standard vereint.

Wie wurde das Thema Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagement bisher in Ihrem Unternehmen behandelt?

In der Vergangenheit haben wir zwei verschiedene Systeme genutzt. Für den Fieldservice der Prozessautomation waren wir nach SCC zertifiziert, für die anderen Bereiche der SICK Vertriebs-GmbH nach dem Arbeitsschutzmanagement-Standard der gesetzlichen Unfallversicherung BG ETEM. Aus Gründen der Effizienz und Klarheit in der Außendarstellung lag es nahe, auf ein einheitliches, international gültiges und anerkanntes System umzusteigen. Die DIN ISO 45001 Norm eignet sich hierfür ideal und vereint alle wesentlichen Prozesse und Strukturen.

Welchen Nutzen zieht Ihr Unternehmen aus der Zertifizierung nach ISO 45001?

Als Anbieter von Sicherheitssensorik ist dieser Standard quasi ein "Must-have", denn unsere Kunden erwarten von uns höchsten Arbeitssicherheitsstandard. Daneben bemerken wir bei unseren Kunden ein wachsendes Interesse an dieser Thematik. Dies spiegelt sich vor allem in der steigenden Anzahl an Kundenfragebögen zum Thema Arbeitssicherheit wider. Auch bei der Gewinnung potentieller Kunden spielt die Norm eine wichtige Rolle und ist häufig eine Grundvoraussetzung für die Vergabe eines Auftrags. Ein weiterer Vorteil ergibt sich durch die verstärkte Einbeziehung der Dienstleister und Lieferanten in die Abläufe. Dies schafft Transparenz und Offenheit. Die Themen Politik, Strategie und Ziele erreichen einen höheren Stellenwert in der Organisation. Dies wird auch durch interne Audits und das Management-Review forciert. Wir können nun aufzeigen, wie stark unsere "Leistungsfähigkeit" in Bezug auf unsere Ziele und Maßnahmen ist. Dazu kommt ein völlig neues und besseres Bewusstsein für gefährliche Situationen bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das Thema Arbeits- und Gesundheitsschutz ist stärker in den Fokus gerückt. So erfolgt eine stärkere Sensibilisierung und eine Auseinandersetzung mit Themen wie "persönliche Schutzausrüstung" (PSA), Gefährdungsbeurteilung (GFB) oder Arbeitsschutzgesetz.

Gab es im Rahmen des Zertifizierungsprozesses auch neue Erkenntnisse oder gar Überraschungen?

Insgesamt verzeichnen wir einen Anstieg der gemeldeten Unfälle und Beinahe-Unfälle. Was wir positiv bewerten, weil es für ein verändertes Bewusstsein gegenüber der Thematik spricht. Gerade die Meldung von Beinahe-Unfällen ist ein wichtiges Instrument zur Prävention. Dadurch wurden Lücken erkannt und konnten geschlossen werden.

Welche Empfehlungen haben Sie für Unternehmen, die ebenfalls überlegen, sich nach der neuen Norm zertifizieren zu lassen?

Eine wichtige Empfehlung ist auf jeden Fall der frühzeitige Beginn mit den Vorbereitungen. Von der Idee bis zur Realisierung sind bei uns fast zwei Jahre vergangen. Diesen Aufwand sollte man nicht unterschätzen. Auch die Entscheidungswege und die interne Kommunikation sollten mit eingeplant werden, da diese unter Umständen eine längere Zeit benötigen. Weiterhin empfehlen wir, die High Level Structure der ISO 45001 zu nutzen und das System anhand der Normstruktur aufzubauen. Gerade die Aspekte, die durch die Revision der ISO 9001/14001:2015 zusätzlich aufgenommen wurden, sind auch hier die Erfolgsfaktoren: die Definition von Leistungszielen, der Blick auf die interessierten Parteien, die Betrachtung von Risiken und Chancen und die Integration von fremdbezogenen Prozessen. Auch unsere Lieferanten und Dienstleister hatten großes Interesse, diese Verfahren aktiv mit zu gestalten. Als besonders wichtig hat sich die interne Kommunikation herausgestellt: Wir haben Mitarbeitende und Führungskräfte immer über den aktuellen Stand der Umsetzung informiert. Als Projektteam standen wir immer für Rückfragen zur Verfügung und haben von Anfang an den Betriebsrat einbezogen. So konnte letzten Endes ein gemeinschaftliches Verständnis für die Notwendigkeit und den durch die Zertifizierung erreichten Mehrwert und Nutzen geschaffen werden.

Was sind nun die nächsten Schritte?

Wichtig ist es, die Ziele und Maßnahmen im Auge zu behalten und kontinuierlich an Verbesserungen zu arbeiten. Auch neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern soll unsere Kultur zum Arbeits- und Gesundheitsschutz von Anfang an nähergebracht werden.  Darüber hinaus arbeiten wir an dem Ausbau der Softwarelösung, die wir für diese Thematik nutzen. Dazu zählen zum Beispiel die Entwicklung einer Smartphone-App für Unfallmeldungen, transparente Einblicke in die Gefährdungsbeurteilungen und Last-Minute-Risk-Analysen. Aber auch eine ständige kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Strukturen und Prozessen ist wichtig, um gegebenenfalls nachjustieren oder reduzieren zu können.

Hintergrund

Die weltweit agierende SICK AG gehört mit über 50 Tochtergesellschaften und einem Konzernumsatz von rund 1,6 Milliarden Euro zu den führenden Herstellern von Sensoren – von der Fabrik- über die Logistikautomation bis zur Prozessautomation. Eine der Tochtergesellschaften mit Sitz in Düsseldorf ist die SICK Vertriebs-GmbH. Sie ist für den Vertrieb der Produkte und Dienstleistungen von SICK in Deutschland verantwortlich. Gemeinsam mit seinem Kollegen Klaus Dieter Dapa verantwortet Boris Woelffel alle zertifizierten Managementsysteme im Unternehmen. So hat er auch die Umstellung von BS OHSAS 18001 und SCC auf den neuen Standard DIN ISO 45001 durchgeführt.

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